Lankreis/ Landesbischof

Geschenktes Leben

Die Anbetung heißt das von Maler Rembrandt entstandene und  Gemälde.

Die Anbetung heißt das von Maler Rembrandt entstandene und  Gemälde.

Das Schlichte und Menschliche der Weihnachtsgeschichte tritt in diesem Bilde zu Tage. Der moderne, mit einem scharfen Verstand ausgestattete Betrachter, der es genau wissen will, steht dem Maler Rembrandt vor Augen. Es ist keine bürgerliche Idylle, auf die wir hier schauen. Die Szene der Geburt Jesu beleuchtet auf diesem Bild ein unglaublich schönes und warmes Licht, dessen Herkunft geheimnisvoll bleibt.

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Diejenigen, die dort zum Kind in der Krippe gelaufen kommen, hat man mit einem Versprechen gelockt. "Fürchtet euch nicht! Siehe, ich verkündige euch große Freude", so hat ein Engel versprochen. Freude erwartet sie, wenn sie sich nach Bethlehem aufmachen, so hat man ihnen gesagt. Wie sollte das uns Menschen nicht locken! Denn es lebt in jedem Menschen eine große Sehnsucht danach, sich freuen zu können. Wer sich die Gabe bewahrt hat, sich tief im Herzen freuen zu können und zufrieden zu sein in seinem Leben, der wird dieses Gefühl nicht mehr missen wollen.
Was gibt Anlass zur Freude, wenn man sich der Geburt Jesu nähert und die Augen aufmacht? Die Menschlichkeit des Menschen besteht nicht darin, dass er das Wesen ist, das alles kann und sich nicht beschenken lassen muss. Nicht das Ideal des autonomen, über sich selbst voll verfügenden und seiner selbst sicheren Mensch wird uns vor Augen gestellt. Die Menschlichkeit des Menschen ist in der Weihnachtsgeschichte anders und überraschend beschrieben: Menschlich ist es vor allem, dass ich mir die Liebe eines anderen gefallen lassen kann! Und dieser andere ist Gott. Das wird hier besungen - deshalb kommt Freude auf! Die große Freude, die der Engel in der Weihnachtsgeschichte ansagt, besteht darin, mich selbst und jeden Menschen vor allem anderen als von Gott geliebt anzusehen.

Manche meinen heute, dass nur Kinder sich richtig freuen können, weil sie durch unsere reiche und satte Welt noch nicht verdorben sind. Es wäre aber in der Tat armselig, wenn wir in unserer Wohlstandsgesellschaft erst wieder Vieles verlieren müssten, um uns wieder freuen zu können. Es ist nötig, dass wir Menschen uns ab und zu befreien lassen von dem freudlosen Wahn, alles sei selbstverständlich und stehe uns zu - und nur das uns rechtlich Zustehende wollten wir auch haben.
In der Weihnachtsgeschichte fällt ein mildes und sehr tröstliches Licht auf beschädigte und sehr gefährdete Lebensverhältnisse. Das Kind in Bethlehem wird in sehr unsichere Verhältnisse geboren; seine Eltern sind unterwegs. Es kommt eigentlich zu früh. Joseph, sein Vater, spielt mit dem Gedanken, seine Frau wegen der unsicheren Herkunft des Kindes zu verlassen. Es ist eine Geschichte, die von der Treue zur Familie, in die hinein ein Kind geboren wird, erzählt. Es ist eine Geschichte, die in schlichter Schönheit erzählt, dass das gefährdete Leben beschützt werden will und muss. Und über allem strahlt ein mildes und tröstliches Licht vom Himmel her!

Diese Bilder der Weihnachtsgeschichte sind bei rechtem Licht besehen mit einer Haltung verbunden, auf die es ankommt: mit der Erhebung des erniedrigten und gefährdeten Menschenlebens. Von der schlichten Schönheit des beginnenden Lebens beeindruckt, ahnen die Besucher des neugeborenen Kindes: Hier, in diesem stillen Moment, kommt uns Gott nahe. Den Besuchern an der Krippe geht in dem Anblick des himmlischen Kindes auf: Das begrenzte und gefährdete Leben hat einen unendlichen Wert und eine unverlierbare Würde. Der Gott, der so weit entfernt von uns schien, verbirgt sich geheimnisvoll in der Geburt des Kindes, den wir Christen Heiland der Welt nennen. Da sind sie alle versammelt: die spöttischen, die frommen, diejenigen, die ihren Kinderglauben verloren haben, die bisweilen in die Macht des Geldes verliebten Menschen - und beten gemeinsam den im Antlitz des bedürftigen Menschen Jesus erkennbaren Gott an.

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Wer sich der Geburt zu Bethlehem unvoreingenommen nähert, dem können auch in diesem Jahr von neuem die Augen geöffnet werden für das Geschenk des eigenen Lebens.
In diesem Sinne wünsche ich allen Leserinnen und Lesern froh machende Weihnachtstage
Ihr  Karl-Hinrich Manzke
 Landesbischof

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