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Prozess gegen Räuber

Vor Bückeburger Amtsgericht: „Dies ist leider ein Überfall“

Die römische Göttin der Gerechtigkeit Justitia steht mit einer Waage und einem Richtschwert in den Händen auf dem Gerechtigkeitsbrunnen am Römer in Frankfurt am Main im Januar 2008. Die Göttin aus der römischen Mythologie gilt als Wahrzeichen und Symbol der Justiz und der Gerechtigkeit. Foto: Frank May +++(c) dpa - Report+++null

Bückeburg. Einem Gutachten zufolge leidet der 28-Jährige an paranoider Schizophrenie, die sich unter anderem durch Wahnvorstellungen ausdrückt. „Die Kanaken sind hinter mir her“, hatte der Fahrgast dem Mindener Taxifahrer erklärt, warum er Geld brauche. „Der Angeklagte hatte Angst um sein Leben, aber es gab keine reale Drohkulisse“, so Oberstaatsanwalt Frank Hirt. Für die Tat sei die Wahnvorstellung „maßgeblich mitbestimmend“ gewesen.

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„Der Angeklagte ist für die Allgemeinheit gefährlich“, stellte Richter Norbert Kütemeyer fest. Weil der psychisch kranke Stadthäger zur Tatzeit lediglich vermindert schuldfähig war, nicht jedoch komplett unzurechnungsfähig, hat die 1. Große Strafkammer außerdem eine Strafe von vier Jahren Haft ausgesprochen, die der Verurteilte möglicherweise gar nicht antreten muss, denn die Zeit in der Psychiatrie wird angerechnet. Der Schuldspruch lautet auf besonders schwere räuberische Erpressung, allerdings ein minder schwerer Fall.

Taxifahrer war früher Polizist

Im Auto kam es im Morgengrauen jenes 5. Juli zu einem denkwürdigen Gespräch zwischen Täter und Opfer, das Verteidiger Anselm Schanz „so noch nicht erlebt“ hat. „Dies ist leider ein Überfall“, eröffnete der Räuber dem Mann hinterm Steuer. „Bei dem Taxifahrer handelte es sich um einen früheren Polizisten, der meinen Mandanten darauf hinwies, dass er eine hohe Strafe zu erwarten habe – und es deshalb bleiben lassen solle“, so Schanz. „Das Opfer hat dem Täter also die Rechtsfolgen erklärt.“

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Mit erhobener Bierflasche hatte der Räuber im Bückeburger Schwieringweg die Einnahmen des Taxifahrers verlangt, der ihm daraufhin 130 Euro in Scheinen gab. Am Bückeburger Bahnhof nahm der Flüchtende ein weiteres Taxi. Die Polizei hatte zwischenzeitlich mehrere Streifenwagen und einen Hubschrauber im Einsatz. In dieser Situation sprang der Stadthäger in Gelldorf aus dem langsam fahrenden Auto und verbarg sich in einer Hecke an der Grundstraße, wo ihn Polizisten schließlich fanden. Das geraubte Geld steckte in seinem rechten Socken.

"Hohe Rückfallgeschwindigkeit"

Im Prozess attestierte Richter Kütemeyer, Vorsitzender der Kammer, dem Angeklagten eine „recht hohe Rückfallgeschwindigkeit“. Der wiederholt vorbestrafte Stadthäger, unter anderem wegen einer ähnlichen Tat, war nur etwa drei Monate zuvor aus der Haft gekommen. Insgesamt hat er ungefähr sechs Jahre seines Lebens in Gefängnissen verbracht.

Die Richter gehen davon aus, dass die Tat nicht geplant, sondern ein spontaner Entschluss war. Für den Angeklagten sprachen auch dessen Geständnis und die relativ geringe Höhe der Beute. Außerdem, so hieß es weiter, sei der Taxifahrer weder physisch noch psychisch geschädigt worden. ly

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