Wunstorf / Frauen am Fliegerhorst

Transall wird weiblich

Co-Pilotin Birgit Haase (30) fliegt die Transall.

Co-Pilotin Birgit Haase (30) fliegt die Transall.

Von Verena Insinger

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Wunstorf. Ihre langen Haare hat die 30-Jährige zu einem Pferdeschwanz zusammengebunden. Der grüne Kombi gleicht denen von Rennfahrern. Der Vergleich ist nicht abwegig: Birgit Haase steuert zwar keinen Rennwagen, dafür aber die Transall. Sie ist eine von wenigen Co-Piloten bei der Bundeswehr.

Birgit Haase liebt es, zu fliegen. Sie hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht. Erst bei der zivilen Luftfahrt, dann bei der Bundeswehr. „Die Airline, für die ich geflogen bin, hat dichtgemacht. Da musste ich mich umsehen“, erinnert sich die gebürtige Paderbornerin. Gelandet ist sie vor vier Jahren bei der Bundeswehr.

Mit 26 Jahren noch einmal bei null anfangen. Hartes Brot. Denn auch als Flugzeugführerin musste sie die Grundausbildung absolvieren. Als Quereinsteiger in die Bundeswehr ist sie in diesem Alter eine Seltenheit.
Drei Monate lang früh aufstehen, die Stube mit Kameradinnen teilen, militärischen Gehorsam lernen: Das sei als Erwachsene nicht leicht.

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Häufig habe sie in dieser Zeit gezweifelt: Wofür das alles? „Nachts auf Patrouille, bei Minustemperaturen, todmüde – da will man schon mal hinschmeißen“, erinnert sich die sympathische Soldatin. Doch sie hat nur ein Ziel vor Augen: Endlich wieder fliegen.

Nach der Grundausbildung folgt die Offiziersschule, Lehrgänge und dann endlich hält sie ihre Musterberechtigung in den Händen. Seitdem ist Birgit Haase unzählige Male mit der Transall C 160 von Wunstorf gestartet und dort auch wieder gelandet. Bislang ist sie an der Seite des Piloten – des Kommandanten – in die USA, nach Afrika und innerhalb Europas geflogen. Einer hin, der andere zurück. Um Kommandant zu werden, und die Verantwortung an Bord zu tragen, müsste Haase einen weiteren Lehrgang absolvieren. So lange bleibt sie Co-Pilotin. Eine Kameradin von ihr ist bald Kommandant. Dann könnte eine Transall nur mit Soldatinnen starten.

Bald geht es für Birgit Haase in den Kongo. Dort zieht das belgische Militär-Camp um. Mit der Transall werden 250 Tonnen von A nach B geflogen. Alle Transall-Einsätze werden vom europäischen Lufttransportkommando in Eindhoven koordiniert.
In Krisengebieten war der Leutnant noch nicht. Aber bald hat sie genug Erfahrung und die nötigen Lehrgänge absolviert. Angst habe sie keine.

Sie fühlt sich wohl im Fliegerhorst, in ihrer Fliegenden Staffel. Wenn sie nicht im Cockpit der Transall sitzt, plant sie Einsätze und aktualisiert den Kartenraum. 2012 war die Co-Pilotin nur 90 Stunden in der Luft – ganz zu ihrem Bedauern. Die Maschinen seien derzeit im Einsatz.
Die C 160 ist der 30-Jährigen ans Herz gewachsen. Im Cockpit sei alles sehr mechanisch. Aufregung vor dem Start kennt die 30-Jährige nicht. Für sie sei Fliegen genauso selbstverständlich wie Autofahren. "Immerhin fliege ich länger, als dass ich einen Führerschein besitze." Mit 16 Jahren hat sie an einer zivilen Flugschule angefangen, als 21-Jährige besaß der Leutnant den Flugzeugführerschein.

Und auch in der Freizeit bekommt die Neu-Wunstorferin vom Fliegen nicht genug. Dann mietet sie sich mit ihrem Lebensgefährten ein Sportflugzeug und fliegt mit ihm auf eine Insel. Ihr Partner arbeitet übrigens auch am Fliegerhorst, als Techniker. Kennengelernt haben sie sich – na klar – auf einem Flug mit der Transall.

