Rodenberg

Chlorgas in der Luft – Häuser evakuiert

Am Dekontaminationsplatz werden die Feuerwehrleute von ihren Kameraden gewaschen. Anschließend legen sie die Schutzanzüge ab.

Am Dekontaminationsplatz werden die Feuerwehrleute von ihren Kameraden gewaschen. Anschließend legen sie die Schutzanzüge ab.

Rodenberg. . Nicht Bikini und Badehose, sondern Feuerwehruniformen und Schutzanzüge bestimmten ab 6.15 Uhr das Bild vor der Badeanstalt. Die Straße Tor wurde von der Polizei abgeriegelt, 110 Feuerwehrleute aus der Samtgemeinde Rodenberg sowie 23 von der Umweltschutzeinheit der Kreisfeuerwehr machten sich an die Arbeit, um die Ursache des Notrufs ausfindig zu machen.
Den ersten Alarm hatte es bereits gegen 23 Uhr am späten Sonntagabend gegeben. Die Polizei deutete diesen jedoch als Einbruch-Alarm. Am frühen Morgen bemerkte dann der Schwimmmeister starken Chlorgeruch und informierte Polizei und Feuerwehr.
Die ersten Einsatzkräfte bemerkten schon auf der Straße an tränenden Augen und Atembeschwerden, dass etwas nicht stimmte. Die Einwohner von sechs angrenzenden Häusern wurden vorsichtshalber evakuiert. Im Eiltempo errichteten die Feuerwehren Schmarrie, Hülsede und Rodenberg eine Dekontaminations-Zone. Mehrere Zweier-Trupps legten grüne, gasdichte Schutzanzüge an und begaben sich in den Technik-Bereich, wo im Chlorgasraum die Gasflaschen lagern an die Filteranlage angeschlossen werden. In der Dekontaminations-Zone wurden die Feuerwehrleute nach den Einsätzen in den "Marsmensch-Anzügen" wie in einer provisorischen Duschkabine mit Wasser abgespült.
Bei Messungen stellte die Feuerwehr zunächst eine hohe Chlorkonzentration fest. Im ersten Schritt wurde die Gaszufuhr gestoppt, sodass die Konzentration in der Raumluft zu sinken begann.
Einsatzleiter Jürgen Wilkening berichtete, dass alle Einwohner der Grundstücke am Freibad direkt über den Vorfall informiert und zum Besuch des Hausarztes aufgefordert wurden, sofern sie Atembeschwerden oder Hautreizungen beklagten.
Unterdessen war ein Techniker der Firma, die die Filteranlage wartet, hinzugerufen worden. Dieser traf gegen 9.30 Uhr am Einsatzort ein. Zu der Zeit war die Gaskonzentration bereits so weit gesunken, dass der Techniker die Kellerräume ohne Schutzausrüstung erkunden konnte. Die Ursache des Gasaustritts konnte auch er nicht benennen, weil die Polizei die Anlage noch nicht zur Inspektion freigegeben hatte. Die Ermittlungen wurden an die Staatsanwaltschaft Bückeburg übergeben.
Der Verdacht einer Manipulation bestand nach Angaben der Polizei aber nicht. Es sei von Fahrlässigkeit oder von einem unverschuldeten Defekt auszugehen. Als Tatbestand lag offiziell auch nur eine Luftverunreinigung vor, da keine Menschen zu Schaden gekommen waren. Sollten sich noch Anwohner melden, die vom Chlorgas verursachte Gesundheitsschäden davon getragen haben, komme Körperverletzung ins Spiel. Unter den Einsatzkräften hatte es am Montag keine Verletzten gegeben.
Die Straßensperrung wurde um 11.10 Uhr aufgehoben. Im Auftrag der Staatsanwaltschaft untersuchten ab Mittag unabhängige Sachverständige die Filteranlage des Freibads. Wie viel Gas ausgetreten war, konnte am Montag niemand sagen. Dies ergäben die Auswertungen der Messergebnisse der Feuerwehr. Das Freibad sollte nach Angaben der Verwaltung bis einschließlich Mittwoch geschlossen bleiben.

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Chlor: Ab 0,5 Prozent im Atem tödlich

Chlor (chemische Bezeichnung Cl) liegt unter Normalbedingungen als Chlorgas vor. Der zu den Halogenen gehörende Stoff ist giftig und umweltgefährdend und wird als Bleichmittel sowie zum Herstellen von Medikamenten, Pestiziden und Kunststoffen verwendet. In Schwimmbädern soll Chlor die Bildung von Bakterien im Wasser verhindern. Als Waffe wurde Chlorgas erstmals im Ersten Weltkrieg eingesetzt. Da das Gas schwerer als Luft ist, senkte es sich in die Schützengräben und vergiftete die Soldaten. Chlor reagiert mit Wasser, indem es Salzsäure bildet. Geschieht dies innerhalb der Atemwege, kommt es zu Verätzungen. Ab einer Konzentration von 0,5 Prozent in der Atemluft gehen Experten von einer tödlichen Wirkung aus. gus

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