Urlaub fast vor der Haustür

Kleingärten sind wieder im Trend

Auch Dawid Klodnicki (links) und seine Frau Sandra (rechts) mit Sohn Leon genießen häufig mit Freunden die frische Luft im Kleingarten an der Enzer Straße.

Auch Dawid Klodnicki (links) und seine Frau Sandra (rechts) mit Sohn Leon genießen häufig mit Freunden die frische Luft im Kleingarten an der Enzer Straße.

STADTHAGEN. Jeden Tag schnappt sich Bayer ihre beiden Kinder Marcel (6) und Viktoria (8 Monate) und läuft mit ihnen zur Enzer Straße. Dort wartet ihr kleiner Garten auf sie.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Vor einem Jahr haben wir uns entschieden, uns hier einen Garten anzuschaffen“, sagt sie. Beim Kleingartenverein Bisdorfer Weide wurde ein Platz frei und den haben sie bekommen. Bereut habe sie die Entscheidung nicht, obwohl der Garten viel Arbeit mache.

Bayer und ihr Mann sind Anfang 30 und nicht die einzigen jüngeren Pächter in der Stadthäger Kleingartenkolonie. „Es kommt zum Glück wieder Nachwuchs“, berichtet Heinz Kenserski. Der langjährige Vorsitzende des Vereins freut sich über den Trend. Die meisten Menschen, die sich für einen Garten entscheiden, wohnen in einem Mehrfamilienhaus ohne Balkon. Doch auch sie haben das Bedürfnis, ins Grüne zu wollen.

Frische Luft tanken und Gemüse ernten

Auch wenn der Landesverband Niedersächsischer Gartenfreunde keine exakten Zahlen zur Verjüngung in den Kleingärten ermittelt hat, hat Vorstandsmitglied Burkhard Balkenhol einen subjektiven Eindruck gewonnen: „Ich denke schon, dass auch junge Leute das Gärtnern wieder für sich entdecken.“

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vor einigen Jahren sei dieser Trend noch nicht vorhersehbar gewesen. Junge Familien wären zwar die Hauptinteressenten für Parzellen in Kleingärten, aber auch Paare zwischen 30 und 40 Jahren hätten Lust Gemüse anzupflanzen.

Kristina Bayer verbringt im Kleingarten Zeit mit ihren Kindern Marcel und Viktoria.

Kristina Bayer verbringt im Kleingarten Zeit mit ihren Kindern Marcel und Viktoria.

Neben der Arbeit sei aber auch der Erholungsfaktor in einem eigenen Garten ein wichtiger Faktor. „Man arbeitet ja nicht von morgens bis abends in dem Garten“, so Balkenhol. In Großstädten sei der Trend sicher noch besser erkennbar, aber auch in kleineren Kommunen sähen jungen Menschen Kleingärten als ruhigen Zufluchtsort.

Frische Luft für die ganze Familie

Ganz nach dem Motto „Erst die Arbeit, dann das Vergnügen“ handelt Familie Bayer. Tagsüber werde gearbeitet, abends ausgeruht und genossen. Da sie derzeit in Elternzeit sei, habe sie die Kapazität, sich im Garten um die Erdbeeren, Tomaten, Gurken, Salat, Kohlrabi und die restlichen Gemüse- und Obstsorten zu kümmern.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

„Da ich bei dem schönen Wetter viel gießen muss, sind wir im Moment jeden Tag hier.“ Für die Kinder sei das eine willkommene Abwechslung. Immer nur in der Wohnung zu spielen, erfülle aus ihrer Sicht kein Kind.

Im Garten könne sich vor allem ihr Sohn frei bewegen, tanke frische Luft und lerne viel über den Anbau von Pflanzen. Das sei ihr auch wichtig. Am Wochenende nutze die Familie den Garten, um die Seele baumeln zu lassen. Häufig kommen noch die Großeltern der Kinder hinzu und grillen gemeinsam mit der Familie. Auch die Ferien wollen sie auf dem Grundstück und einige Nächte in dem Häuschen verbringen – ein echtes Abenteuer für die Kinder.

Keine Zeit für Langeweile 

Die jüngsten Mitglieder in der Kleingartenkolonie Bisdorfer Weide sind Dawid (26) und Sandra Klodnicki (25). Die Eltern eines drei Monate alten Sohns nutzen den Garten ebenfalls, weil sie an der frischen Luft sein möchten. „Zum Glück haben wir noch viel Kraft, um die Arbeit zu stemmen, die so ein Garten macht“, sagt der 26-Jährige.

Ein Mal in der Woche mähe er den Rasen, kümmere sich um das Gemüse und Obst, streiche das Holzhaus und halte die Parzelle sauber. Für die Kinder – auch von Freunden und Familie – gebe es Trampoline und viel Spielzeug. Langweile käme keine auf.

Auch Ärger mit älteren Kleingarten-Nachbarn, die – zumindest klischeehaft – die Länge des Rasens und der Hecken nachmessen, habe es noch nicht gegeben, berichtet Kenserski. Natürlich müsse sich jeder an das Bundeskleingartengesetz halten.

Weiterlesen nach der Anzeige
Weiterlesen nach der Anzeige

Vielfalt ist angesagt

Aber er sehe das meiste nicht zu eng. Strikt verboten seien jedoch Monokulturen. Vielfalt sei die Devise. Konkurrenz hat die Bisdorfer Weide in Stadthagen nicht. „Wir sind der einzige Kleingartenverein hier.“ Den nächsten gebe es in Bückeburg.

Derzeit seien zwar alle Gärten belegt, die Warteliste sei jedoch nicht lang und Fluktuation gebe es immer im Lauf eines Jahres. Neue Mitglieder würden über die Regeln informiert und beraten. „Aber man kann den Menschen nur vor den Kopf gucken“, so Kenserski. Meistens klappe das Zusammenleben aber gut und die Menschen genießen es, in ihrer kleinen Oase zu sein.

Bei der jüngsten Jahresversammlung hatte Heinz-Werner Böger die Nase bei der Wahl zum Vorsitzenden vorn. Er löst damit den bisherigen Vorsitzenden Heinz Kenserski ab, der das Amt 2013 übernommen hatte. Dem Verein bleibt er aber treu. jemi

Mehr aus Stadthagen

 
 
 
 
 
Anzeige
Anzeige
Empfohlener redaktioneller Inhalt

An dieser Stelle finden Sie einen externen Inhalt von Outbrain UK Ltd, der den Artikel ergänzt. Sie können ihn sich mit einem Klick anzeigen lassen.

 

Ich bin damit einverstanden, dass mir externe Inhalte angezeigt werden. Damit können personenbezogene Daten an Drittplattformen übermittelt werden. Mehr dazu in unseren Datenschutzhinweisen.

Letzte Meldungen