Bückeburg / 95 Jahre alt

Zu Ehren Hindenburgs gepflanzt – heute vergessen

Symbolträchtige Anpflanzung vor 95 Jahren: Die Hindenburgeiche an der Scharnhorststraße.

Symbolträchtige Anpflanzung vor 95 Jahren: Die Hindenburgeiche an der Scharnhorststraße.

Bückeburg (gp). Und auch die meisten Anwohner der Scharnhorststraße, vor deren Haustür der Baum seit 95 Jahren grünt und wächst, können mit dem Wortbegriff nichts anfangen. Das hatten sich die honorigen Herren, die die Pflanzaktion einst gestartet hatten, ganz anders vorgestellt.

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 Es war drei Jahre nach Ausbruch des Ersten Weltkriegs. Die Begeisterung, mit der die Deutschen 1914 zu den Fahnen geeilt waren, war verflogen. Angst und Sorge machten sich breit. Nach anfänglichen Erfolgen zerrieb sich die Reichswehr im Stellungskrieg. Ideologen von rechts und links warfen sich gegenseitig Versagen vor. Kaiser, Reichsregierung und Heeresleitung wirkten zunehmend hilflos und unentschlossen.

 Umso heller erstrahlte der Stern Paul von Hindenburgs. Der Generalfeldmarschall, der schon 1870/71 dabei gewesen war, war seit seinen Siegen bei Tannenberg und an den Masurischen Seen im Jahre 1914 zum Nationalhelden emporgestiegen. Weitere Erfolge an der Ostfront bescherten ihm den Nimbus der Unbesiegbarkeit. Seine Ernennung zum Chef der deutschen Heeresleitung im August 1916 belebte die Hoffnung der Deutschen auf ein baldiges und glückliches Kriegsende.

 Entsprechend erwartungsvoll sah die Nation dem 70. Geburtstag ihres Helden am 2. Oktober 1917 entgegen. Überall im Lande wurden Gedenkfeiern organisiert. Dem Wunsch Hindenburgs entsprechend sollte es schlicht und patriotisch zugehen. Auch kleine Spenden für die Kriegskasse waren willkommen. In Stadthagen gab es einen Vortragsabend mit einer anschließenden „Büchsensammlung“. Die Rintelner Stadtväter machten 300 Mark als „Hindenburg-Geburtstagsspende“ locker. Auch in Bückeburg dachten die Honoratioren über eine angemessene Geste nach. Das Ergebnis: Dem, der „in dunkler Zeit Licht und Trost spendet“, sollte ein Ehrenbaum gewidmet werden. Zu den eifrigsten Befürwortern zählten der stellvertretende Bürgermeister Langerfeldt, Postdirektor Schlegelmilch, Schulrat Schwertfeger und Pastor Heidkämper. Als Standort guckten sie die Scharnhorststraße aus, die damals noch weitgehend unbebaut war.

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 Zwei Tage vor dem Geburtstag war es so weit. Treffpunkt war in der Ulmenallee vor der Kaserne. Dort nahm um 11.30 Uhr ein großer Festzug Aufstellung. Die Kinder hatten schulfrei. Die Vereine schwenkten Fahnen. Junge Mädchen trugen Kränze im Haar. „Wie von selbst“ hatten sich die Häuser beflaggt. Dann ging es über Obertorstraße, Lange Straße, Bahnhofstraße und Pulverstraße zum Festplatz. Bei sonnigem Wetter war dort eine große Menschenmenge zusammengekommen. Der rund sechs Meter hohe Baum stand schon im Pflanzloch. Um ihn herum hatte man Fahnenmasten aufgestellt. Unter den Gästen war alles vertreten, was in der Residenzstadt Rang und Namen hatte. Prinz Friedrich Christian und Prinzessin Elisabeth sahen aus dem höher gelegenen Schlafzimmerfenster des Postsekretärs Adam zu.

 Den Auftakt machten der Männergesangverein und die vereinigten Schulchöre. Sie trugen, begleitet von der Kapelle des Jäger-Ersatzbataillons, das altniederdeutsche Dankgebet vor. Die Festrede hielt Pastor Hermann Heidkämper. „Wie die Eiche in jedem Frühjahr sich mit neuem Grün schmückt, so soll in unseren Herzen wohnen die Hoffnung auf eine bessere Zeit, in der unser Volk glücklich und groß sein wird, und in dieser Hoffnung wollen wir einig und treu zusammenstehen und für unser Volk und Vaterland wirken bis zum letzten Atemzuge“, appellierte er an die Festgemeinde. „Diese Eiche soll es uns sagen, was wir tun müssen. Sie wird das Andenken an Hindenburg in Bückeburg für alle Zeiten lebendig erhalten.“

 Danach war nochmals der Männergesangverein an der Reihe. Staatsminister von Freilitzsch, Stadtrat Langenkämper und Hauptmann Bühring vom Jägerbataillon schaufelten die Pflanzgrube zu. Mit einem Hoch auf Hindenburg und dem Deutschlandlied endete die Feier.

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