Rinteln / Melanie Rehmet

Über Rinteln, London und Texas in die Schweiz

Melanie Rehmet mit ihrem ersten Gedichtband: „Sonaten des Herzens“.

Melanie Rehmet mit ihrem ersten Gedichtband: „Sonaten des Herzens“.

Rinteln (cok). „Ich habe in meinem Leben so viele Menschen aus aller Welt kennengelernt, so viele intensive Gespräche geführt“, sagt sie. „Oft aber war ich auch allein und hatte Zeit zum Nachdenken, zum Schreiben. Ich hätte nie gedacht, dass ich mal Gedichte schreiben würde, solche, von denen ich glaube, dass sie anderen wirklich etwas bringen können.“ Bevor sie sich, von Freunden bestärkt, entschloss, wegen einer Veröffentlichung auf den Wagner-Verlag in Gelnhausen zuzugehen, schwirrten auf ihrem Schreibtisch nur lose Zettel herum. Nun aber ergeben sie alle zusammen ein schön geordnetes Buch, so, wie ihr Herumreise-Leben inzwischen einigermaßen sesshaft geworden ist.

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 Melanie Rehmet ist gelernte Hotelfachfrau, die ihrer Ausbildung das Studium des Hotelfachs folgen ließ und weltweit in großen Hotels arbeitete. Angst davor, sich allein in die große, weite Welt zu begeben, hatte sie schon als Teenager nicht. Mit 15 Jahren verbrachte sie ein Austauschjahr bei einer amerikanischen Gastfamilie, eine Erfahrung, die sie darin bestärkte, einen Beruf zu wählen, der sie möglichst weit herumbringen würde. „Dabei erinnere ich mich noch gut, was für ein großer Schritt es bereits war, aus dem kleinen Rinteln ans ,Maritim‘ in Frankfurt zu gehen“, sagt sie. „Ich kannte keinen Cocktail und wusste nicht mal, was Sushi eigentlich ist.“

 Außer all dem, was man als Hausdame in einem von internationalen Gästen besuchten Hotel beherrschen muss, bestand die wohl wichtigste Feuerprobe darin, auch in Stresssituationen die Ruhe zu bewahren und freundlich-souverän aufzutreten, selbst dann, wenn anmaßende Gäste ungerechte Beschwerden loswerden wollen, flirtende Männer gewisse Grenzen nicht achten, Fragen gestellt werden, deren Antwort man selbst noch gar nicht kennt und Verantwortung zu übernehmen, auch wenn man sich eigentlich noch gar nicht so stark fühlt. Schon als ganz junge Frau leitete sie die „Putztruppe“ im „Maritim“ und hatte für Ordnung und Sauberkeit in mehr als 500 Zimmern zu sorgen.

 Später arbeitete sie im Beschwerdemanagement an der Rezeption eines Londoner Hotels. „Ich verstand, wie wichtig es ist, sich Vorbilder zu suchen und von ihnen zu lernen“, sagt sie. „Wenn ich nicht eine sehr gelassene Chefin gehabt hätte, die ich bewunderte, wer weiß, ob es mir jetzt so leicht fallen würde, auch mit aufgeregten, überdrehten, verwirrten oder verzweifelten Menschen umzugehen. Man muss Leute, die empört sind, ausreden lassen, einfach erst mal zuhören, ihnen zunächst Recht geben, um dann in Ruhe nach einer Lösung zu suchen.“ In Texas, USA, lernte sie neben den unterschiedlichen „normalen“ Gästen auch Berühmtheiten kennen, darunter die Tochter der Clintons oder George W. Bush und Stars aus der Film- und Musikszene. „Man bekommt so viel von menschlichen Schicksalen mit, und es ist erstaunlich, was manche Gäste einem anvertrauen“, so Rehmet. „Wirklich, ich habe viele, viele Geschichten gehört, so viele Kontakte geknüpft und meinen Blick auf die Welt und das Leben geöffnet.“ Als sie schließlich vor etwa vier Jahren über Frankreich in der Schweiz anlandete, lernte sie gleich noch eine Fremdsprache dazu, das Schweitzerdeutsch.

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 Der gewisse Nachteil des spannenden Berufes: „Ich selbst hatte immer nur wechselnde Beziehungen. Die Arbeitszeiten als Hotelfachfrau sind nicht gerade beziehungsfreundlich, und wenn man dann noch so oft den Arbeitsplatz wechselt – dann brechen auch bedeutsame Beziehungen fast automatisch wieder auseinander.“ Ein guter Trost war da immer die enge Bindung an ihre Familie, an ihre Mutter Ursula Crombach, die Geschäftsführerin im Rintelner Geschäft für Büroelektronik „Ricom“ ist, und auch an ihren Großvater Albert Rehmet, der seine herausragenden Landschaftsfotos für die Illustration der „Sonaten des Herzens“ zur Verfügung stellte.

 Dass aus der Nachtgedichte-Zettelsammlung ein geschlossenes Büchlein werden konnte, hat auch mit einem entscheidenden Arbeitswechsel zu tun. Rehmet ist nun bei einem IT-Unternehmen im Schweizer Städtchen Zug als Direktionsassistentin angestellt, mit geregelter Arbeitszeit und ohne den Anspruch, immer neue Erfahrungen an neuen Standorten sammeln zu müssen. „Das ist ein Schritt in ein ganz anderes Leben“, meint sie lächelnd. „Ich werde seriös.“ Die „Sonaten des Herzens“ heben zwar nicht auf diese Art der Seriosität ab, wohl aber verfolgen sie den Roten Faden der Liebessuche und des Menschenverständnisses. Zu beziehen ist das Buch über den Buchhandel, das Internet oder bei „Ricom“ in der Bahnhofsstraße.

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