Bückeburg

Kampf für Menschenrechte

Aktiv für Menschenrechte: Christel Wieding, Irmgard Klingst und Karin Möllmann, Olaf Schrage und Helmut Rinne. Irmgard Klingst hält ein Foto von Pater Alberto Gabicagoyeascoa. mig

Aktiv für Menschenrechte: Christel Wieding, Irmgard Klingst und Karin Möllmann, Olaf Schrage und Helmut Rinne. Irmgard Klingst hält ein Foto von Pater Alberto Gabicagoyeascoa. mig

Bückeburg. Am Anfang der Gruppe 1019 Schaumburg steht vor allem ein Name: Dr. Werner Frucht, damals Vorstandsmitglied der deutschen Sektion. "Urgestein" Christel Wieding erinnert sich: Dr. Frucht war in der Herderschule und hat einen bewegenden Vortrag über Amnesty gehalten; gleich im Anschluss wurden die Gruppe 19 und eine Schülergruppe 200 ins Leben gerufen." Danach ging alles Schlag auf Schlag: Kurz nach der Gründung bekam die Gruppe schon ihre ersten Gefangenen "zugeteilt": Die Mitglieder sollten einen Baptisten aus der UdSSR, eine Hausfrau aus Paraguay und den baskischen Priester Pater Alberto Gabicagoyeascoa unterstützen.
Der Priester aus Spanien war auf eine kritische Predigt hin zu einer Haftstrafe verurteilt worden war. Nach seiner Entlassung beteiligte sich der Pater an einem Hungerstreik vor dem bischöflichen Büro in Bilbao und protestierte in einem Aufruf gegen die Misshandlung von Gefangenen. Das Ergebnis: zwölf Jahre Gefängnis, während der Gabicagoyeascoa von der Gruppe 1019 betreut wurde. Ebenfalls von Schaumburg aus begleitet wurde der bisher "prominenteste" Gefangene, General Olusegun Obasanjo (von 1976 bis 1979 und von 1999 bis 2007 nigerianischer Präsident). Obasanjo hatte internationale Funktionen (Gründer von Transparency International) und war von 1995 bis 1998 politischer Häftling des Militärdiktators Sani Abachja.
Aller Anfang ist schwer, das mussten auch die Amnesty-Aktiven lernen. Vor allem das Übersetzen der Protestbriefe gestaltete sich oft schwierig. Derzeit suchen die Mitglieder händeringend einen chinesischsprachigen Unterstützer. Christel Wieding: "Irmgard Klingst hat, als wir den spanischen Priester betreut haben, sogar Spanisch gelernt. Ansonsten haben wir die Briefe meist auf Englisch geschrieben und den Namen fett gedruckt. Die Adressaten kannten den ja schon."
Die Motive für ihr Engagement sieht Wieding – die zusammen mit Ehemann Gerd, Irmgard Klingst und Karl-Heinz Rodenberg zu den noch aktiven Gründungsmitgliedern gehört – vor allem in den Erlebnissen der Jahre 1933 bis 1945 begründet: "Wir waren der Überzeugung, so etwas darf nicht wieder passieren." Um das zu verhindern, haben die Mitglieder mit Brief-Aktionen gegen Menschenrechtsverletzungen protestiert und Öffentlichkeit hergestellt. Ungezählt sind auch die vielen Stunden, die die Aktiven an Infoständen ausharrten, Schulen besuchten oder Briefköpfe abschrieben. Für die Zukunft hoffen die Aktiven auf mehr Nachwuchs, derzeit sind es meist ältere Mitglieder, die die Aktionen – aktuell für Chen Zhenping, eine Falun-Gong-Anhängerin, die im Gefängnis gefoltert wurde – am Laufen halten. mig

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