Vortrag über Heinrich zu Schaumburg-Lippe

Im Sinne des Großvaters

Alexander vom Hofe

Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe (Ausschnitt aus einer um 1933 aufgenommenen Passfotoserie). Repro/Foto: bus

BAD EILSEN. Dieser habe mehrmals angedeutet, dass seine Aufzeichnungen „für künftige Generationen von Interesse“ sein könnten. „Ich finde, dass einige seiner Gedanken noch immer aktuell sind“, bekräftigte der Enkel des Autors. Die Rede war von Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe.

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„Ich war beim ersten Lesen wie in den Wolken“, berichtete Heinrich Prinz von Hannover, der die etwa zwei Dutzend Interessierten im Namen des veröffentlichenden Matrix-Media-Verlages (Göttingen) willkommen hieß. Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe (1894 bis 1952) wurde als Sohn des regierenden Fürsten Georg zu Schaumburg-Lippe und dessen Ehefrau Marie Anna in Bückeburg geboren.

Er soll Angaben von Herausgeber vom Hofe zufolge ein tiefes Misstrauen gegenüber seinem Bruder Wolrad und gegenüber der fürstlichen Hofkammer gehegt haben.

Alexander vom Hofe lebt und arbeitet als Rechtsanwalt in Madrid. Er hat bislang zwei Bücher im Zusammenhang mit der schaumburg-lippischen Familiengeschichte veröffentlicht. 2006: „Vier Prinzen zu Schaumburg-Lippe und das parallele Unrechtssystem“, 2013: „Vier Prinzen zu Schaumburg-Lippe, Kammler und von Behr“. Während der Präsentation seines aktuellen Buches kam, abgesehen von erläuternden Zusammenhängen, ausschließlich der Großvater zu Wort.

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Vom Hofe rezitierte etwa 20 Abschnitte des Tagebuchs. Etwa vom 5. Mai 1945: „Die Schaffung kultureller Werte auf deutschem Boden, als einzig von mir anerkannter Gradmesser für den Wert eines Volkes, würde nicht darunter leiden, wenn das alte Königreich Hannover errichtet würde, dem man Bremen, Hamburg und Schaumburg-Lippe als selbstständige Partner mit einer Zollunion anschließen könnte. Ich bin mir schon heute sicher, dass dies von der überwiegenden Mehrheit der Bewohner freudig begrüßt werden würde, da der Wiederaufbau in einem heute kaum zu erhoffenden Tempo erfolgen könnte. Mir schweben als Wunschtraum die Vereinigten Staaten von Europa unter englischer Führung vor als einzige Lösung.“

Oder vom 13. April 1947: „Nein, ich glaube nicht an einen Wiederaufstieg dieses ehemaligen Weltreiches, bedauere nur, dass dabei Old England ausstirbt, dessen Vertreter sich hier in Deutschland nicht blicken lassen, sondern nur eine Schicht (fast ausschließlich), die man nur mit 3. Klasse bezeichnen kann. Die Corruption ist ausserordentlich stark verbreitet, und die meisten haben wenig Interesse für das Elend um sie herum, denken nur daran, wie sie billig einkaufen können für ein paar Cigaretten oder 1 Pfund Kaffee. Parties, drinks, sport, Mädchen. Zum Kämpfen sind die hiesigen ebenso wenig zu brauchen, wie die Carthager nach der Besetzung Italiens!“

Oder vom 10. Mai 1947 (über seine früheren Aufzeichnungen zur sogenannten Reichskristallnacht): „Es ist ein Jammer, dass man das nicht schreiben konnte, was man dachte. Es wäre der reinste Selbstmord gewesen. Einzelne Seiten sind direkt für eine eventl. Hausdurchsuchung geschrieben, um sich zu schützen. Zu der Judenfrage z. B.: Es ist noch nicht einmal erwähnt, dass die Leute, die die Bückeburger Synagoge ansteckten, (ich glaube, sie kamen aus Herford), vorher im Ratskeller assen und sogar den Ober aufforderten, es sich mit an zu sehn. Anzeige bei der Staatsanwaltschaft gegen unbekannt fiel auf Befehl von Oben unter den Tisch natürlich.“

Das Buch: „Wiedergutmachung muss sein…“, Tagebuch 1938/1945-1947 Heinrich Prinz zu Schaumburg-Lippe, Herausgeber Alexander vom Hofe, Bearbeitung Werner Lehfeldt, Matrix-Media Göttingen, 264 Seiten, mit zahlreichen Abbildungen, gebunden HC, ISBN 978-3-932313-90-5, 24,90 Euro.

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