Bückeburg / Nachruf

Hilfreich mit Charme, Perfektion, Hingabe

Benita (Zweite von links) beim Besuch von Michail Gorbatschow (links) und dessen Frau Raissa auf Schloss Bückeburg.

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Von Thomas Meinecke

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Bückeburg. Es ist vor allem ihr Verdienst, wenn das Adelshaus in Schaumburg-Lippe – seit einigen Jahrzehnten wieder – hohes Ansehen genießt.

 Kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges hatte das Haus am Stammsitz Bückeburg an Strahlkraft eingebüßt. Adolf II. war nicht mehr regierender Fürst. Es kam hinzu, dass er und Gattin Elisabeth überall auf der Welt lebten, aber kaum mehr in Bückeburg. Sein Nachfolger als Chef war Wolrad. Als dieser Schloss Hagenburg gegenüber dem ehemaligen Residenzsitz als Wohnort den Vorzug gab, gefiel das den Bückeburgern nicht. Diese Lage vorfindend, haben Philipp-Ernst und Benita das seit Jahrzehnten verwaiste Schloss Bückeburg Mitte der fünfziger Jahre als künftigen Wohnsitz gewählt.

 Große Gesellschaften und „Arbeiter-Essen“

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 Benita zu Schaumburg-Lippe hat sich umgehend daran gemacht, die verständliche Skepsis der Bevölkerung gegenüber dem Adelshaus zu beseitigen. Mit dem ihr eigenen Charme und mit der sie auszeichnenden Beharrlichkeit ist es ihr in nur wenigen Jahren gelungen, die Menschen auf die Seite des Hauses Schaumburg-Lippe zu ziehen. Peu à peu. Gemeinsame Abende mit maßgeblichen Menschen in Stadt und Land waren ebenso Mittel zum Zweck wie große Gesellschaften für weiter gefasste Kreise, zum Beispiel die „Arbeiter-Essen“.

 Zielstrebigkeit, Durchsetzungskraft, Beharrlichkeit – diese Eigenschaften haben ihr den Erfolg erst ermöglicht. Sie scheinen ihr in die Wiege gelegt gewesen zu sein, wie eine nicht ungefährliche Episode aus Benitas Jugend zeigt: Die Flucht von den Besitztümern in Mecklenburg und Schlesien hatte die Familie nach Kiel verschlagen. Dort bestieg die erst 19-Jährige im Jahr nach Ende des Krieges einen Zug, der sie zur Familienbesitzung im schon polnisch besetzten Moschen in Schlesien brachte. Benita wusste, an welchem Ort vor der Flucht das Tafelsilber vergraben worden war, grub es aus und brachte es und sich selbst sicher zurück nach Kiel.

 Einer ihrer Professoren aus Freiburger Studientagen hat einmal geurteilt, sie sei „ein klarer Kopf“. Ihr Biologiestudium hat sie in rekordverdächtigem Tempo absolviert, dann noch die Promotion hinten drangehängt. In dieser Doktorarbeit hat sie sich mit „Mutationshemmungen als Folge radioaktiver Bestrahlungen“ befasst – übrigens mit dem Ergebnis „summa cum laude“. Benita zu Schaumburg-Lippe ist die erste Adelige in der Geschichte des Hauses gewesen, die ihr wissenschaftliches Talent mit einem Doktortitel unter Beweis gestellt hat.

 Großes Aufheben hat sie von diesem Ehrentitel nicht gemacht, der Haustitel „Fürstin“ ist ihr wichtiger gewesen, jedoch hat sie ihrem Mann beim Auftritt gern den Vortritt gelassen. Eine Rede hat sie Zeit ihres Lebens nicht gehalten. Stattdessen hat sie ihre Fähigkeit, strukturiert zu denken und präzise zu arbeiten, in den Dienst besagten Teams gestellt, etwa beim Vorbereiten von Gesellschaften auf Schloss Bückeburg.

 Für jedes Projekt ein Karton

 Legende ist ihre aus der wissenschaftlichen Arbeit herrührende akribische Vorgehensweise, derlei Vorbereitungen zu treffen: Handschriftlich hat sie bis hin zum winzigsten Detail alle Ideen und Anweisungen auf DIN-A4-Blättern festgehalten – stets handschriftlich, stets mit blauem Filzstift. Jedes Blatt hat sie nummeriert und, nach Themen sortiert, in farblich verschiedenen Pappordnern abgelegt, die sie in Kartons gesammelt hat – für jedes Projekt ein Karton.

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 Ihr Hang zur Präzision, ihr Faible für Dekorationen und Blumenschmuck und ihre Liebe zum Detail sind stets auf leisen Sohlen gekommen. Als etwa König Hussein von Jordanien im Jahr 1978 Bückeburg besuchte, hat Benita dem besonderen Gast – einem gläubigen Muslim, der keinen Alkohol trank – einen besonderen Service erwiesen. Sie hat dafür gesorgt, dass dem König Fruchtsäfte gereicht wurden, die im Farbton exakt dem des Weines entsprachen, der gerade allen anderen Gästen des Festbanketts serviert wurde.

 Für weite Kreise sichtbar geworden ist Benitas Engagement in sozialen Fragen. Eine Einrichtung des Altersheimes in den Hofwiesen trägt ihren Namen – für dieses Haus hat sie sich Jahrzehnte eingesetzt, auch noch nach ihrem schweren Unfall im Jahr 2007. Lange Zeit hat sie im Vorstand des Bückeburger DRK mitgearbeitet und sich für das Josua-Stegmann-Haus in Stadthagen engagiert. Zugunsten der Kinderkrebshilfe hat sie im September 1989 ein denkwürdiges Benefizkonzert mit der US-Sopranistin Helen Donath organisiert und dafür den damaligen Ministerpräsidenten Ernst Albrecht als Schirmherr gewonnen. Als guter Geist hat sie oft diskret geholfen, wenn jemand Hilfe benötigte.

 Ihr Verhältnis zu den Menschen hier ist geprägt von besonderer Freundlichkeit, zugleich aber auch von einer liebenswürdigen Distanz. Leutseligkeit, das war nicht ihre Sache. Und doch gibt es dieses eine, ganz spezielle Bild, und viele werden es im Kopf haben: diese zierliche, elegante Person in Jeans und hellen Turnschuhen, die mit unter dem Kinn zusammengebundenen Kopftuch durch den Harrl zum Idaturm hinaufläuft und wieder herunter – und stets mit gewinnendem Lächeln grüßt. Wohl so werden die meisten Bückeburger Benita in Erinnerung behalten.

Zwei Trauerfeiern

Den Termin für die Beisetzung von Benita zu Schaumburg-Lippe hat das Adelshaus gestern bekannt gegeben. Benita zu Schaumburg-Lippe soll am Freitag, 24. Mai, um 14 Uhr im Rahmen einer Trauerfeier, zu der ausschließlich geladene Gäste Zutritt haben werden, am Mausoleum im Bückeburger Schlosspark beigesetzt werden.
Um möglichst vielen Freunden, Bekannten und Menschen aus dem Schaumburger Land die Möglichkeit zum Abschiednehmen zu geben, wird das Haus zu Schaumburg-Lippe am Sonnabend, 25. Mai, um 18 Uhr eine gesonderte Trauerfeier in der Stadtkirche ausrichten. Zudem wird die Verstorbene am Montag und Dienstag, 13. und 14. Mai, in der Schlosskapelle aufgebahrt; Zutritt ist jeweils von 12 bis 17 Uhr. In der Eingangshalle des Schlosses werden Kondolenzbücher ausliegen.  thm

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