Rinteln / Whiskey-Probe

Ein Stück Geschichte rinnt die Kehle hinunter

In gespannter Erwartung verfolgen die Teilnehmer der „Whisky-Probe“, wie Andreas Schmidt Probst den „Rommel-Rum“ für die Verkostung ausschenkt.

In gespannter Erwartung verfolgen die Teilnehmer der „Whisky-Probe“, wie Andreas Schmidt Probst den „Rommel-Rum“ für die Verkostung ausschenkt.

Krainhagen. Wenngleich er dafür ein wenig fremdgehen musste. Denn statt einer weiteren edlen Variante der in Irland als "Wasser des Lebens" bezeichneten Spirituose Whisky hat er diesmal einen besonderen Rum ergattert – und zwar einen geschichtsträchtigen "Rommel-Rum".

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„Das ist ein typischer Dachbodenfund“, verrät Schmidt Probst, um dann auch gleich die ganze Geschichte zu erzählen: Demnach hatte einer seiner Kunden, ein Petershagener, die beiden verstaubten, aber noch verschlossenen Flaschen vor einiger Zeit zufällig beim Aufräumen entdeckt und sich interessehalber bei ihm erkundigt, was dieser mit „Old Jamaica Rhum“ etikettierte Sprit denn wohl wert sei. Schmidt Probst nahm den Fund in Augenschein, recherchierte ein bisschen zur Herkunft der Ware, stieß auf den Namen „Rommel“, verspürte einen Haben-Wollen-Reflex und unterbreitete dem Bekannten schließlich ein angemessenes Kaufangebot.

Schnell wurde man sich handelseinig, so dass die zwei Rum-Flaschen schließlich zur beiderseitigen Zufriedenheit den Besitzer wechselten. Wie viel er dafür bezahlt hat? „Das lassen wir einfach mal im Raum stehen“, weicht der „House of Whisky“-Inhaber galant aus.

Déjà-vu-Erlebnis in der Berghütte

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In gewisser Weise hat der Erwerb der beiden Rum-Flaschen etwas von einem Déjà-vu-Erlebnis, denn bereits im vergangen Jahr konnte der Obernkirchener den Gästen einer von ihm ebenfalls in der Krainhäger Berghütte ausgerichteten „Whisky-Probe“ einen „Rommel“ präsentieren, wobei es sich damals allerdings um einen Whisky gehandelt hatte.

Zur Erinnerung: Der 2012 geköpfte „Rommel-Whisky“ stammte, so Schmidt Probst, aus einer riesigen Whisky-Lieferung, die das zur Zeit des Zweiten Weltkrieges von dem auch als „Wüstenfuchs“ betitelten Feldmarschall Erwin Rommel geführte deutsche Afrikakorps am 20. Juni 1942 bei der Eroberung von Tobruk (Libyen) der britischen Armee abgenommen hatte.

Als Kriegsbeute wurden die Fässer nach Italien verschifft, wo sie am 22. Juni 1944 in die Hände der Amerikaner fielen, die den Inhalt aus den Eichenfässern in italienische Weinflaschen zu je einem Liter umfüllten und in einem Weinkeller im österreichischen Linz einlagerten. Zwei Jahre nach Kriegsende verkaufte der Staat Österreich das, was von dem Whisky noch übrig geblieben war, nach und nach in größeren Chargen. Die letzten 40296 Flaschen kamen am 7. Mai 1979 in Frankfurt bei einer Versteigerung unter den Hammer und werden seitdem in Sammlerkreisen zu beachtlichen Preisen gehandelt.

Und hier schließt sich der Kreis zu den beiden in Petershagen auf einem Dachboden gefundenen „Old Jamaica Rhum“-Flaschen. Diese waren nämlich Teil eines gewaltigen Rum-Bestandes der britischen Armee, der 1942 ebenfalls von dem Deutschen Afrikakorps in Tobruk erbeutet wurde. Und auch der Rum zog später – wie der „Rommel-Whisky“ – von Fässern in italienische Weinflaschen um, von denen dann in den Siebziger Jahren bei einer großen Auktion schließlich noch rund 40600 Flaschen versteigert wurden, weiß der Experte.

So weit, so gut. Bei dem „Rommel-Rum“ stellt sich die Geschmacksfrage anlässlich der diesjährigen „Whisky-Probe“ nun in gleichem Maße, wobei Schmidt Probst einmal mehr skeptisch ist, da die von ihm für die Verkostung ausgewählte Flasche in einem „schlechten Erhaltungszustand“ ist. Denn auch bei dieser Pulle ist der Korken nur ein kleiner, maroder Stumpf und der Inhalt der original verschlossenen Flasche bereits um die Hälfte verdunstet.

Anders als bei seinem „Rommel-Whisky“ überzeugt ihn der in den Dreißiger Jahren hergestellte „Rommel-Rum“ nur bedingt: „Viel Nase hat er nicht“, resümiert Schmidt Probst mit kritischem Blick. Dafür sei die Farbe des Getränks „aber erstaunlich – als ob mit Zuckercouleur gearbeitet worden ist“. Dem verbliebenen Alkoholgehalt bescheinigt er nach dem Verkosten allerdings nur noch Likör-Niveau, bevor er schließlich den Geschmack des „Rommel-Rum“ analysiert.

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Geschmack wie altes Pflaster

 „Ein bisschen Vanille- und Kakao-Aroma“ macht er aus, was sich zunächst noch ganz gut anhört. Dann aber nimmt er eine deutliche „Hansa-Plast-Note“ wahr, die ihn an ein „altes Pflaster“ erinnert, „das von beiden Seiten klebt, weil es überlagert ist“. So ernüchternd das Ergebnis letzten Endes ist, Schmidt Probst nimmt es locker: Auf jeden Fall sei es „ein Stück Geschichte“, das man die Kehle habe hinunterrinnen lassen, betont der Obernkirchener.

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