Projekt für junge Flüchtlinge

Kalender, Praxis und Sprache

Jörg Welz von der SBH (rechts) zeigt den jungen Geflüchteten, wie die Säge funktioniert.

Jörg Welz von der SBH (rechts) zeigt den jungen Geflüchteten, wie die Säge funktioniert.

Stadthagen. In Deutschland möchte er nun Zahntechniker werden – das setzt eine anspruchsvolle Ausbildung voraus. Auf dem Weg dahin wird er derzeit unterstützt: Die Stiftung Bildung und Handwerk (SBH) in Stadthagen setzt das Projekt Perspektiven für junge Flüchtlinge (PerjuF) um. Auftraggeber ist die Agentur für Arbeit.

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„In erster Linie betreuen wir die jungen Menschen und zeigen ihnen, wie die Arbeitswelt in Deutschland funktioniert“, sagt Marion Schulte-Wrobel, Leiterin des SBH-Standorts in der Kreisstadt. Wichtig sei es, dass die Geflüchteten die typisch deutschen Tugenden kennenlernen. Dazu gehöre es, Termine und Uhrzeiten einzuhalten. Dinge, die für die deutsche Gesellschaft meist selbstverständlich sind, müsse erst erlernt werden. Ein erster Schritt in diese Richtung sei ein eigener Kalender, den die Teilnehmer geschenkt bekämen. Genauso wichtig findet Schulte-Wrobel jedoch, dass sie am Leben teilnehmen können. Da lerne jeder am meisten. Gut sei auch, dass die Teilnehmer auf Gleichgesinnte treffen, das schweiße häufig zusammen.

Kaum Chancen ohne Hilfe

Jutta-Brigitte Fischer von der Agentur für Arbeit hat sich federführend dafür eingesetzt, dass das Projekt Perspektiven für junge Flüchtlinge in Stadthagen seit dem 1. Februar umgesetzt wird. Sie hält die Mischung aus Praxis und das Kennenlernen des Ausbildungssystems für sinnvoll. Ohne eine konkrete Vorbereitung oder Hilfe könne der Sprung in den Arbeitsmarkt nur von wenigen geschafft werden.

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Bei der SBH kümmert sich auch Theresa Peeck um die geflüchteten Menschen. Die pädagogische Mitarbeiterin hat ein offenes Ohr für sie, unterstützt sie bei den formalen Vorgängen und übt die deutsche Sprache mit ihnen. „Sprechen, sprechen und noch mal sprechen – und zwar nicht in der Muttersprache, sondern deutsch.“ Das sei entscheidend für den erfolgreichen Weg zur Ausbildung, ist sich Fischer sicher. Das meint auch Schulte-Wrobel: „In der Regel brauchen die Menschen drei Jahre Förderung und Deutschunterricht, bis sie in der Lage sind, eine Ausbildung zu beginnen.“

"Es kann alles gefragt werden"

Die jetzigen Teilnehmer, die aus Syrien, der Elfenbeinküste, Guinea und Simbabwe stammen, machen bislang gute Fortschritte, findet auch Jörg Welz. Er ist bei dem Stadthäger Bildungsträger für die den praktischen Bereich zuständig. Es geht um Farben, Holz, Raumgestaltung, aber auch Gesundheitsorientierung werde thematisiert. Er sehe seine Aufgaben nicht als Beschäftigungsmaßnahme. Vielmehr wolle er systematische Arbeitsabläufe vermitteln, die später in der richtigen Ausbildung gefragt sind. Auch das Lernen von bestimmten Fachbegriffen hält Welz für wichtig. „Wir helfen hier im Grunde bei allen Problemen im Alltag. Es kann alles gefragt werden. Wir arbeiten hier sehr alltagsorientiert“, meint Welz. Das Projekt mache durchaus Arbeit, schließlich muss jeder Vorgang dokumentiert werden, so Schulte-Wrobel. Es gebe regelmäßig strenge Kontrollen. Stadthagen ist bisher der einzige Standort im Landkreis, der PerjuF umsetzt. Das Projekt sei durchaus kostenintensiv, so Fischer – ohne auf konkrete Zahlen eingehen zu wollen.

Burhan und seine Mitstreiter Mamadou Billo, Yacoub und Yvonne sind froh, an dem Projekt teilnehmen zu dürfen und sehen es als Chance. "Uns wird viel geholfen und wir haben Spaß dabei", sagt der 24-Jährige. In erster Linie ist er aber guter Dinge, dass er sich auf einem schnellen Weg Richtung Ausbildung befindet. jemi

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