Keine Wahl?!

Nur jeder Fünfte hat gewählt. Warum?

Landrat Jörg Farr ist für acht Jahr im Amt bestätigt worden.

Landrat Jörg Farr ist für acht Jahr im Amt bestätigt worden.

Landkreis. "Bei nur einem Kandidaten hat man am Ende doch gar nicht wirklich eine Wahl, die den Namen verdient. Darum bin ich nicht zur Landratswahl gegangen", begründet Harald G. aus Stadthagen seine Ablehnung. Ganz unabhängig von der Arbeit, die Farr als Landrat bisher geleistet habe, sei es traurig, dass es keine Alternative zu seiner Person gab. "So stelle ich mir das in einer Demokratie jedenfalls nicht vor."

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Der gleichen Meinung ist auch Sebastian Westphal aus Rinteln: "Ich habe erstmals nicht gewählt", berichtet der 42-Jährige und erläutert: "Ich finde es traurig und beschämend, dass es nur eine Partei geschafft hat, einen Kandidaten zu nominieren. Als Wahlberechtigter fühle ich mich nicht ernst genommen und habe so etwas in über 25 Jahren aktiver Kommunalpolitik noch nicht erlebt. Wenn die Parteien ihre Aufgaben nach dem Parteiengesetz hier vor Ort schon nicht mehr erfüllen, dürfen sie sich über Parteiverdrossenheit nicht wundern."

Die Stadthägerin Ursula Hasemann findet eine Wahl mit nur einem Kandidaten schlicht "albern", Jens Isele aus Bückeburg beschreibt die Landratswahl als "überflüssig". "Dass die Leute nicht wählen gehen, wenn es nur einen einzigen Kandidaten gibt, das ist doch klar. Die fragen sich dann: Was bringt das schon, wenn ich meine Stimme abgebe", schildert der 20-Jährige. Christina Beier aus Stadthagen erklärt hingegen: "Ich habe gar nicht gewusst, dass Wahl ist. Hätte ich es gewusst, wäre ich sicherlich hingegangen." Auch der Stadthäger Max Schlösser hat nicht gewählt und betont: "Das war keine richtige Wahl, es gab ja nur einen, den ich wählen konnte. Ich habe nichts gegen Farr, aber das war eine Farce, Geldverschwendung", kritisiert der 68-Jährige.

Auch Margarete Luther aus Bad Nenndorf nahm lieber am Tag des offenen Denkmals teil, statt an der Landratswahl. "Das war ja wie in der DDR mit nur einem Kandidaten. Außerdem weiß man kaum etwas davon, was der Landrat überhaupt macht." Ein anderer Bad Nenndorfer begründete sein Fernbleiben von der Wahlurne mit seiner generellen Unzufriedenheit über die Arbeit von Politikern. Speziell die Rentenpolitik ist ihm ein Ärgernis.

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Ein weiterer Einwohner der Kurstadt findet diese Haltung verkehrt. Es sei demokratische Pflicht, seine Stimme abzugeben. Dass die Wahl unnötig Geld gekostet hat, sei kein Argument. Schließlich wäre es noch teurer geworden, wenn niemand teilgenommen hätte und der Urnengang hätte wiederholt werden müssen.

Birgit Schäfer aus Bückeburg stimmt dem Bad Nenndorfer mit Nachdruck zu und sagt: "Ich habe am Sonntag gewählt." Sie könne nicht nachvollziehen, warum so viele Menschen in Schaumburg zu Hause geblieben seien. Immerhin sei es das Recht eines mündigen Bürgers, zu wählen. "Und ich mache davon Gebrauch, um meine Meinung zu äußern. Wenn wie hier nur ein Kandidat zur Wahl steht und ich mit dessen Arbeit unzufrieden bin, kann ich ja immer noch mit 'nein' stimmen."

Auch Kathrin König aus Krankenhagen hat am Sonntag ihr Kreuz gemacht. Sie erfülle gerne ihre Bürgerpflicht, betont die 38-Jährige, kritisiert aber auch, "dass Jörg Farr keinen Gegenkandidaten hatte, der sich der Herausforderung stellen wollte". Die Tatsache, dass Farr der einzige Kandidat war, ist für Kristin Grote kein Grund gewesen, nicht zu wählen. "Er kann ja auch abgewählt werden", sagt die 49 Jahre alte Stadthägerin.

Mit einem klaren Bekenntnis zu Jörg Farr beteiligt sich Angelika Leonhard (70) aus Bückeburg an der Umfrage: "Schade für Jörg Farr, dass die Wahlbeteiligung so gering gewesen ist. Denn der Mann ist gut."  göt, tw, jus, tro

"Niedrige Wahlbeteiligung erschreckt mich"

Die niedrige Wahlbeteiligung von nur 22,9 Prozent ist auch Thema bei den Kreispolitikern.

„Die niedrige Wahlbeteiligung erschreckt mich“, räumt CDU-Kreischef Klaus-Dieter Drewes ein. Viele seien nicht hingegangen, „weil das Ergebnis von vorne herein klar war“. Hätte es mehrere Kandidaten gegeben, „wären auch mehr hingegangen“, so der Unionsmann.

Dass die CDU keinen Bewerber präsentiert habe, habe daran gelegen, „dass niemand mit den entsprechenden Qualifikationen zur Kandidatur gegen Amtsinhaber Jörg Farr bereit war“. Und: „Wir wollten keine Alibi-Person ins Rennen schicken.“

CDU-Kreistagsfraktionschef Gunter Feuerbach ist „sicher, dass es bei der nächsten Wahl eine personelle Alternative geben wird“. Diese Wahl habe hauptsächlich aufgrund des Umstandes einer Einzelwahl „80 Prozent der Wähler einfach nicht interessiert“.

Grünen-Fraktionschef Michael Dombrowski sagte, es sei „generell ein Problem, wenn die Wähler nur Ja oder Nein ankreuzen können“. Warum keine andere Partei außer der SPD einen Bewerber aufgestellt hat? Dombrowski dazu: „Wenn jemand wie Herr Farr eine allseits anerkannt so gute Leistung bringt, wieso soll man dann jemanden künstlich dagegen aufstellen, der sowieso keine Chance hat?

„Man sollte die Wahlbeteiligung nicht übergewichten“, findet WIR-Kreisvorsitzender Richard Wilmers: „So eine Einzelwahl ist doch eine absolute Ausnahmesituation, mit der man keinen allgemeinen Trend verbinden kann.“   ssr

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