Obernkirchen / Oetker-Haus

Das Geburtshaus einer Legende wird saniert

Von außen sieht noch alles toll aus, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Verschwinden sollen die beiden grauen Kästen.

Von außen sieht noch alles toll aus, aber der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Verschwinden sollen die beiden grauen Kästen.

Obernkirchen. Von Frank Westermann

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August Oetker, das war eine menschliche Mischung, die das beste zweier Welten verband: Von einem Vetter seines Vaters hatte er den harten amerikanischen Geschäftsstil kennengelernt, aus dem Elternhaus die puritanische, sparsame Lebenshaltung übernommen. Trotzdem: Leicht hatte es Oetker, der 1862 in Obernkirchen geboren wurde, nicht. Sein Vater war Bäckermeister, seine Mutter Tochter eines Rechtsanwaltes. An das Abitur schloss er eine Lehre zum Apotheker in der Ratsapotheke in Stadthagen an. Dazu musste Oetker jeden Tag rund 16 Kilometer nach Obernkirchen zu Fuß laufen. Den Start in das Berufsleben begleiteten unternehmerische Fehlschläge, aber in Bielefeld gelang ihm die Entwicklung eines Backtriebmittels, das ein Gelingen des Gebäcks gewährleisten sollte. Ab 1893 füllte Oetker sein Backpulver in haushaltsfreundlichen Kleinstmengen ab, mit den von ihm erstmalig eingeführten kleinen Verkaufseinheiten in 10-Pfennig-Tüten gelang ihm der Durchbruch. „Ein heller Kopf verwendet nur Dr. Oetkers Fabrikate“: In einer eigenen Werbeabteilung ließ er Verkaufshelfer wie Werbeplakate, Schilder und Dekorationsmaterial entwickeln. Oetker eroberte sich mit geringem Kapitaleinsatz in Maschinen und Bauten unter geschickter Ausschaltung der Konkurrenz innerhalb von zwei Jahrzehnten einen wesentlichen Marktanteil in der Nahrungsmittelbranche.

Auch wenn er in der breiten Öffentlichkeit immer der Erfinder bleiben wird, so war seine Idee nicht das Backpulver, sondern die Anwendung. Über 30 Jahre vor Oetker hatte bereits Eben Norton Horsford ein Backpulver erfunden, das in den USA als baking powder Bäckern empfohlen wurde. Über Verwandte fand das Pulver seinen Weg zu Oetker – der Rest ist, wie man so schön sagt, Geschichte.

Zurück nach Obernkirchen: An das Vermarktungs-Genie Oetker erinnert in der Bergstadt bekanntlich nur noch eine kleine Tafel an seinem Geburtshaus. Jetzt wird es saniert.

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Bis zu 50 000 Euro, so schätzt Architekt Wolfgang Hein vom beauftragten Büro AAD, werden dafür benötigt. Zwar sieht das Gebäude von außen noch topp aus, aber wer genauer hinschaut, sieht, dass das Mauerwerk zuweilen etwas lose ist, einzelne Gefache müssen festgesetzt und neu verfugt werden.

Auch der Holzwurm hat einen Platz gefunden: Er sitzt im Holzfachwerk, das ebenfalls nach außen noch gut aussieht. Aber, so Hein, in den 16 Zentimeter langen Balken sind die letzten elf Zentimeter befallen. Es wird saniert und erneuert. Das Holz wird einen neuen Anstrich erhalten, natürlich einen, der mit der Denkmalpflege in Einklang steht.

Mit der Sanierung wurde auch eine schon des Öfteren diskutierte Frage aufgeworfen: Können die beiden vor dem Haus stehenden Stromkästen nicht verschwinden? Könnten sie nicht in den Boden gelassen werden? Da sich der Eigentümer des Hauses an entstehenden Kosten beteiligen will, sieht Hein gute Chancen auf eine einvernehmliche Lösung. Die Gespräche mit der Stadt und den Stadtwerken jedenfalls laufen.

Und wer sich als Unbeteiligter mal dazustellt, wenn bei Stadtführungen vor dem Oetker-Geburtshaus haltgemacht wird, der wird feststellen, dass deutlich öfter die Legende erzählt wird, die Geschichte vom Backpulvererfinder. Und das hat durchaus Sinn: Für die meisten Zuhörer ist sie wahr geworden.

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