Bad Eilsen /<wbr> Vortrag

Warum der Islam als Religion so erfolgreich ist

Bad Eilsen (wk). Fiebig bringt zwar "nur ein paar Gedankensplitter" mit, die als Grundlage für die anschließende Diskussionsrunde dienen sollen. Trotz der inhaltlichen Beschränkung auf eben jene Splitter gelingt es Fiebig jedoch, ein detailliertes Bild von den Anfängen des Islam und dessen Begründer Mohammed zu zeichnen, wobei diese Aspekte eindeutig den Schwerpunkt seines gut eineinhalbstündigen, kurzweiligen Vortrages bilden. Jesus und das Christentum flicht er jeweils ein, um Unterschiede zwischen den beiden Weltreligionen und mitunter auch vorhandene Gemeinsamkeiten aufzuzeigen.

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„Der Islam ist eine Herausforderung für uns alle, dass wir uns immer wieder neu mit unserem Christentum befassen“, betont Fiebig. Denn angesichts von rund 1,2 Milliarden Muslimen und etwa zwei Milliarden Christen gebe es nicht „den“ Islam oder „das“ Christentum, sondern bei beiden Religionen eine „große Spannbreite“ wie diese gelebt werden. „Was verbindet uns, und was trennt uns?“ seien Fragen, die man im Dialog miteinander klären müsse. Denn wenn Unterschiede zwischen dem muslimischen und christlichen Glauben nicht beim Namen genannt werden, könne man auch nicht tolerant gegenüber dem jeweils Andersgläubigen sein. In diesem Zusammenhang weist Fiebig darauf hin, dass die Christen „zurzeit die am meisten verfolgte Religionsgruppe der Welt“ seien.

Über den Propheten Mohammed berichtet der Geistliche, dass dieser um 570 nach Christus in Mekka geboren wurde und eine schwere Kindheit gehabt hat, da dessen Eltern früh gestorben seien. Als Waisenkind sei er in der Familie seines Onkels aufgewachsen. Im Alter von 25 Jahren habe Mohammed – alten Schriften nach eine „imponierende Erscheinung“ mit einem „majestätischen Auftreten“ und einer „besonderen aRednergabe“ – dann die wohlhabende Witwe Chadidscha geheiratet und durch diese Zugang zur besseren Gesellschaft Mekkas erhalten.

Sein „Berufungserlebnis“ hatte Mohammed dann um das Jahr 610 in einer einsamen Gegend bei Mekka gehabt, indem er eines Nachts vom Erzengel Gabriel „wie ein glühendes Eisen“ gepackt wurde, der ihn „einen Gesandten Gottes“ genannt hatte, führt Fiebig weiter aus. Nachdem Mohammed über dieses Ereignis aber zunächst drei Jahre lang geschwiegen habe, habe ihn schließlich seine Ehefrau darin bestärkt, dass es mitnichten ein „Dämon“ gewesen sei, der ihm seinerzeit erschienen sei, sondern wirklich der Erzengel Gabriel. Innerhalb der Gesellschaft habe Mohammed wegen seiner diesbezüglichen Schilderungen indes einen schweren Stand gehabt, weil man ihm die Offenbarung nicht glauben wollte und deshalb einen Beleg dafür gefordert habe, dass es tatsächlich nur den einen Gott (Allah) gebe.

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Nach dem Tod von Mohammeds Ehefrau wurde es dann – so der Theologe – in Mekka zu gefährlich für Mohammed, sodass dieser nach Medina fliehen musste. Dort habe er dann verschiedene rivalisierende Gruppen hinter sich vereinen können, die „fünf Säulen des Islam“ (Glaubensbekenntnis, tägliche Gebete, Almosengeben, Fasten im Monat Ramadan und mindestens einmal im Leben eine Pilgerfahrt nach Mekka) formuliert und zum Heiligen Krieg gegen Ungläubige aufgerufen. Im Jahr 630 sei Mohammed mit seinem Gefolge dann „wie ein Feldherr“ in Mekka eingezogen, wo er nach seinem Tod im Jahr 632 auch beigesetzt wurde.

In nur zehn Jahren habe sich der Islam danach von Mekka aus auf der arabischen Halbinsel und im Orient ausgebreitet und innerhalb von 100 Jahren den gesamten Bereich von Marokko bis zum Indus erobert.

