Bückeburg / Frank Suchland

Wilhelm Busch, die Frauen und die Erotik

Frank Suchland und Gudrun-Sophie Frommhage-Davar.

Frank Suchland und Gudrun-Sophie Frommhage-Davar.

Bückeburg. Einfühlsam, humorvoll und unterhaltsam begaben sich der Bückeburger Autor und Rezitator und die Museumsleiterin des Wiedensahler Geburtshauses Wilhelm Buschs in dessen Biografie auf literarische Spurensuche nach dem anderen Geschlecht.

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 Es war stets ebenso komplex wie kompliziert, das Verhältnis des 1832 geborenen des Erfinders von Max und Moritz zu den Frauen in seiner Umgebung, soviel steht fest. Überschattet wurde die Biografie des Humoristen, der zeit seines Lebens „unbeweibt und kinderlos“ blieb, vom frühen Tod seiner jüngeren Schwester Anna, der er das traurige Gedicht „Nun, da die Frühlingsblumen wieder blühen“ widmete. Auch seine Mutter, zu der er nach Meinung vieler Historiker und Literaten ein sehr schwieriges Verhältnis gehabt haben soll, verlor er vergleichsweise früh. Frommhage-Davar bezweifelte jedoch, dass dieses Verhältnis wirklich so belastet war, und machte dies unter anderem an dem rührenden Gedicht „O du, die mir die Liebste war“ fest. Mit 35 lernte Busch die erst 17-jährige Anna Richter in Wolfenbüttel kennen. Einer Verbindung zwischen beiden stand jedoch ihr Vater im Weg. Eine intensive Brieffreundschaft verband ihn kurzzeitig mit der holländischen Schriftstellerin Maria Anderson, die als eine der wenigen seinen Lyrikband „Kritik des Herzens“ nicht zerrissen hatte. Die Verbindung brach ab, nachdem die beiden sich 1875 in Mainz das erste Mal gegenübergestanden hatten. Frommhage-Davar: „Sie war wohl nicht sein Typ.“

 Am meisten angezogen fühlte er sich von der Frankfurter Bankiersgattin Johanna Keßler, einer wohlhabenden, sehr gebildeten Kunstmäzenin, die er 1967 kennenlernte. Dass er von ihr mehr wollte, als es die gesellschaftlichen und moralischen Verhältnisse seinerzeit zuließen, liegt für Frommhage-Davar auf der Hand. So werde Busch in seinem Gedicht „Idiosynkrasie“ schon sehr deutlich: „Die Sache ist mir nicht genehm.. Ich ärgere mich fast darüber. Der Müller ist gut; trotz alledem ist mir die Müllerin lieber.“ Eine ganz besonders pikante Note erhielt dieses Verhältnis, als Johanna Keßlers älteste Tochter Nanda geschieden wurde und dem mittlerweile über 60-jährigen unverhohlene Avancen machte. Gudrun-Sophie Frommhage-Davar: „Busch hat dieses Bestreben Nandas vehement abgelehnt. Für ihn war es unvorstellbar, dass die so begehrte Johanna Keßler dann seine Schwiegermutter geworden wäre.“

 Wilhelm Busch wurde privat zum verschrobenen Sonderling, der Frauen und Ehe in seinen Gedichten und Bildergeschichten fast nur noch ironisch und aus der Distanz betrachtete. Der Dichter, der mit 47 Jahren zu seiner verwitweten Schwester Fanny zog, um sich der Erziehung ihrer Kinder zu widmen, betrachtete sein Junggesellendasein mehr als Chance denn als Last. „Wer einsam ist, der hat es gut, weil keiner da, der ihm was tut. Ihn stört in seinem Lustrevier kein Tier, kein Mensch und kein Klavier.“

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 Und wie hielt Wilhelm Busch es generell mit der Erotik? In dem Gedicht „Wärst du ein Bächlein ich ein Bach“ aus dem Lyrikband „Kritik des Herzens“ wird der Wiedensahler da schon sehr deutlich: „Und wenn ich dich gefunden hätt’ in deinem Blumenuferbett, wie wollt ich mich in dich ergießen und ganz mit dir zusammenfließen.“

 Frank Suchland: „Da hat sich Busch aber schon so weit aus dem Fenster gelehnt, wie es zur damaligen Zeit überhaupt möglich war.“

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