Bückeburg / Frauenquote

Leichenschau ist doch Frauensache

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Plädiert für einen ausgeglichenen Anteil von Frauen und Männern: Eike Höcker, Präsidentin des Landgerichts. 

Bückeburg. Von Stefan Lyrath

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Bückeburg. Niedersachsens Justizministerin Antje Niewisch-Lennartz (Grüne) hat kürzlich eine entsprechende Anfrage der Liberalen beantwortet. Der Tenor: Es wird besser, doch in Führungspositionen gibt es noch viel zu wenig Frauen.

 Die Schaumburger Justiz bietet da keinen Anlass zur Sorge. „Wir haben eine sehr gute Quote“, meint Birgit Brüninghaus, die Sprecherin des Landgerichtsbezirks Bückeburg, dessen Grenzen mit dem Landkreis identisch sind. Auf drei von vier Chefsesseln in Bückeburg, Rinteln und Stadthagen sitzt eine Frau. Hinzu kommt, dass auch die höchste Strafgewalt in weiblicher Hand liegt.

 Eike Höcker ist seit 2009 die erste Präsidentin in der Schaumburger Justizgeschichte. Sie kommt aus einer Juristenfamilie: Höckers Großvater war Direktor des hiesigen Amtsgerichts, die Mutter Staatsanwältin in Hannover.

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 25 Richter: 14 Männer und elf Frauen

 Bei den drei Amtsgerichten im Landkreis hält Armin Böhm (Bückeburg) die Fahne der Männer hoch. Das Amtsgericht Rinteln wird von Direktorin Gisela Tigges geleitet, in Stadthagen hat Gudrun van Lessen das Sagen. Insgesamt sind unter den 25 Schaumburger Richtern 14 Männer und elf Frauen.

 Eine herausragende Position nimmt auch Birgit Brüninghaus ein, seit 2006 die erste Vorsitzende Richterin in der 134-jährigen Geschichte des Landgerichts Bückeburg. Das fünfköpfige Schwurgericht, dem Brüninghaus vorsitzt, ist der einzige Spruchkörper, der lebenslange Haft verhängen kann – was bisher erst einmal (2005) vorgekommen ist, damals noch mit dem Vorsitzenden Richter Friedrich von Oertzen.

 Noch vor wenigen Jahrzehnten bezweifelten männliche Juristen, ob Frauen den Richterberuf überhaupt ausüben können. Heute ist das keine Frage mehr. Auch die Teilnahme an einer Leichenöffnung traute man(n) ihnen häufig nicht zu. Eike Höcker und Birgit Brüninghaus haben dies hinter sich gebracht, ohne in Ohnmacht gefallen zu sein – was man nicht von allen Männern behaupten kann.

 „Ich ermuntere Frauen, Führungsaufgaben zu übernehmen“, sagt Präsidentin Eike Höcker, die 1995 als erste Frau bei einem Schaumburger Amtsgericht eine Planstelle als Richterin bekommen hat. „Teilzeitarbeit ist bei Führungspositionen allerdings nicht möglich“, schränkt sie ein. Ansonsten sei Teilzeit „bei der Justiz kein Problem“. Birgit Brüninghaus hat den Eindruck: „Männer in Führungspositionen haben häufig Frauen, die ihnen zu Hause den Rücken freihalten.“

 Eine ihrer Aufgaben als Präsidentin sieht Eike Höcker darin, „dass Beschäftigte in Teilzeit keine Nachteile haben, sondern genauso verantwortungsvolle Tätigkeiten übertragen bekommen wie Vollzeitmitarbeiter“. Ein weiteres Anliegen: „Auch in der Justiz sollte die Gesellschaft real abgebildet sein. Deshalb sollte der Anteil von Frauen und Männern möglichst ausgeglichen sein. Außerdem brauchen wir in der Justiz mehr Menschen mit Migrationshintergrund.“

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 Frauenförderung justizpolitisches Ziel

 Übrigens hat Justizministerin Niewisch-Lennartz der FDP-Abgeordneten Bruns auf deren Anfrage geantwortet, dass sich der Frauenanteil in der niedersächsischen Justiz in den vergangenen Jahren nach und nach erhöht habe. Insgesamt hätten jedoch noch deutlich mehr Männer Führungspositionen inne. Frauenförderung sei daher ein wichtiges justizpolitisches Ziel. „Der Anteil von Frauen in Führungspositionen“, so verspricht die Ministerin, „soll deutlich erhöht werden.“

 Die Zahlen: Beim Landgericht in Bückeburg arbeiten vier Richterinnen und fünf Richter, beim Amtsgericht Bückeburg sind es vier männliche und drei weibliche Richter. Amtsgericht Stadthagen: vier Richterinnen, drei Richter; Amtsgericht Rinteln: eine Richterin, drei Richter.

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