Bückeburg /<wbr> Streit unter Adeligen

Nach „Liebesaktivier-Elixier“ jetzt Museum?

Der adelige Interessent verrät auch noch, was er mit dem feudalen Anwesen in Schaumburg-Lippe zu tun gedenkt: Ein "Fürstin-Helga-Lee-Museum" zur Erinnerung an die "Titularfürstin zu Schaumburg-Lippe" soll errichtet werden. Getragen werden soll die Erinnerungsstätte von einer "Charity Stiftung", verwaltet vom Unterzeichnenden, seinem (Adoptiv)-Sohn "TV Presenter Seine Hoheit Erbprinz Dr. Mario-Max zu Schaumburg-Lippe-Nachod" und "dem Schweizer Groß-Unternehmer S. H. Alexander Andreas Prinz zu Schaumburg-Lippe-Nachod".
Ein Schelm, wer Böses dabei denkt. Aber in Bückeburg ist der Draht zum heimischen Adelshaus kurz, der Kontakt schnell hergestellt – "klingelt" es doch spätestens beim Namen Mario-Max zu Schaumburg-Lippe. Wir erinnern uns an (Rechts-)Streitigkeiten um Marken- und Namensrechte und um das rechtmäßige Führen von Titeln und Adelsprädikaten. Alexander zu Schaumburg-Lippe, Chef des Bückeburger Hauses, war wiederholt gegen den Namensvetter aus Salzburg vorgegangen.
Mario-Max, geborener Wagner, war von einer (angeheirateten) Tante von Alexander, eben jener Helga-Lee, als Erwachsener adoptiert worden. Die daraus erwachsenen Titelansprüche waren strittig. Doch dann heiratete Gertraud-Antonia Wagner-Schöppl, seine leibliche Mutter, Waldemar Prinz zu Schaumburg-Lippe, der einer Nebenlinie (Sekundogenitur) des Hauses angehört – dem Familienzweig Nachod. Waldemar adoptierte Mario-Max. Auf der Web-Seite des Hauses Nachod ist zu lesen: "Um die echte Tradition seiner Familie zu schützen und zu verhindern, dass unter ihrem Namen Adelige vor lauter Neid Schindluder treiben, hat er (Waldemar – d. Red.) auch für die Nachfolge einen promovierten Akademiker auserwählt: Er bestellte seinen Sohn, Erbprinz Mario-Max, den beliebten TV-Moderator und vierfachen Akademiker zum Nachfolger."
"Ja, welche Adelige treiben denn da Schindluder?", fragt sich der unbedarfte Beobachter. Der Seitenhieb dürfte sich gegen den Chef des Bückeburger Hauses, Alexander, richten. Diesem sind nämlich die Allüren des Altenburger Verwandten ein Dorn im Auge. Der stellt nämlich nicht nur gerne seine Verwandtschaft mit dem dänischen Hof heraus und verweist auf Ansprüche auf die britische Thronfolge, sondern hat sich auch zum "Fürsten zu Schaumburg-Lippe-Nachod erhoben" und macht quasi Alleinvertretungsrechte geltend.
Alexander zu Schaumburg-Lippe stellt auf Nachfrage, aber auch auf der Internetseite des Bückeburger Schlosses klar, dass Waldemar keine Berechtigung habe, diesen Titel zu führen: "Ein Fürst Waldemar zu Schaumburg-Lippe-Nachod existiert ebenso wenig wie ein Erbprinz Mario-Max zu Schaumburg-Lippe-Nachod." Die Linie Nachod sei niemals ein eigenständiges Haus gewesen, dessen Chef habe niemals den Titel Fürst geführt. Zu allem Überfluss sei Waldemar noch nicht einmal Chef der Linie Nachod, sondern dessen älterer Bruder Prinz Wilhelm. Und zu den vermeintlich britischen Thronansprüchen verweist der Bückeburger Schlossherr süffisant auf den Platz Waldemars in der Liste potenzieller Thronfolger: 962.
