Nachnutzung des Bethel-Quartiers

Villenähnlicher Charakter

So soll das Senioren-Kompetenzzentrum nach den vorläufigen Entwürfen aussehen, hier die Sicht von der Herminenstraße auf das Gebäude.Entwurf Michael Poser Architekten

So soll das Senioren-Kompetenzzentrum nach den vorläufigen Entwürfen aussehen, hier die Sicht von der Herminenstraße auf das Gebäude.

Bückeburg. In der jüngsten Sitzung des Bau- und Umweltausschusses am Donnerstagabend stellte der Koordinator, der Bau-Ingenieur Volker Wehmeyer, vor, was nach dem Abriss des Krankenhauses Bethel an der Herminenstraße entstehen soll: Geplant sind außer einem Seniorenkompetenz-Zentrum mit rund 100 Betten sowie weiteren Plätzen in Demenzwohngruppen und Kurzzeitpflege auf der Tiefgarage des Krankenhauses zwei Wohngebäude mit je 16 Wohnungen und in östliche Richtung angrenzend ein drittes Wohnhaus mit Staffelgeschoss.

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Rund 15 Zuhörer waren zu der Sitzung gekommen, offenbar Interessierte, die wissen wollten, was nun aus dem Haus Reiche wird. Ihnen nahm der Ausschussvorsitzende Bernd Insinger (SPD) gleich zu Beginn den Wind aus den Segeln, als er darauf verwies, dass heute nicht über die Frage „Erhalt oder Nichterhalt von Haus Reiche?“ diskutiert werde. Die Ratsherren seien unvorbereitet, da ihnen die Argumente der Interessengemeinschaft Historische Herminenstraße (IGHH) bisher nur aus der Presse bekannt seien.

Pläne werden der öffentlichkeit vorgestellt

Man werde sich kommenden Donnerstag in nicht öffentlicher Runde mit der IGHH zusammensetzen und besprechen, welche Positionen jeder hat. „Ich denke, das ist der richtige Rahmen“, so Insinger. Außerdem verwies er darauf, dass im Zuge der Öffentlichkeitsbeteiligung und der Beteiligung der Träger öffentlicher Belange im Rahmen der Aufstellung des Bebauungsplans Nummer 88 „Bethel-Quartier“ die Pläne und Entwürfe noch im großen Rahmen vorgestellt und diskutiert würden. Zudem könne jeder seine Einwände gegen die Vorgaben des B-Plans erheben.

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Der Öffentlichkeitsbeteiligung stimmte der Ausschuss übrigens bei einer Gegenstimme von Ratsherr Ullrich Dawid (Bündnis 90/Die Grünen) und einer Enthaltung zu. Insinger hatte zuvor darauf verwiesen, dass dieser Beschluss keine Auswirkung auf den Erhalt oder Nichterhalt von Haus Reiche habe. Sollte die Politik zu dem Schluss kommen, dass Haus Reiche erhalten bleiben soll, könne der Entwurf des B-Plans immer noch entsprechend verändert werden.

Wie Volker Wehmeyer erläuterte, sei bei den Entwürfen Rücksicht auf die vorhandene Bebauung der Herminenstraße mit ihren alten Villen und charakteristischen Vorgärten genommen worden. Das Seniorenkompetenzzentrum werde zurückgesetzt an der Herminenstraße gebaut. Das rechte und linke Seitengebäude wird leicht nach vorne gezogen, sodass eine leichte U-Form entsteht, das Hauptgebäude im Hintergrund liegt und davor eine Art Vorgarten entsteht. Dadurch würden Sichtachsen etwa vom unteren Bereich der Herminenstraße erhalten.

