Bad Eilsen / Hilfsleistung

„Großes Improvisieren, das ist das Kunststück“

Leisten Aufbauhilfe in Afghanistan: Prof. Dr. Volker Echtermeyer (l.) und Bückeberg-Klinik-Geschäftsführer Ralf Schönwald.

Leisten Aufbauhilfe in Afghanistan: Prof. Dr. Volker Echtermeyer (l.) und Bückeberg-Klinik-Geschäftsführer Ralf Schönwald.

Von Thomas Meinecke. Zur Vorgeschichte: Nach dem verheerenden Erdbeben am 12. Januar 2010 war Echtermeyer mit einem Kollegen aus Afghanistan mehrere Wochen lang in Haiti. Bei diesem Einsatz lernte er seinen früheren Assistenten Aslan Asadi näher kennen. „Ich habe gesehen, mit welch großem Geschick er die Verletzten versorgt hat; es dauerte nicht lange, dann habe ich ihm assistiert.“ Asadi ist vor geraumer Zeit in seine Heimat zurückgekehrt, um Aufbauarbeit zu betreiben. Er organisiert den Aufbau eines Krankenhauses, das im vergangenen Jahr zerstört worden war. Die Gründe dafür kennt Echtermeyer nicht, weiß nur, dass es in der Nähe von Mazar-i Scharif im Norden Afghanistans liegt. Längst hat der Wiederaufbau begonnen, wobei die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ), eine staatliche Entwicklungszusammenarbeitsorganisation der Bundesrepublik Deutschland, die Federführung dieses Projektes hat. „Doktor Asadi hat mich um Unterstützung gebeten“, schildert Echtermeyer. Auf seine Zusage hin habe er dann von der GIZ den „ganz konkreten Auftrag“ erhalten, die Wirbelsäulenchirurgie sowie die Hüft- und Kniechirurgie aufbauen.

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 Echtermeyer ist gespannt, was ihn in Afghanistan erwarten wird. Asadi habe ihm einige Bilder zukommen lassen. „Wir fangen wohl bei Null an“, gibt der erfahrene Mediziner seinen derzeitigen Kenntnisstand von der augenblicklichen Lage vor Ort wieder. Aber er habe ja jemanden, der die Landessprache spricht – das sei Gold wert. „Die Grenzen meiner Sprache sind die Grenzen meiner Welt“, weiß der Fachmann von der Schwierigkeit, etwas umzusetzen in einem Kulturkreis, der ganz andere Empfindlichkeiten kennt als der hiesige. Echtermeyer: „Ich denke nur daran … die Begrüßung … man reicht sich nicht die Hand … da geht es schon los … die religiöse Einstellung … Frauen für Frauen … Männer für Männer … und dann will man etwas verändern … da braucht man sehr viel Fingerspitzengefühl, diese andere Mentalität erst einmal aufzunehmen. Man muss mit einer gewissen Gelassenheit darangehen.“

 Der Mediziner Echtermeyer hat den Auftrag, die Visiten zu strukturieren, die Besprechungen innerhalb der Teams zu sortieren, damit diese effektiv und kurz sind, sowie im operativen Geschäft zu helfen und zu zeigen, wie moderne Unfallchirurgie ablaufen sollte. Begrenzt werde das durch die Möglichkeiten vor Ort. Natürlich stehe die von zu Hause gewohnte Technik nicht zur Verfügung: „Wenn die Implantate, die wir gewohnt sind, nicht da sind, dann müssen wir uns behelfen mit dem vorhandenen Mitteln. Das ist ein großes Improvisieren – das ist das Kunststück dort.“

 Die Bückeberg-Klinik hat für diesen Einsatz starke Schmerzmedikamente, Antidiabetika, Antihypertonika, Pinzetten, Klammer-Entferner und anderes Gerät zur Verfügung gestellt. Übrigens: Für Geschäftsführer Ralf Schönwald ist es kein Problem, zwei Wochen lang ohne seinen Oberarzt auskommen zu müssen. „Wir können das locker hinbekommen. Wir haben ja unseren Chefarzt.“ Bei Echtermeyers Haiti-Einsatz beispielsweise „ging das Knall auf Fall“, dass man ihn habe ziehen lassen müssen. Schönwald: „Wir kennen das also schon, und wir unterstützen das sehr. Ich finde das toll!“

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