Die erste ihrer Art

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Ohne ihr Okay hebt die Transall nicht ab. Sarah Eichstetter ist die erste und bislang einzige weibliche Bordtechnikerin bei der Bundeswehr, stationiert am Fliegerhorst in Wunstorf. Auf den Schultern der 27-Jährigen lastet viel Verantwortung – vor, während und nach dem Flug.
Der Oberfeldwebel checkt vor dem Flug von außen, ob alle Wartungsklappen geschlossen sind und zum Beispiel, ob die Maschine undicht ist. Dann fährt Sarah Eichstetter die Systeme hoch. Sie ist neben dem Piloten und dem Co-Piloten die dritte Person im Cockpit. In der Hand die Checkliste fliegen ihre Augen während des Fluges über die Kontrolllampen und Anzeigen der Mittelkonsole. Hunderte Grenzwerte beherrscht der Oberfeldwebel aus dem Effeff.
Mit 17 Jahren ist Sarah Eichstetter zur Bundeswehr gekommen. "Ich wollte Kfz-Mechaniker werden. Die Betriebe haben mich jedoch abgelehnt. Die Begründung waren meistens fehlende Sanitäranlagen für Frauen", sagt die 27-Jährige und schüttelt immer noch ungläubig mit dem Kopf. Nach einem Gespräch mit dem Wehrdienstberater stand für die gebürtige Nürnbergerin fest, dass sie ihr technisches Interesse bei der Bundeswehr zum Beruf machen will.
Seit 2001 erst sind alle beruflichen Sparten bei der Bundeswehr auch für Frauen zugänglich. Bei den Bordtechnikern ist Eichstetter die Vorreiterin und mittlerweile sogar Meister. Als Frau bei der Bundeswehr und im Speziellen noch im männerdominierten technischen Bereich fühlt sich die 27-Jährige sehr wohl. Bei ihrer Entscheidung für die Bundeswehr sei sie im Freundeskreis aber auch auf Unverständnis gestoßen. Doch die junge Frau hat sich nicht beirren lassen.
Und auch heute – zehn Jahre später – ist ihr Ziel klar: "Ich möchte Berufssoldatin werden." 2015 sind ihre 15 Jahre Dienstzeit um. Wie es für sie als Bordtechnik-Meister weitergeht, ist offen. Mit der Einführung des Airbus A 400  M verändern sich Aufgabengebiete. Bei dem neuen Flugzeug gibt es den Bordtechniker und den Ladungsmeister wie bei der Transall nicht mehr. Beide Bereiche werden beim Airbus vom sogenannten technischen Ladungsmeister (technical loadmaster) übernommen. Eichstetter: "Ich hoffe natürlich, dass ich für den Dienst auf dem Airbus umgeschult werde und weiter fliegen kann."

Transall in Zahlen

- Transportflugzeug
- Erstflug 25. Februar 1963
- Zur Besatzung gehören ein Pilot (Kommandant), ein Co-Pilot, ein Bordtechniker und bei längeren Flügen ein Ladungsmeister
- 32 Tonnen Leergewicht, max. 13 Tonnen Ladung
- Abmessungen: 32,4 Meter lang, 40 Meter Spannweite, 11,7 Meter hoch
- 255 Knoten Reisegeschwindigkeit (480 Stundenkilometer)
-  Laderaum: 13,5 Meter lang (ohne Rampe), 3 Meter hoch, 3 Meter breit – 5 Paletten oder 89 Passagiere oder zwei Jeeps oder ein Unimog
- Dienstgipfelhöhe: 8000 Meter
- Typische Reichweite: 3000 Kilometer
- Fünf C 160 in Wunstorf sind der Nato unterstellt, eine Transall befindet sich in ständiger Bereitschaft zur medizinischen Evakuierung
- ab 2014 wird der neue Airbus A 400 M die Transall  ablösen

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