Steinbergen / Versteigerung

Arensburg: Wer bietet mehr als 188000 Euro?

Hoffen auf Erfolg bei der Versteigerung: Schlosseigentümer Heinrich Gruber (links) und Auktionshausmitarbeiter Gerhard Bein.

Hoffen auf Erfolg bei der Versteigerung: Schlosseigentümer Heinrich Gruber (links) und Auktionshausmitarbeiter Gerhard Bein.

Steinbergen. Steinbergen (wm). Den Wald mit rund 14 Hektar und die landwirtschaftliche Fläche, wo jetzt Rinder und Esel weiden, will der bisherige Schlosseigentümer Heinrich Gruber allerdings behalten.

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 Bereits Anfang Februar dieses Jahres hatte Gruber auf einem großen Schild vor dem Schlosstor öffentlich kundgetan, dass er die Burg „an Rechte, Rotlicht, Rocker und Sekten“ verkaufen wolle. Aber er fand keinen Interessenten. Möglich gemacht hat die neue Verkaufsinitiative Gerhard Bein aus Hohenrode, der als Repräsentant für die Grundstücksauktionen AG arbeitet und mit Gruber Kontakt aufgenommen hatte.

 Das Versteigerungsangebot kann man seit gestern auf der Internetplattform der Westdeutschen Grundstücksauktionen AG ansehen (www.dga-ag.de). Mindestgebot für Schloss mit Zehntscheune und rund 62000 Quadratmeter Grund: 188000 Euro. Allein der Bodenrichtwert für das Grundstück beträgt nach Auskunft des Katasteramtes rund 292000 Euro.

 Wie viel er für das Schloss vor zwei Jahren an Vorbesitzer Dieter F. Kindermann gezahlt hat, wollte Gruber nicht verraten, nur so viel: Mit dem Mindestgebot von 188000 Euro würden gerade mal so seine Unkosten gedeckt, nämlich das, was er investiert habe.

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 Wie Bein erläuterte, könne die Arensburg von Interessenten ab sofort besichtigt werden. Die Räume im Schloss seien bereits leer geräumt und in gutem Zustand, auch die Nebengebäude seien sofort zu nutzen.

 Schon im Vorfeld der Verhandlungen, schilderte Bein, habe er Angebote für die Immobilie erhalten. Die Sorge des Steinberger Ortsrates, dort könnte ein rechtes Schulungszentrum entstehen, könne er entkräften. Entsprechende Kontakte seien ihm nicht bekannt.

 Zu der Nachfrage, ob es Angebote aus dem Rotlichtmilieu gebe, wollte sich Bein nicht äußern, diesen Vorhalt allerdings auch nicht dementieren.

 Dass das Schloss ein Bordell werden könnte, das ist ein Szenario, das auch der Stadt Rinteln nicht unbekannt ist, wie der Erste Stadtrat Jörg Schröder einräumte. Bereits in einer Ortsratssitzung in Steinbergen im März dieses Jahres hatte Schröder geäußert, ein Bordell in der Arensburg sei wohl „nicht so dramatisch“. Die Arensburg sei abgelegen, das Gelände eingezäunt. Im Übrigen habe die Stadt ohnehin keinen Einfluss auf den Verkauf, denn das Gebäude sei Privatbesitz. Die historische Burg aus dem 13. Jahrhundert stehe zwar unter Denkmalschutz, könne aber für Wohnen, Gastronomie und Dienstleistungen genutzt werden.

 Bereits bei Schlossvoreigentümer Dieter F. Kindermann, der die Burg als Büro genutzt hatte, war ein Belgier vorstellig geworden, der, inspiriert vom nahen Autobahnanschluss, im Schloss ein Bordell hatte einrichten wollen. Kindermann hatte damals abgelehnt.

 Die Unternehmensgruppe Deutsche Grundstücksauktionen (DG) AG, für die Gerhard Bein arbeitet, ist seit 1984 am Markt und aus der Firma Berliner Grundstücksauktionen hervorgegangen. Grundstücksauktionen sind eine besondere Möglichkeit, für ungewöhnliche oder sonst schwer an den Mann zu bringende Immobilien einen Käufer zu finden. Auch das Alte Museum am Kirchplatz, das zurzeit saniert wird, hatte so im Jahr 2009 einen Besitzer gefunden. Jüngst hat die DG ein Wohnschiff im Hamburger Hafen versteigert.

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 Heinrich Gruber, von Haus aus Bergmann und Erfinder eines speziellen Ankersystems, wie es im Tunnelbau gebraucht wird, hatte auf der Arensburg einen persönlichen Traum verwirklichen wollen: eine autonome Wohnstätte für Senioren mit Landwirtschaft, Fischteichen und Wald.

 „Leider“ habe man ihm von den Behörden nur Steine in den Weg gelegt, schilderte er gestern in einem Gespräch. Er sei den Ärger leid, deshalb wolle er die Arensburg loswerden. Man habe ihn gehindert, den Wald zu nutzen und Fischteiche anzulegen – mit der Begründung, diese seien ein Feuchtbiotop. Der Wald sei ein Park, was er wiederum nicht begreife, denn für das Waldstück gebe es Jagdrechte – und in einem Park lasse sich schlecht jagen.

 Wie wenig Behörden seiner Meinung nach durchblicken, dafür erzählte Gruber noch eine Geschichte: Er sei verklagt worden, weil ein herabstürzender Ast auf seinem Grund ein Auto erheblich beschädigt habe. Nach Unterlagen des Katasteramtes habe er dann festgestellt, diese paar Quadratmeter, auf denen das Auto gestanden hat, unmittelbar an der Bundesstraße 83, gehörten gar nicht ihm, sondern der Bundesrepublik Deutschland.

 Probleme, mit denen sich ein neuer Investor allerdings nicht wird herumschlagen müssen, da das Waldgelände weiter im Besitz von Gruber bleibt. Der kündigte gestern an, er wolle den Wald wieder für jedermann zugänglich machen: „Die Schilder sind schon weg.“

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