Standort Stadthagen gefährdet

Faurecia: Hunderte Jobs bedroht

Stadthagen. Nachdem das Unternehmen gerade erst die Verlagerung des externen Rechnungswesens nach Portugal bekannt gegeben hat, kommt nun die nächste Hiobsbotschaft. Eine, die ungleich mehr Sprengkraft besitzt: Danach gibt es Überlegungen, die Forschungs- und Entwicklungsteams von Faurecia Stadthagen (Autositze) und Peine (Komponenten für Fahrzeuginnenräume) zukünftig stärker zu vernetzen, wie Firmensprecherin Kirsten Lattewitz auf Anfrage bestätigt. In diesem Zusammenhang solle eine "Analyse von weiteren Standortalternativen in ungefährer räumlicher Mitte zwischen Stadthagen und Peine" erfolgen.

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Im Klartext: Es geht aus Stadthäger Sicht nicht mehr nur um die Frage, ob der aufgeschobene Neubau (Investitionssumme 30 Millionen Euro) noch kommt oder nicht. Auf dem Spiel steht deutlich mehr: schätzungsweise bis zu 500 Arbeitsplätze, die in Schaumburg verloren gingen, wenn an anderer Stelle gebaut wird.

Fraglich ist zudem, was in diesem Fall aus dem Rest des Standortes würde. Und damit aus jenen weiteren gut 500 Mitarbeitern, die derzeit etwa in Einkauf, Verwaltung, IT und Produktion arbeiten. Branchenkenner bezweifeln, dass diese Abteilungen ohne den großen Bereich Forschung und Entwicklung als Herzstück der heutigen Zentrale noch eine Zukunft haben.
Sprecherin Lattewitz betont ausdrücklich, dass derzeit in Sachen Neubau noch nichts entschieden sei. Dies werde voraussichtlich "im Laufe des Jahres 2018" geschehen. "Damit gibt es bisher auch keine Entscheidung gegen den Standort Stadthagen."

In der Belegschaft brodelt es

Zur Zahl der von einer Verlegung mutmaßlich betroffenen Mitarbeiter will sich das Unternehmen nicht äußern. Man befinde sich noch in einer sehr frühen Prüfungsphase.
 Innerhalb der Belegschaft brodelt es schon seit geraumer Zeit. Ins Bild passt nun möglicherweise auch das sich hartnäckig haltende Gerücht, wonach sich das Management bereits ein Grundstück im Raum Langenhagen angeschaut haben soll.

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In einer gestern Vormittag abgehaltenen Mitarbeiterversammlung ist die mögliche Standortverlegung nach SN-Informationen nicht zur Sprache gekommen. Doch offenbar hatte Betriebsratschef Ali Umutlu unmittelbar danach schon eine Vorahnung: "Ich bin mir sicher, dass es nicht beim Abbau der 34 Stellen im Finanzbereich bleiben, sondern noch andere Bereiche treffen wird." Bei einer Betriebsräte-Konferenz im vergangenen Jahr habe ein hochrangiger Manager angekündigt, dass Faurecia mittelfristig rund 30 Prozent seiner deutschlandweit 7250 Jobs abbauen wolle.
Für eine Stellungnahme zur jüngsten Entwicklung war Umutlu gestern Abend nicht erreichbar. Am kommenden Dienstag soll es im niedersächsischen Wirtschaftsministerium ein seit Längerem geplantes Gespräch zur Neubaufrage geben.

Faurecia beschäftigt in Stadthagen derzeit noch 1160 Mitarbeiter, etwa einhundert davon sitzen allerdings in Außenbüros in München, Böblingen und Wolfsburg. Das Unternehmen ist aus der vor 100 Jahren nach Stadthagen gezogenen Firma Rentrop hervorgegangen. mf

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