Rinteln / Rassismusdebatte

„Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?“

Der Verlag Thienemann hat in seinen Ausgaben des Kinderbuchklassikers „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler das Wort „Neger“ gestrichen.

Der Verlag Thienemann hat in seinen Ausgaben des Kinderbuchklassikers „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler das Wort „Neger“ gestrichen.

Rinteln. „Ich weiß noch“, erinnert sich Horst Ahlswede, Schulleiter der Grundschule Nord, „als ich 1986 als Lehrer an die Grundschule in Todenmann kam, dass dort – ganz unbedacht – im Sportunterricht das Spiel ,Wer hat Angst vorm schwarzen Mann?‘ gespielt wurde.“ Unbedacht, da man dabei „ja nur an einen Schornsteinfeger oder Kohlenhändler gedacht“ habe. „Es gab aber auch einen farbigen Schüler. Da wurde mir klar, dass man dieses Spiel so jetzt nicht mehr spielen sollte. Also nannten wir es von da an zum Beispiel ,Wer hat Angst vorm Krokodil?‘“

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 Deutschlehrerin und -fachleiterin Jasmin Cremer von der Grundschule Nord verweist darauf, dass fragwürdige Kinderliteratur ja gerade umgeschrieben werde. Tatsächlich haben manche Verlage, wie etwa Thienemann, das Wort „Neger“ aus Otfried Preußlers Werk unlängst gestrichen, in den Pippi-Langstrumpf-Ausgaben der Verlagsgruppe Oetinger ist der „Negerkönig“ durch „Südseekönig“ ersetzt worden.

 „Aber solche Begriffe tauchen in unseren Schulbüchern nicht auf, im Gegenteil: Wir arbeiten mit dem Deutschlehrwerk ,Pusteblume‘, das auch mit dem Thema Migration arbeitet und in dem Kinder türkische Namen haben oder afrikanische Kinder eine Rolle spielen“, schildert Cremer. Das spiegele im Übrigen auch gut die Schülerschaft an der Grundschule in der Rintelner Nordstadt wider, an der schwarze Kinder „oder Kinder mit dunklem Teint völlig normal sind“.

 Auch Manfred Asche, Schulleiter der Grundschule Süd, hat die Debatte über die Streichung von rassistischen Begriffen wie „Neger“ in dem bekannten Kinderbuch „Die kleine Hexe“ von Otfried Preußler zwar mitverfolgt – „aber in den Kinderbüchern, mit denen wir heute arbeiten, tauchen solche Begriffe gar nicht mehr auf“. Wenn doch, sei es im Unterricht oder auf dem Schulhof, dann werde mit den Kindern darüber gesprochen.

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 So hält es auch Jasmin Cremer. Allerdings fiel ihr einmal, als sie mit einer ersten Klasse ein Hörbuch von Lindgrens „Pippi Langstrumpf“ hörte, darin das Wort „Neger“ negativ auf – ohne es anschließend zu thematisieren. „Die Kinder hatten es einfach völlig überhört.“

 Reinhold Lüthen, Schulleiter des Gymnasiums Ernestinum, glaubt, dass die Sensibilität für rassistische Begrifflichkeiten stark zugenommen hat, insbesondere bei jungen Menschen. „Früher übliche Bezeichnungen für Gebäck, wie ,Negerkuss‘ oder ,Mohrenkopf‘, sind bei Kindern doch kaum noch präsent, weil die Produkte ja auch nicht mehr so ausgezeichnet werden.“ Das sei bei den Eltern oder Großeltern oft noch anders. „Das merke ich ja an mir selbst. Ich bin ja auch schon über 60 und muss mich teilweise regelrecht zwingen, solche Worte nicht zu verwenden. Ich denke daher, das ist eher ein Problem der älteren Generation.“

 Spezielle Unterrichtseinheiten zum Thema Rassismus gebe es an seiner Schule nicht. „Aber der Lehrplan sieht das Thema ,Reflexion der Sprache‘ vor.“ Das heißt, „bei aktuellen Anlässen“, wie beispielsweise bei der Wahl des „Unworts des Jahres“, werde sich damit auseinandergesetzt.

 „Von daher ist es immer Thema, das permanente Aufmerksamkeit erfordert.“ Insofern sei auch das Thema Rassismus so besser aufgehoben als in einer extra ausgewiesenen Unterrichtseinheit.

 Torsten Rudolf, Schulleiter der Oberschule, sei nicht bekannt, dass es an seiner Schule „irgendwelche Probleme“ mit rassistischer Sprache gebe. Und wenn doch, würden sie thematisiert werden.

 Vielmehr verweist Rudolf darauf, dass die Hildburgschule (heute Oberschule) bereits vor vier Jahren vom Kultusministerium als erste Schaumburger Schule als "Schule ohne Rassismus – Schule mit Courage" ausgezeichnet wurde (wir berichteten). pk

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