Alexander hätte gerne überprüft, ob Waldemar, wie der selbst behaupte, die Bezeichnung "Fürst zu Schaumburg-Lippe-Nachod" auch im Pass führt. Eine entsprechende Anfrage bei Thüringer Behörden sei jedoch ins Leere gelaufen. Antwort der Behörde: Der Nochoder sei verzogen. Dem widerspreche allerdings die Absenderangabe mit Thüringer Adresse auf der Immobilienanfrage: "Entweder ist die Behörde belogen worden, oder sie lügt selbst." Das Gebaren von Prinz Waldemar und dessen Adoptivsohn Mario-Max gibt Alexander zu denken: "Wer die Öffentlichkeit über seinen Namen und seine Herkunft täuscht, täuscht der nicht auch möglicherweise früher oder später über andere Dinge?"
Und das Helga-Lee-Museum? Seine Tante habe sich in Bückeburg nie besonders wohl gefühlt, berichtet Alexander, ja sogar mit Teilen der Familie über Kreuz gelegen. Er selbst sei zwar immer gut mit ihr ausgekommen, könne sich aber kaum vorstellen, dass seine 2005 verstorbene Tante sich über ein Museum hier gefreut hätte.
Da liegt dann natürlich der Verdacht der Geschäftemacherei nahe. Möglicherweise wollen Trittbrettfahrer vom Erfolg der "Marke Schaumburg-Lippe" in Bückeburg profitieren. Auf Geschäfte und das Einsammeln von Spenden versteht sich nämlich "Erbprinz Mario-Max" laut Angaben der Nachoder Internetseite gut. Zitat: "Die fürstliche Krone auf Erbprinz Dr. Mario-Max ist auch dadurch bestätigt, dass Adel von Edel kommt und er Schutzengel für die Menschen ist. Auf Astro TV, einem Sender für Astrologie, Lebensberatung, Spiritualität und Esoterik, präsentiert er erfolgreiche Liebesaktivier-Elixiere und royale Duftlinien."
Maklern oder Grundeigentümern rät Alexander aber in jedem Fall, sich gründlich über die Bonität der Interessenten zu informieren – das Bückeburger Fürstenhaus stehe nämlich in keiner Weise in Verbindung zu dem Projekt. Das hatte übrigens auch "Fürst Waldemar" in seiner Immobilienanfrage schon klar gestellt: "Mit Herrn Schaumburg-Lippe aus Bückeburg haben wir und unser Tourismusprojekt als königliche Linie zu Schaumburg-Lippe-Nachod nichts zu tun, wir stammen vom dänischen Königshaus ab."
Bleibt da noch der "Schweizer Groß-Unternehmer S. H. Alexander Andreas Prinz zu Schaumburg-Lippe-Nachod", der in der Anfrage mit auftaucht. Als Alexander Holzmann heiratete er 2009 Karin Prinzessin zu Schaumburg-Lippe, pikanterweise die geschiedene zweite Ehefrau von "Fürst Waldemar". Alexanders und Karins Ehe wurde nach wenigen Monaten geschieden – der Name blieb. Allerdings gibt es eine Übereinkunft mit dem Bückeburger Namensvetter, den erheirateten Adelstitel im Geschäftsverkehr nicht zu verwenden. Umso überraschter ist der Bückeburger Schaumburg-Lippe darum, dass der Schweizer Geschäftsmann nun doch wieder unter adeligem Namen auftritt – als "Schweizer Groß-Unternehmer S. H. Alexander Andreas Prinz zu Schaumburg-Lippe-Nachod".
Doch was wird nun aus dem Helga-Lee-Museum, fragt sich der geneigte Betrachter. "Fürst Waldemar" verspricht in seiner Anfrage baldige Aufklärung und bittet um tatkräftige Hilfe: Schließlich solle das neue Projekt schon in Kürze in der Schweiz groß präsentiert werden.

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