Landkreis / Prozess

Raubmord: Höchststrafe für das Täter-Duo

Ein Justizbeamter hat Adolf B. Handschellen angelegt. Der 55-jährige ehemalige Hamelner ist wie sein Mitangeklagter Andrej L. zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Ein Justizbeamter hat Adolf B. Handschellen angelegt. Der 55-jährige ehemalige Hamelner ist wie sein Mitangeklagter Andrej L. zu lebenslanger Haft verurteilt worden.

Hameln. Die 13. Große Strafkammer, die seit dem 6. Juni verhandelt, ist während der Beweisaufnahme zu der festen Überzeugung gelangt, dass die Männer den Hamelner Briefmarken- und Münzhändler Robert Hodde (53) am Abend des 21. November 2010 misshandelt, ausgeraubt und in seiner Wohnung an der Schillerstraße getötet haben. Als Motive nimmt die Kammer Habgier und Verdeckung einer Straftat an.
 Der dritte Mann kommt glimpflich davon: Vadyn C. (22) war nicht an der Tötung des Geschäftsmanns beteiligt. Er wusste nach Meinung des Gerichts aber, dass Robert Hodde überfallen werden sollte; er hat bei der Fesselung des Opfers geholfen und war zudem als Chauffeur tätig. Allerdings hat Vadyn C. mit seinen Aussagen maßgeblich zur Aufdeckung der Verbrechen beigetragen. Ohne das freiwillige Offenbaren von Details hätte die 13. Strafkammer nicht aufklären können, was sich in der Wohnung ereignet hat. "Ohne die Angaben von Herrn C. hätten wir zu anderen Feststellungen kommen müssen", stellt Richter Wolfgang Rosenbusch fest und spricht damit ein Problem an, das sich wie ein roter Faden durch das Verfahren gezogen hat: Adolf B. und Andrej L. beschuldigen sich gegenseitig, den Hamelner umgebracht zu haben. Die Verteidiger hofften wohl bis zuletzt, dass deshalb der alte Rechtsgrundsatz "In dubio pro reo – Im Zweifel für den Angeklagten" Anwendung finden würde.
 Vadyn C., der der Mordkommission und der Justiz geholfen hat, die Schuldfrage zu klären, soll nur drei Jahre und sechs Monate hinter Gitter – wegen erpresserischen Menschenraubs, schweren Raubs und schwerer räuberischer Erpressung.
 Adolf B. und Andrej L., so die Kammer, hätten gemeinsam beschlossen, von Köln nach Hameln zu fahren, um Robert Hodde auszurauben. Vadyn C. sei als Fahrer angeheuert worden. Zwar nimmt das Gericht an, dass Andrej L. während der Fahrt vier halbe Liter Bier getrunken und der unter Epilepsie leidende Vadyn C. neben einem Gramm Kokain auch zwei krampfunterdrückende Arzneimittel zu sich genommen hatte. Doch habe das im Sinne des Gesetzes weder die Einsichts- noch die Steuerungsfähigkeit der Angeklagten beeinträchtigt.
 Das Verbrechen hat sich nach Überzeugung des Gerichts so abgespielt: Zunächst erhält Robert Hodde von Andrej L. einen schweren Schlag ins Gesicht. Dabei geht die Zahnprothese zu Bruch. "Das war der Anpfiff für den Raub", sagt Rosenbusch. Andrej L. fordert Vadyn C. auf, das Opfer mit Kabelbindern zu fesseln, doch C. scheitert bei dem Versuch. L. macht es dann selbst, während C. die Hände des Opfers auf dem Rücken fixiert und L. danach Schnürsenkel reicht, die er aus zwei Turnschuhen gezogen hat. Adolf B. fordert Geld von Robert Hodde. Der verletzte Geschäftsmann wird gezwungen, eine Quittung über eine bestimmte Summe in Gold auszustellen und die Zahlenkombination für seinen Tresor zu verraten. Während Andrej L. auf den Geschäftsmann aufpasst, fahren Vadyn C. und Adolf B. zu Hoddes Phila-Studio an der Kaiserstraße. Mit einem Schlüssel öffnet B. den Stahlschrank, entnimmt darauf Gold- und Silbermünzen sowie Briefmarken. Die Beute hat wohl einen Wert von 30 000 Euro. C. wartet im Auto, chauffiert B. wenig später wieder zur Schillerstraße. Adolf B. geht allein zurück in die Wohnung. Das Gericht ist sicher, dass B. und L. den Entschluss gefasst haben, Robert Hodde zu töten. Vermutlich achtmal wird dem Hamelner eine schwere Statue auf den Kopf geschlagen. "Einer oder beide knieten oder saßen auf dem Opfer, komprimierten so den Brustkorb", sagt Richter Rosenbusch. Dadurch sei "die Sauerstoffversorgung sehr stark reduziert" worden. Der 53-Jährige sei zudem mehr als 20 Sekunden lang gewürgt worden, wodurch es bei dem Hamelner "zu einer dramatischen Sauerstoffunterversorgung gekommen ist". Dann wird Robert Hodde eine Plastiktüte über den Kopf gezogen. Andrej L. fordert Adolf B. auf, Wasser in die Badewanne einzulassen. "Die Männer sind übereingekommen, das Opfer mit dem Kopf unter Wasser zu legen, um sicherzugehen, dass es die Tat nicht überlebt", sagt Rosenbusch. Adolf B. nimmt aus der Wohnung mehrere gerahmte Geldscheine mit.
 Das Trio fährt zum Geschäft. Adolf B. holt weitere Wertgegenstände heraus. Um Spuren zu verwischen und ein vergessenes Schlüsselbund zu holen, fahren die Täter noch einmal zur Wohnung. B. geht hinein.
 Dann flüchten die Täter in Richtung Köln. Am 9. Dezember werden sie von Spezialeinsatzkräften der Polizei festgenommen.

Mehr aus Landkreis Schaumburg

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen