Ahnsen / Sanierung

Eigentümerin rettet alte Mühle vor dem Verfall

Ahnsen (tw). "Ich bin in Ahnsen aufgewachsen und der einzige Nachkömmling der früheren Müllerfamilie. Im Frühjahr 2010 habe ich mir gesagt: Du nimmst die Sanierung entweder jetzt in Angriff – oder niemals", erklärt die 60-Jährige ihre Motivation. Rita Madaus, geborene Schönbier, arbeitet als Lehrerin für Französisch, Philosophie und Russisch in Lübeck. "Die auf ein Bauwerk aus dem Jahre 1577 zurückgehende Mühle ist seit 1928 im Familienbesitz", erklärt Heinz Schönbier. Der heute 83-Jährige war der letzte Müller, der den Betrieb bis zum Jahre 1995 aufrecht erhielt.

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Er lebt heute in der Residenz am Harrl, lässt es sich aber nicht nehmen, an seinem alten Arbeitsplatz ab und an nach dem Rechten zu schauen. Schönbier: „Im Jahre 1938 hatten wir neue Maschinen/Turbinen angeschafft, die Wasserräder entfernt.“ Das war der technische Zustand, in dem Rita Madaus das Bauwerk vorgefunden hat, als sie es vor rund eineinhalb Jahren übernahm.

Weil ihr die Arbeiten an dem Altbau am Herzen liegen, reist sie einmal die Woche von der Marzipanstadt nach Ahnsen. „Durch den zweimaligen Einbruch des Winters hat sich der Fortgang der Sanierung leider etwas verzögert – aber ich bin zuversichtlich, dass wir zum Ende des Jahres fertig sein werden“, sagt die Eigentümerin. Viel fehlt nicht mehr: Die mittlere der drei Wohnungen soll zur Aue hin noch einen Balkon erhalten, die Eingangstreppe ein Geländer. Das war’s dann.

Wer mit dem Auto an der Mühle vorbeifährt, sieht auf einen Blick, welch enormen Aufwand Madaus betrieben hat, um das Äußere der Mühle wiederherzustellen – und freut sich. So wurde die Backsteinfassade im Schulterschluss mit den Denkmalschützern beim Landkreis auf allen vier Seiten sandgestrahlt und neu verfugt; aus Mitteln des Denkmalschutzes flossen dabei 15.000 Euro. Außerdem hat das Gebäude neue Schallschutzfenster erhalten – maßgefertigt, versteht sich. Last, but not least sind auch die Gitter vor den Fenstern saniert worden, was „extrem aufwendig“ gewesen ist, wie Rita Madaus berichtet. Das Dach hingegen ist bereits vor acht Jahren erneuert worden; daran hatte sich der Denkmalschutz ebenfalls beteiligt.

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Extrem aufwendig ist jedoch auch der Innenausbau mit der großen Spindeltreppe, welche die drei Wohnetagen verbindet. Im Treppenhaus sollen in Kürze alte Jutesäcke und historische Fotos an die wechselvolle Geschichte des Bauwerks, in dessen Keller im Zuge der Sanierung auch ein Brunnen freigelegt wurde, erinnern. Denn an die Maschinen, die noch bis vor Kurzem dort standen, erinnert inzwischen nichts mehr. „Die Walzenstühle“, sagt die Eigentümerin, „haben wir dank der Vermittlung durch die Denkmalschützer an einen Pferdefutter-Fabrikanten nach Island verkaufen können; anhand der Original-Baupläne wurden sie zunächst zerlegt, ehe sie dann verschifft werden konnten.“ Andere Gerätschaften wurden bei einem Einbruch im Februar gestohlen oder aber vor Ort zerschlagen – „zum Beispiel die großen Plansichter“, bedauert Rita Madaus.

Doch wie auch immer. An der Stelle, die die alte Technik einnahm, sind jetzt drei moderne Mietwohnungen entstanden, unten und in der Mitte je 85 Quadratmeter und oben immer noch 78 Quadratmeter groß. „Die Nachfrage von Interessenten“, so die Eigentümerin, „war enorm“. Besonders schön: Frei nach dem Motto: „Es klappert die Mühle am rauschenden Bach“ wird auf der Rückseite des Gebäudes mittels eines Wasserkraftwerkes alternative Energie erzeugt; seit dem Jahre 2006 mithilfe einer großen Durchstromturbine.

Das "mittlere" von am Ende drei Vorhaben
Dabei ist die Sanierung der Mühle nur das "mittlere" von am Ende drei Vorhaben, die sich Rita Madaus zum Ziel gesetzt hat. Das Erste, die Erneuerung des Mühlenhauses, das zu einer Doppelhaushälfte wurde, hat die Lübeckerin 2005 abgearbeitet. Mit dem Umbau der Mühle selbst wird sie Ende dieses Jahres fertig. Bleibt noch Vorhaben Nummer drei, die Sanierung des neben der Mühle gelegenen Sägewerks, das eine Grundfläche von 220 Quadratmetern hat. "Das", sagt sie, "habe ich mir für 2011 ganz fest vorgenommen." Auch im ebenfalls unter Denkmalschutz stehenden Sägewerk möchte Rita Madaus Mietwohnungen errichten lassen, drei an der Zahl. Dazu sollen Garagen respektive Carports kommen sowie ein Grillplatz, auf einem Podest direkt an der Aue gelegen.

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