Linie quer durch das Haus Reiche

In der Architektonik der Gebäudekörper werden vorhandene klassizistische Stilelemente der Villen der Umgebung, aber auch des Hauses Reiche, aufgenommen. So wiederholt sich der Giebel des Haus Reiche mehrfach. Es sind Simse sowie vor- und zurückspringende Baukörper vorgesehen. Die Dachneigung wird auf 18 bis 32 Grad festgesetzt, wie der Entwurfsplaner Matthias Reinold erläuterte. Die Gebäude dürfen viergeschossig gebaut werden. Ihre Höhe orientiert sich – wegen des Gefälles von zweieinhalb Metern – an Normalnull.

Dass dieser Entwurf tatsächlich an dieser Stelle und nicht näher an die Herminenstraße herangerückt werden kann, dafür sorgt eine Baulinie, die im B-Plan verankert wird. Diese Linie laufe allerdings quer durch das Haus Reiche, wie ein Vertreter der IGHH monierte, der als Einziger kurz in der Ausschusssitzung zu Wort kommen durfte.

Beim Abriss des Krankenhauses bleibt die Tiefgarage im rückwärtigen Bereich und mit ihr 42 Stellplätze erhalten. Auf ihren Mauern werden zwei Wohnhäuser mit je 16 Wohnungen errichtet, die im Erdgeschoss mit einem Verbindungstrakt verbunden werden, in dem Gemeinschaftsräume oder Räume für den Pflegedienst entstehen. Die Wohnungen sind für Senioren vorgesehen, die – wenn nötig – die Angebote des Seniorenzentrums nutzen können. An die beiden Wohngebäude schließt sich in östlicher Richtung gen Ulmenallee ein drittes Wohngebäude, versehen mit einem Staffelgeschoss, an. Für dieses Gebäude gibt es nach Angaben Wehmeyers noch keinen Investor. Er betonte, dass er als Koordinator vor Ort auftrete und die beiden Planer aus Frankfurt und Hamburg vertrete.

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2,6 Hektar Fläche

Die Anlieferung soll entweder von der Herminenstraße über eine Zufahrt entlang des Bethelweges oder aber über eine Zufahrt oberhalb des jetzigen Hauses Reiche erfolgen. Hinter dem Hauptgebäude sind weitere Stellplätze für Angestellte, aber auch Besucher vorgesehen. Die Parkplätze auf der Südseite der Herminenstraße bleiben erhalten. Der rückwärtige Bereich wird nach wie vor über den Bethelweg erschlossen, der am Ende einen normgerechten Wendehammer erhält. Über ihn ist die Erschließung weiterer Bauflächen möglich, die in diesem Bereich noch für rund sechs zweigeschossige Wohnhäuser zur Verfügung stehen.

Insgesamt umfasst der B-Plan „Bethel-Quartier“ eine Fläche von knapp 2,6 Hektar. Er fasst fünf derzeit bestehende B-Pläne zu einem zusammen, ohne dass die Rechte der Eigentümer der vorhandenen Bebauung eingeschränkt werden, wie Matthias Reinold ausführte. Das Baurecht werde so festgesetzt, dass auch das umgesetzt wird, was seitens der Planer gezeigt worden ist: villenartige Gebäudeteile, die miteinander verbunden werden müssen. „Aufgrund der historischen Situation sind deutliche Festsetzungen zu treffen“, so Reinold.

Vorne könne viergeschossig gebaut werden, je weiter es nach hinten zur Fürst-Ernst-Straße mit der vorhandenen Bebauung gehe, desto niedriger werde es. Die vier Einzeldenkmale (ohne Haus Reiche) werden berücksichtigt und erhalten. Zum Bebauungsplan gehört auch die Fläche auf der südlichen Seite der Herminenstraße mit den ehemaligen Verwaltungsgebäuden des Krankenhauses Bethel und dem Schwesternwohnheim. Dieses Gebiet wird als "Besonderes Wohngebiet" ausgewiesen, die gegenüberliegende Seite als "Allgemeines Wohngebiet". rc

Die 60-seitige Vorlage des B-Plans finden Sie im neuen Ratsinformationssystem unter: www.bueckeburg.de.

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