Jugendarbeit

Kreisjugendring droht das Aus

Weisen besorgt auf die bedrohte Lage des Kreisjugendrings hin: die Vorständler Hans A. Meyer (von links), Marcus Neitzert, Rainer Diekmann und Maron Dzang.

Landkreis. „Das Kapitel KJR könnte bald beendet sein", sagte Diekmann auf einer Pressekonferenz. Hintergrund der Sorge ist nach Darstellung des Vorstands, dass der Landkreis den Großteil seiner finanziellen Förderung eingestellt hat. Der KJR, der 27 Vereine als Mitglieder hat, versteht sich als unabhängige Interessenvertretung der Jugendarbeit der hiesigen Vereine und Verbände.

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Zur Vorgeschichte aus Sicht des KJR-Vorstandes: Bis zum Jahr 2012 hatte der KJR nach Angaben von Kassenwart Marcus Neitzert „eine recht hohe Rücklage gebildet“, da die Landkreis-Gelder nicht verwendet worden waren. Mit dem Landkreis sei damals nach einer Teilrückzahlung vereinbart worden, dass der Rest der Rücklagen restlos abgeschmolzen wird. Sobald das passiert sei, habe der Landkreis laut Neitzert wieder zahlen sollen.

Im 2. Quartal 2019 vielleicht pleite

Vor einem Jahr seien die Rücklagen dann nachweislich aufgebraucht gewesen, berichtet Neitzert. Seitdem zahle der Landkreis zwar wieder so genannte Kleinstzuschüsse – insgesamt 2100 Euro im Jahr –, mit denen Vereine bezuschusst werden. Doch die in der Vergangenheit übliche Zahlung von jährlich 5800 Euro für eigene Projekte des KJR (beispielsweise Podiumsdiskussionen oder Fußballturniere mit geflüchteten Jugendlichen) und für dessen Geschäftsführung zahle der Landkreis nicht. Ändere sich das nicht, sei der KJR „spätestens im zweiten Quartal 2019 pleite“, so Neitzert. Schon jetzt sei der KJR „seines Gestaltungsspielraums beraubt und in seiner inhaltlichen Arbeit eingeschränkt“.

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Nach Darstellung von Vorstands-Beisitzer Hans A. Meyer verlange der Landkreis einen genauen Projekt- und Finanzplan als Voraussetzung für weitere Zahlungen. Diesen habe der KJR auch „transparent und detailliert“ vorgelegt. Das sei vom Jugendamt aber als nicht ausreichend bezeichnet worden. „Das können wir absolut nicht nachvollziehen“, sagt der stellvertretende KJR-Vorsitzende Maron Dzang: „Wir haben ein schlüssiges Konzept präsentiert.“

Der KJR-Vorstand vermutet, dass es letztlich gar nicht ums Geld geht. "5800 Euro sind für den Landkreis ja Peanuts", betont Neitzert. Vielmehr empfinde das Jugendamt den KJR "wohl eher als Klotz am Bein", fügt Meyer hinzu: "Die haben etwas gegen uns, sie wollen nicht, dass wir frei und unabhängig arbeiten können." Durch die Vorgehensweise des Jugednamtes fühle sich der KJR-Vorstand "gegängelt".
Dabei sei ein unabhängiger KJR eine per Gesetz vorgesehene Einrichtung als Teil der Jugendhilfe. "Wir sind das einzige Instrument im Landkreis, das für die Jugendarbeit sprechen kann", unterstreicht Diekmann. Und in Schaumburg funktioniere der KJR sehr schlank, da er rein ehrenamtlich geführt werde. In anderen Landkreisen würden teuer hauptamtliche Kräfte bezahlt.

Kreis: "Kein schlüssiges Konzept"

Nach Darstellung der Jugendhilfe-Dezernentin des Landkreises, Katharina Augath, hat sich der Kreisausschuss vorbehalten, das Geld erst dann wieder auszuzahlen, „wenn der KJR wieder inhaltlich zielorientiert arbeitet“, es also „gewährleistet ist, dass die Mittel tatsächlich für sachgerechte Jugendarbeit eingesetzt werden“. Augath dazu weiter: „Bislang hat der KJR kein schlüssiges Konzept vorgelegt, das eine Auszahlung der Gelder rechtfertigen würde.“

Den Vorwurf, der Landkreis habe etwas gegen den KJR und dessen Unabhängigkeit, weist die Dezernentin "energisch zurück". Beweis dafür seien "zahlreiche Gespräche der Leitung des Jugendamtes mit dem KJR, um diesen dabei zu begleiten, wieder zielorientiert zu arbeiten". Von Stefan Rothe

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