Bückeburg /<wbr> 9. November

Menschenkette und Schweigeminute am Adolfinum

Hand in Hand schweigend verbunden: die Menschenkette rund um das Gymnasium Adolfinum. © Jan Sladek

Hand in Hand schweigend verbunden: die Menschenkette rund um das Gymnasium Adolfinum. © Jan Sladek

Bückeburg (vhs). Die Aktion ist Teil der von der SV getragenen Initiative, mit der die Schule zur "Schule ohne Rassismus - Schule mit Courage" werden soll, um Diskriminierung jeder Art entgegenzuwirken.

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Zur Vorbereitung stand sehr viel Material zur Verfügung: Schilderungen aus Obernkirchen, Bückeburg und Hannover über die Gewalttaten und Zerstörungen in jenen Novembertagen, biografische Hinweise auf Herschel Grynspan, den Attentäter von Paris, dessen Straftat den Vorwand bot für die Nazikampagne, und literarische Werke, die die Ereignisse thematisieren. Renate Fincks „Mit uns zieht die neue Zeit“ kann als Beispiel dienen für ein Bekenntnis zur eigenen Schuld und zur Verführung der Kinder und Jugendlichen. Im Fach Politik-Wirtschaft konnte untersucht werden, welche Bedeutung die Reichspogromnacht für die folgende Arisierung jüdischen Besitzes hatte. All das Material macht deutlich: Der Holocaust hat giftige Wurzeln im November 1938, auch in Bückeburg, wo man erst am 10. November wie toll zur Sache ging.

Jonas Pfähler und andere SV-Vertreter kümmerten sich um den reibungslosen Aufbau der Kettenformation. Einige Schüler hatten noch Schwierigkeiten, dem Drang zu widerstehen, zur „La-Ola“-Welle überzugehen. Doch als das Megafon verstummte, herrschte für etwas mehr als eine Minute andächtige Stille. Man gedachte der Opfer und musste die Täter dabei nicht vergessen. Die Kette war lückenlos, zufrieden versanken auch die SV-Lehrkräfte Franziska Winther und Björn Riemer für kurze Zeit in Gedanken.

Nur wenige Schülerinnen und Schüler nahmen nicht an der Aktion teil, und auch ein paar Lehrkräfte blieben im Hause. Als Grund war zu hören, die Aktion sei zu aktionistisch. Anspielungen auf die zurückliegenden Jahre der Schule ließen vermuten, dass die Kritiker im Kollegium zunächst eine Aufarbeitung der „jüngsten grauen Jahre des Adolfinum“ wollen, ehe man sich selbst auf so gut gemeinte Wege des Antifaschismus begibt und hehre Worte dafür wählt.

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Dass noch genug zu tun ist, auch am Adolfinum, mögen die geschmacklosen Worte eines Zehntklässlers belegen, der sich aus der Klette heraus einer NPD-Wahlkampfparole bediente und einem der Organisatoren zurief: „Gib Gas!“

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