Rinteln / Mammografie

„Zweifelhafte Befunde wird es immer geben“

High-Tech im Lkw-Auflieger am Steinanger. Hier erwarten unter anderem Vanessa Bagusat (von links), Virginia Roznowski, Annelie Hilmer die Frauen zur Untersuchung. tol

High-Tech im Lkw-Auflieger am Steinanger. Hier erwarten unter anderem Vanessa Bagusat (von links), Virginia Roznowski, Annelie Hilmer die Frauen zur Untersuchung. tol

Bis zum 3. Juli steht die mobile Untersuchungseinheit der Radiologischen Gemeinschaftspraxis „Schwarzer Bär“ aus Hannover in Rinteln, zuerst auf dem Weseranger-Parkplatz, ab dem 15. Juni auf dem Parkplatz am Steinanger. Da Frauen zwischen 50 und 69 Jahren alle zwei Jahre einen gesetzlichen Anspruch auf das Screening haben, kommt die „mobile Untersuchungseinheit“ auch dementsprechend häufig.

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"Durch diese Untersuchung ist es möglich, Brustkrebs zu erkennen, lange bevor er tastbar ist", behauptet das Einladungsschreiben. Und: "Behandlungsmöglichkeiten und Heilungschancen werden so deutlich verbessert." Ärzte warnen aber vor "Überdiagnosen", vor der Erweckung falscher Erwartungen durch die Methode und vor zu wenig Aufklärung über Nutzen und Schaden des Screenings.
Nachteile der Untersuchung können sein, dass es zu sogenannten "falsch positiven" Befunden kommen kann, also Verdacht auf Krebs aufkommt, obwohl kein Krebs vorhanden ist, dass Tumore übersehen werden oder aufgrund eines Befunds zu schnell zu Behandlungen oder zu Operationen geraten wird.

Dem versucht, das "Mammografie Screening Hannover" mit dem Hinweis auf die Risiken auf ihrer Internetseite vorzubeugen: Die Zeit des Wartens auf den Befund könne belastend sein, heißt es da, und: Es könne vorkommen, "dass ein Tumor nicht erkannt wird". Dennoch, so der Text weiter, "stellt das Mammografie-Screening zurzeit die sicherste Methode dar, um Brustkrebs früh zu erkennen".
In den "Informationen zum Mammografie-Screening" wird dagegen auf diese Risiken nicht explizit hingewiesen. "Kritik am Screening taucht immer wieder auf", sagt Jürgen Rathmann, Pressesprecher des "Mammografie Screening Hannover". Fakt sei aber, "dass wir etwa 120 Frauen im Landkreis das Leben gerettet haben" – 120 Frauen also, die laut Rathmann durch das Screening innerhalb der vergangenen zwei Jahre positive Befunde erhalten und Behandlung bekommen haben. 3500 Rintelner Frauen wurden laut Rathmann in diesem Jahr angeschrieben, 83 Prozent von ihnen seien der Einladung gefolgt. "Ein Riesenerfolg, gerechnet haben wir mit einer Quote von etwa 60 Prozent", so Rathmann. Den Erfolg spricht er höherer Aufmerksamkeit der Medien und positiver Mund-zu-Mund-Propaganda zu.

Auch der Rintelner Frauenarzt Christian Bader zeigt sich überzeugt von der Methode: „Ich halte das Screening für eine sinnvolle Sache – je früher man einen Tumor erkennt, desto besser.“ Außerdem habe man in Holland und Schweden schon vor Jahren gute Erfahrungen mit dem Screening gemacht. „Eine Grauzone“, räumt Bader ein, „wird es in der Medizin immer geben“, also „zweifelhafte Befunde“, die man nicht sicher bewerten könne. Die Altersgrenzen, seien deswegen ausgesucht worden, weil 80 Prozent der Brustkrebs-Patientinnen aus dieser Altersgruppe stammten.

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Nach heutigem Wissensstand ist das Screening bei Frauen unter 50 übrigens schwierig, falsch positive Befunde treten hier häufiger auf, weil das Drüsengewebe bei jüngeren Frauen dichter ist. „Das Anschreiben zum Screening“, erklärt Cornelia Pietsch vom „Mammografie Screening Hannover“, „ist aber nur eine Einladung“. Ob eine Frau der Einladung nachkomme, die Untersuchung bei ihrem Frauenarzt machen lasse oder ihr ganz fernbleibe, „ist immer noch ihre persönliche Entscheidung“. mld

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