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Bewährungsstrafe

Hausbesuch mit Elektroschocker: Verbrechen nicht nachweisbar

Der Bückeburger will den Elektroschocker nur genutzt haben, um seinen Bekannten einzuschüchtern.

Seggebruch/Bückeburg. Bewaffnet mit einem Elektroschocker, paramilitärische Kleidung, an den Füßen Springerstiefel: So steht ein Bückeburger (40) im Februar 2016 vor der Tür eines Bekannten aus Seggebruch, der sich ein selbst gebautes Fahrrad des 40-Jährigen geliehen und nicht zurückgebracht hat. Als Verstärkung hat er vier Minderjährige mitgebracht.

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40-Jähriger schafft aus Ärger selbst Fakten

Nachdem der Trupp die Wohnküche durchsucht hat, ziehen alle wieder ab – ohne Fahrrad, dafür aber mit 18 Spielen für die Playstation und einem Fahrzeugbrief des Hausherrn. Klarer Fall von Selbstjustiz, jedoch nicht so schlimm, wie es zunächst aussah.

Im Prozess vor dem Landgericht in Bückeburg beließ es die 1. Große Jugendkammer deshalb bei einer zehnmonatigen Bewährungsstrafe. Der Schuldspruch lautet auf Nötigung in Tateinheit mit Sachbeschädigung, weil der Bückeburger den Fernseher des Wohnungsinhabers eingetreten und auch dessen Playstation zerstört hatte.

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Das sagt der Angeklagte über seine Tat

Richard Heller, der Rechtsanwalt des 40-Jährigen, sieht in der Tat "eine weitere Folge der beliebten Serie: Mist gebaut". Hellers Mandant selbst kommt zu dem Schluss: "Das war nicht die feine englische Art." Das Verfahren gegen die vier Jugendlichen war bereits am ersten Prozesstag eingestellt worden, allerdings gegen Arbeitsauflagen von jeweils 40 Stunden. Zurück blieb ihr Anführer.

„Es ist nicht bewiesen, dass der Angeklagte eine gefährliche Körperverletzung oder gar einen schweren Raub begangen hat“, so Richter Norbert Kütemeyer. Der Bückeburger gibt zwar zu, zweimal die Stromstoß-Funktion des Elektroschockers betätigt zu haben, um den anderen Mann einzuschüchtern, will diesen jedoch mit dem Taser nicht berührt haben. Die Kammer glaubt ihm.

Dagegen stufen Kütemeyer und seine Richterkollegen die Aussage des Wohnungsinhabers, der „ein unangenehmes Kribbeln“ am Arm verspürt haben will, als „widersprüchlich“ ein. Einmal hatte der 24-Jährige behauptet, ein T-Shirt getragen zu haben, dann war von einem Sweatshirt oder einer Jacke die Rede, der Arm jeweils bedeckt. „Außerdem hat die Polizei keinerlei Spuren oder Verletzungen gefunden“, fügte Kütemeyer hinzu.

Deshalb gilt die Tat nicht als Verbrechen

Für eine zu Beginn ebenfalls denkbare Verurteilung wegen schweren Raubes, eingestuft als Verbrechen, fehlt es nach Überzeugung des Gerichts an der so genannten Zueignungsabsicht. Dazu müsste der Bückeburger vorgehabt haben, die mitgenommenen Gegenstände seinem eigenen Vermögen einzuverleiben. Er wollte die Spiele und den Kfz-Brief jedoch später als Pfand gegen sein Fahrrad eintauschen.

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Für den Angeklagten sprachen unter anderem das Fehlen von Vorstrafen und der geringe Wert der Beute. Gegen ihn wirkte sich aus, dass er der Anführer war, die Tat geplant und vier Minderjährige dafür missbraucht habe, wie es in der Urteilsbegründung hieß. Zudem sei am Fernseher und der Playstation ein nicht unerheblicher Schaden entstanden. "Die Verteidigung der Rechtsordnung und der Schutz der Bürger vor Selbstjustiz erfordern es, die Tat angemessen zu ahnden", betonte Richter Kütemeyer. ly

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