Rinteln / Brennholz

Selbst gefällt – von wegen

Ein Waldarbeiter setzt die Kettensäge an: Überwiegend sorgen professionelle Arbeiter für Brennholz.

Ein Waldarbeiter setzt die Kettensäge an: Überwiegend sorgen professionelle Arbeiter für Brennholz.

Von hans Weimann Rinteln. Zwar gibt sie noch, die Individualisten mit der Säge, aber sie werden deutlich weniger. Bei den Forstämtern ist man darüber nicht böse – im Gegenteil. Nur sagt das niemand so deutlich. Selbstwerber machen nämlich Arbeit, man muss ihnen Polder abstecken, also im Revier zeigen, wo und was sie fällen müssen, und nach getaner Arbeit muss man abrechnen. Alles personalintensiv. Und Personal ist knapp bei der Forst – auch, weil die Reviere größer geworden sind.

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Michael Behrndt, Forstamtsdezernent beim Niedersächsischen Forstamt in Hessisch Oldendorf sagt, ein weiterer Grund, warum private Säger im Wald weniger werden, ist die wachsende Professionalisierung im Gewerbe. Eine fast zwangläufige Folge der Zertifizierung unserer Wälder. Die sich daraus ergebenden Standards fordern beispielsweise, dass Holz nur in bestimmten Rückegassen aus dem Wald geholt werden darf.

 Christoph Freiherr von Schellersheim aus Eisbergen, der auch auf dem Rintelner Brennholz- und Bauernmarkt am 1. und 2. Februar vertreten ist und selbst Waldbesitzer ist, sieht realistisch: „Ein Motorsägenschein macht noch keinen professionellen Holzarbeiter“. Der Trend zum Volldienstleister mit modernster Rücketechnik sei nicht aufzuhalten: „Stellen Sie sich nur vor, da beschädigt ein Selbstwerber beim Holzrücken einen Zukunftsstamm, weil er nicht das geeignete Gerät hat“. Holzhändler, die Profis, holen ihr Holz am Wegesrand ab. Und noch ein Aspekt: Händler, die mit großen Holztransportern kommen, sind ziemlich ärgerlich, wenn Selbstwerber mit ihren Pickups oder Anhängern die schmalen Waldwege blockieren.

 Selbstwerber räumten früher die Kronen, das Dünnholz ab, weil außer ihnen niemand groß Verwendung dafür hatte. Auch das hat sich geändert. Was nicht in die Industrie, in den Kamin kommt, wird heute zu Hackschnitzeln verarbeitet und in großen Heizungsanlagen und Heizkraftwerken verfeuert.

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Da braucht man Masse. Klaus Egly, Vorsitzender des Bundesverbandes Brennholzhandel, der mit seiner Frau Christine die Brennholzscheune Diedersen in Hameln betreibt, sagt: „Das Sortiment, das Selbstwerber früher aus dem Wald geholt haben, gibt es nicht mehr. Ein Baum wird heute auseinandergenommen wie ein Fisch, sogar die Gräten werden verwertet“.

 In dem Gewerbe gibt es inzwischen alle Stufen: Händler, die nur die Transportfunktion übernehmen und dem Kunden Stammholz liefern. Dieser sägt und trocknet selbst. Dann gibt es Händler, die Buchenscheite anbieten, die man sofort in den Kamin stecken kann.

 Längst werden selbst Stämme bis zu 80 Zentimeter dick zu Brennholz gemacht, die man früher nicht angepackt hätte. Und der Bedarf nach dem nachwachsenden Rohstoff steigt unaufhörlich weiter. Von Schellersheim nennt ein Beispiel: Für Hamburg und Bremen sind wir das erste große Waldgebiet. In den Großstädten sitzen viele zahlungskräftige Kunden, die Brennholz suchen. Unser Problem ist heute die Menge, die wir nicht mehr generieren können.

 Das hat Auswirkungen auf den Markt, schildert Dr. Behrndt: Brennholz sei damit zu einer echten Konkurrenz für Industrieholz geworden, das Holz, aus dem beispielsweise Papier oder Spanplatten gemacht wird. Die Folge: Die Industrieholzpreise sind deutlich gestiegen. Sogenannte B-Hölzer werden mit 100 bis 125 Euro berechnet. Für Holz der Top-Qualität, das zu Furnieren verarbeitet wird zahlt der Aufkäufer bis zu 150 Euro und mehr für den Festmeter.

 Für von Schellersheim ist teuer auch eine Frage der Perspektive. Waldbesitzer hätten jahrelang praktisch im Rückwärtsgang mit schlechten Erträgen leben müssen. Das gleiche sich jetzt aus.

 Mit dem Brennholzboom tun sich auch völlig neue Geschäftsfelder auf, Biogasanlagenbetreiber nutzen beispielsweise die Abwärme, um Holz zu trocknen.

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 Auf den ersten Blick verwirrend für Laien sind die Abrechnungseinheiten. Bei der Forst ist das Standardmaß der Festmeter. Obwohl es den genau genommen in der Natur nicht gibt. Denn das wäre ein Würfel von einem Kubikmeter ohne Lufteinschlüsse.

In der Realität verkauft auch die Forst Schüttholz (gemessen am Containermaß), rechnet aber auch das auf Festmeter zurück. Zurzeit kostet Buchenholz für den Brennholzmarkt zwischen 60 bis 80 Euro je Festmeter. Der Kunde wiederum zahlt für den Schüttraummeter Buche, Esche und Ahorn je nach Qualität zwischen 76 bis 90 Euro. Egly rät Kunden, nur zu kaufen, was man einigermaßen sicher überprüfen könne, also beispielsweise Holz in einem Container: „Wie wollen Sie die tatsächliche Menge kontrollieren, wenn der Händler mit Lieferwagen oder Anhänger vorfährt und Ihnen das Holz in die Einfahrt kippt?“ Und noch ein Aspekt: Viele Kunden können Holz heute nicht mehr lagern, die wünschen ofenfertiges Holz, das per Telefonanruf ans Haus geliefert wird. „Die mögen es auch nicht, wenn da ein ölender Trecker in die Einfahrt rollt.“ Auch das trage zur Professionalisierung bei.

 Im Prinzip, sagt Egly, habe sich der Holzpreis in den letzten Jahren so dramatisch nicht verändert. Verschoben hätten sich die Sortimente. Brennholzhändler geben sich nicht mehr mit den kleinen Stöcken zufrieden, sondern suchen höherwertiges Holz – Holz, das bestimmte Längenmaße erreicht, damit man es mit der Maschine ernten kann.

 „Je dichter man am Boden ist, desto höher ist die Qualität des Holzes. Fassen Sie ein Stück Stammholz an. Das hat mehr Gewicht, als Holz aus der Krone oder von Jungbeständen“. Stammholz brennt auch länger.

 Und dann gibt es noch einen Mitspieler im Wettbewerb: In China sitzen wichtige Kunden für die heimische Forst. Das liege auch daran, erläutert Dr. Behrndt, weil es kaum mehr große heimische Säge- und Schälbetriebe gebe. Selbstverständlich beliefere man alle heimischen Kunden, „aber ohne den Export ging es nicht mehr, wir sind froh, dass es den Export gibt“.

 Wer sich selbst über Holzpreise und Händler informieren möchte, hat dazu in der Innenstadt am Samstag von 10 bis 18 Uhr, Sonntag von 11 bis 18 Uhr, beste Gelegenheit.

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