„Warum war der Islam so erfolgreich?“, fragt Fiebig in den Saal – und liefert auch gleich die Antwort dazu selbst: „Der Islam ist eine einfache Religion.“ Ein gläubiger Muslim müsse nichts interpretieren und sich lediglich an die Fünf Säulen halten, um als gottgefällig zu gelten und nach seinem Tod ins Paradies zu gelangen.

Unterschiede zwischen dem Islam und dem Christentum zeigt der Theologe unter anderem daran auf, wie Muslime ihren Gott ansprechen. Demnach stehen die 99 „schönsten Namen“ für Allah, so etwa „König“, „Heiler“, „Frieden“, „Beschützer“ und „Barmherziger“. Erstaunlich sei dabei, dass die im Christentum üblichen Bezeichnungen „Herr“ und „Vater“ nicht vorkommen, was wohl daran liege, dass diese Namen dem Alten Testament der Bibel entstammen. Ein „Vaterunser“ zu beten würden Muslime daher als Blasphemie einstufen.

Von Jesus als einem wichtigen Propheten werde im Koran zwar berichtet, ebenso von dessen Wundern, diese habe er aber nur mit der Erlaubnis Allahs tun dürfen, erklärt Fiebig weiter. Darüber hinaus soll Jesus geweissagt haben, dass nach ihm ein „Gepriesener“ kommen werde, den der Islam in der Person von Mohammed sehe. „Ein ganz entscheidender Unterschied“ zwischen Koran und Bibel sei aber, dass Jesus laut Koran nicht am Kreuz gestorben ist, weil Gott so etwas gar nicht zugelassen hätte. Statt dessen werde die biblische Schilderung so dargestellt, dass es den Menschen damals nur so erschienen ist, dass Jesus gekreuzigt wurde beziehungsweise ihnen an dessen Stelle „ein Ähnlicher“ erschienen ist.

Der Koran selbst sei – so der Pastor – im Übrigen nicht chronologisch aufgebaut wie die Bibel, sondern „nach dem Prinzip der fallenden Länge“ seiner insgesamt 114 Suren geordnet, was das Erfassen zusammenhängender Schilderungen schwierig mache. Als einzige biblische Frau komme nur Maria in der nach ihr benannten Sure 19 vor, wohingegen Eva gar nicht erwähnt werde.

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Bei der anschließenden Diskussion im Gemeindehaus zeigt sich dann, dass Fiebigs Vortrag bei den Zuhörern auf reges Interesse gestoßen ist. Zahlreiche Besucher melden sich zu Wort, um dem Theologen weitergehende Fragen zu stellen oder das von ihm Gesagte zu kommentieren: „Es ist immer schwierig, über eine andere Religion zu sprechen, wenn keine Originale kommen“, meint ein männlicher Zuhörer und regt damit an, zu ähnlichen Veranstaltungen auch einmal Vertreter des Islam als Gesprächspartner einzuladen. Einige Stimmen hinterfragen allerdings auch kritisch die im Namen des Islam ausgeübten Gewalttaten, was eine Zuhörerin zu dem ausdrücklichen Hinweis veranlasst, dass es auch viele gemäßigte Muslime gebe, denen an einem friedvollen Zusammenleben mit Andersgläubigen gelegen sei. „Es ist wichtig, dass wir auch mit Muslimen in Kontakt kommen“, appelliert sie.

Auch im Namen des christlichen Glaubens habe es in der Vergangenheit „viel Gewalt und Morden“ gegeben, obwohl es dafür im Neuen Testament keine Grundlage gegeben habe, erinnert Fiebig an Kreuzzüge und Hexenverfolgung. Ebenso furchtbar sei es, dass ein Pastor aus Florida vergangenes Jahr zur Verbrennung des Korans aufgerufen hat. Zuvor hat Fiebig darauf hingewiesen, dass es hinsichtlich der zukünftigen Ausrichtung des Islam darauf ankommt, welche Strömung innerhalb dieser Religion sich letztlich durchsetzen wird – entweder diejenigen Kräfte, die einen „europäischen Islam“ befürworten oder aber die Fundamentalisten.

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