Möllenbeck /<wbr> Domäne

„Ich mochte das Arbeitsleben an der frischen Luft“

&nbsp;Karl Meier (Zweiter von links) hat in fast 50 Arbeitsjahren auf der Domäne Möllenbeck für drei Generationen der Pächterfamilie gewirkt. Daneben: Arnd Bolhöfer (von links), dessen Tochter Anne und Lebenspartner Anthony Lee (Mitte), die Eltern von Christopher im Wagen, der bereits für die vierte Generation steht.

&nbsp;Karl Meier (Zweiter von links) hat in fast 50 Arbeitsjahren auf der Domäne Möllenbeck für drei Generationen der Pächterfamilie gewirkt. Daneben: Arnd Bolhöfer (von links), dessen Tochter Anne und Lebenspartner Anthony Lee (Mitte), die Eltern von Christopher im Wagen, der bereits für die vierte Generation steht.

Möllenbeck (who). „Ich wollte die 50 Jahre ja eigentlich vollmachen“, betonte der Beinahe-Goldjubilar kürzlich während seiner Verabschiedungsfeier. Hintergrund: Ein abgenutztes Hüftgelenk und dessen Austausch hatten den Ruhestand um gut eineinhalb Jahre vorgezogen. Karl-Heinz Meier (sein vollständiger Name, bei dem ihn eigentlich niemand nennt), bekam zur offiziellen Verabschiedung dennoch die Ehrenurkunde für eine 50-jährige Berufslaufbahn. Dafür hatte Arnd Bolhöfer (Dienstherr seit 1973) bei der Landwirtschaftskammer Hannover interveniert. Und weil sich Cord Lattwesen, Kreislandwirt von Hameln-Pyrmont, während der Vakanz dieses Amtes im Landkreis Schaumburg eingeschaltet hatte, bekam Meier seine Ehrenurkunde.

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 50 Jahre – eine halbe Ewigkeit beim technischen Wandel und Fortschritt. Das gilt auch für die Landwirtschaft, und so hat es Karl Meier ganz persönlich miterlebt. Mit 15 Jahren trat er seine Arbeitsstelle an bei August Bolhöfer, dem Vater seines langjährigen Arbeitgebers. Die Frage nach Wahl der Lehrstelle habe eigentlich nicht zur Diskussion gestanden, erzählt er. Denn vier Wochen zuvor verunglückte sein Vater (ebenfalls Mitarbeiter auf der Domäne) tödlich. Die Mutter stand plötzlich mit sieben Kindern allein da, sie brauchte Unterstützung bei der Erwirtschaftung des Unterhalts für die große Familie, die auf dem Domänenhof lebte. Karl Meier wurde also Landwirt, denn „ich mochte das Arbeiten an der frischen Luft“.

 Ein Traktor „Ford Dexter“ war sein erstes Arbeitsgerät und wartet als Oldtimer heute in einer Scheune auf seine Restaurierung, verrät Arnd Bolhöfer. Mit 31 PS Leistung fuhr der Dexter damals in der Oberklasse. Aber mit dem Fendt Favorit 818 von heute mit satten 190 PS „ist das überhaupt nicht zu vergleichen“, denkt Meier laut nach. Denn wie viele Maschinen und Geräte ist der moderne Traktor mit seinen raffinierten elektronischen Steuerungen eine hoch effiziente Hightech-Maschine.

 Als eingespieltes Gespann haben sich Bolhöfer und Meier über fast 40 Jahre die Arbeit auf der Domäne geteilt.

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 Die Chemie zwischen seinem Mitarbeiter und ihm habe stets gestimmt, unterstreicht Arnd Bolhöfer. Er selbst habe sich überwiegend auf die Verwaltung konzentrieren können. „Weil er mir das praktischen Arbeiten abgenommen hat, zumal er das viel besser konnte als ich.“

 Zum Beispiel als Mähdrescherfahrer sei der stets ruhige und gelassene Meier spitze. „Und er war mir eine große Hilfe bei der Lehrlingsausbildung.“ Denn an rund 30 angehende Landwirte habe er in fast 50 Jahren sein profundes Praxiswissen weitergegeben. Und weil die Bolhöfers auch etliche ehemalige Lehrlinge eingeladen hatten, streiften während der Verabschiedungsfeier im Hofcafé in der früheren Schmiede der Domäne die Gespräche wiederholt die gemeinsamen Zeiten.

 Dass Auszubildende 1964 noch Lehrlinge genannt wurden und sich deren Berufsbild seit damals stark verändert hat, ist lediglich ein kleiner Aspekt der Veränderungen in der Landwirtschaft als Ganzem. Denn auch das Unternehmen Domäne Möllenbeck hat sich drastisch gewandelt, bestätigen Arnd Bolhöfer und Karl Meier beim Betrachten alter Zeitungsberichte. Einer davon belegt: Noch 1957 verdienten 30 Mitarbeiter den Lebensunterhalt für sich und ihre Familien auf der Domäne. „Auf einem (mit 170 Hektar Fläche) halb so großen Betrieb wie heute“, so Bolhöfer.

 Allein 17 Mitarbeiter wurden in jenem Jahr für langjährige Treue geehrt. Milchviehhaltung und Schweinemast waren Hauptschwerpunkte des Domänenbetriebes. Zum Zeitpunkt des Ausscheidens von Karl Meier verfügt diese über 440 Hektar Acker- und Grünland inklusive zugepachteter Flächen. Und künftig werden durch eine Kooperation mit der wenige Kilometer entfernten Domäne Varenholz nur noch zwei Arbeitskräfte für Bewirtschaftung gebraucht, erklärt Bolhöfer. Vor sechs Jahren hat er den Pachtvertrag für die Domäne Möllenbeck vorerst bis 2024 verlängert und 2010 die Betriebsführung an seine Tochter Anne als Repräsentantin der dritten Familiengeneration übergeben.

 Mit ihrem Sohn Christopher, geboren in diesem Jahr, könnte irgendwann in der Zukunft die vierte Familiengeneration in die Verantwortung treten. Meier aber, der Christophers Mutter und ihre drei Schwestern hat aufwachsen sehen, will in seinen Ruhestand hineinwachsen und sich langsam ans Kürzertreten gewöhnen – in frischer Luft, wie er es mag. „Und wir hoffen, dass Sie uns noch eine Weile als Vertretung erhalten bleiben“, würde Arnd Bolhöfer die langjährige tragende Säule des Betriebes gerne noch gelegentlich in der heißen Phase der Ernte wieder auf dem Mähdrescher sehen.

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