Obernkirchen / Vortrag

Bei Tinnitus kann Schlaganfall drohen

Der HNO-Mediziner Bernward Bock erläutert, wodurch Tinnitus verursacht wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, um diese quälenden Ohrgeräusche zu beseitigen. wk

Der HNO-Mediziner Dr. Bernward Bock erläutert, wodurch Tinnitus verursacht wird und welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt, um diese quälenden Ohrgeräusche zu beseitigen.

Obernkirchen. Gleich zu Beginn dämpft er jedoch allzu hohe Erwartungen: „Diejenigen, die hoffen, dass sie heute die Lösung präsentiert bekommen, muss ich enttäuschen“, erklärt er. Denn bislang gebe es noch keinen Königsweg, um die Erkrankung zu therapieren, da sie „viel zu vielschichtig“ sei.

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 Was die Ursachen eines oft mit einer Hörstörung einhergehenden Tinnitus betrifft, sind diese laut Bock in den meisten Fällen im Bereich der Schnecke des Innenohres zu lokalisieren, wobei eine exakte Diagnose nur mittels eines speziellen Hörtests möglich ist. Und da in solchen Fällen oftmals eine Durchblutungsstörung der in der Schnecke vorhandenen, „äußerst empfindlichen“ Haarzellen vorliegt, ist ein plötzlich auftretender Tinnitus immer als Warnsignal zu verstehen, das eine baldige medizinische Untersuchung zur Folge haben sollte.

 Sofort zum Notarzt ins Krankenhaus eilen müsse man zwar nicht, innerhalb von 24 bis 48 Stunden sollte man aber schon bei einem Facharzt vorstellig werden, da ein „gewisses Risiko, dass ein Schlaganfall droht“, bestehe, betont der Mediziner.

 Das Ziel der Tinnitus-Behandlung sei es, die im Innenohr quasi aus dem Gleichgewicht geratenen „neuronalen Beziehungsmuster wieder zu synchronisieren“, führt Bock weiter aus. Zur Auswahl stünden etwa der Einsatz durchblutungsfördernder Medikamente und – da in rund 15 Prozent aller Fälle eine Autoimmunentzündung im Ohr ursächlich für die Beschwerden sei – die Verabreichung von Kortison. Außerdem eine „hyperbare Sauerstofftherapie“, bei der dem Patienten etwa in einer Druckkammer eine Zeit lang reiner Sauerstoff über die Atemwege zugeführt werde.

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 Sind die Ohrgeräusche bereits chronisch geworden, dauern sie also schon länger als drei Monate an, spielt sich der Tinnitus dagegen oftmals nur noch im Gehirn ab – vergleichbar dem Phantomschmerz, den beispielsweise manche beinamputierte Menschen trotz der fehlenden Gliedmaße immer noch in ihren „Füßen“ empfinden, so der HNO-Mediziner. Aus therapeutischer Sicht ist bei solchen Tinnitus-Patienten unter anderem ein so genanntes „Re-Training“ möglich, bei dem die störenden Ohrgeräusche mithilfe eines kleinen, am respektive im Ohr zu tragenden Gerät mit einem „rosa Rauschen“ überlagert werden, damit der von Gehirn zuvor „gelernte“ Störfaktor allmählich wieder verlernt wird. Versuchen kann man es ferner mit dem Hören von als positiv empfundenen Umweltgeräuschen wie etwa dem Plätschern eines Zimmerspringbrunnens oder einem auf CD vertonten Meeresrauschen. Überdies lässt sich das Problem manchmal auf psychologischer Ebene dadurch beseitigen, dass der behandelnde Arzt dem Patienten nachvollziehbare Erklärungsmodelle für dessen Tinnitus liefert. wk

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