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Bückeburg

Ku-Klux-Klan als Vertreter des Christentums?

Bückeburg. Die Wissenschaftlerin hielt ihren Vortrag während der von der Gesellschaft für Sicherheitspolitik (GSP) im Bückeburger Hubschraubermuseum organisierten Veranstaltung „Schaumburger Plattform“. Horsch-Al Saad arbeitet seit 2012 als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Islamische Theologie in Osnabrück.

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Eine der Quintessenzen der umfangreichen, aus sunnitischer Sicht vorgetragenen Ausführungen, war die Erkenntnis, dass die hierzulande häufig verwendete Formulierung von der „Einheit von Religion und Politik im Islam“ einer Fehlwahrnehmung gleichkommt. „Wenn es hier um den Islam geht“, merkte die in Arabistik promovierte Expertin an, „geht es immer ums Grundsätzliche, und es werden eindeutige Antworten erwartet, die mit Koranversen belegt werden.“ Dies stelle unterdessen keinen zielführenden Zugang dar. Es gelte, immer die konkreten Fälle sowie die jeweiligen historischen und politischen Kontexte zu betrachten.

Darüber hinaus sei festzustellen, dass die grundsätzliche Frage nach dem Verhältnis von Religion und Politik nicht abschließend beantwortet werden könne. „Das ist eine Frage, auf die es keine eindeutige Antwort gibt.“ Im Koran und den Überlieferungen des Propheten existierten keine konkreten Vorschriften, wie ein Gemeinwesen, ein Reich oder ein Staat politisch verfasst sein soll.

Mit Blick auf den „Islamischen Staat“ legte Horsch-Al Saad dar, dass Geschichtsbewusstsein und religiöse Bildung bei vielen Muslimen „leider“ nicht sehr ausgeprägt seien. „Wenn dann noch ein schwaches Selbstbewusstsein, romantische Abenteuerlust und die Suche nach einer starken Gemeinschaft hinzukommen, im Westen häufig gepaart mit Zurückweisungen der Gesellschaft und Diskriminierungserfahrungen, kann sich daraus eine Anfälligkeit für extremistische Propaganda ergeben.“ Das zeigten mehrere Fälle Jugendlicher und junger Erwachsener, die der Propaganda der „IS“ aufgesessen seien.

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„Wenn Sie nachvollziehen wollen, wie es sich für Muslime anfühlt, den ‚IS‘ in den Medien als Repräsentanten des Islams vorgestellt zu bekommen“, sagte sie, „können Sie ein Gedankenexperiment unternehmen und sich vorstellen, dass Ihnen als Christ jemand den Ku-Klux-Klan als einen offiziellen Vertreter des Christentums präsentiert.“ Auch der Klan meine, im göttlichen Auftrag zu handeln, betrachte sich als radikale protestantische Organisation, und das Symbol des brennenden Kreuzes solle das Licht Jesu Christi symbolisieren. Horsch-Al Saad: „Sie werden natürlich sagen, das hat mit Christentum und Protestantismus nichts zu tun. Und Sie würden sich höchstwahrscheinlich wundern, wenn andere Sie aufforderten, sich vom Klan zu distanzieren, weil Sie meinen, dass selbstverständlich verstanden werden sollte, dass Sie damit nichts zu tun haben.“ r

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