Landkreis / Führerschein mit 17

Viel Erfahrung und „kein Bock“ auf Raserei

Vanessa Lehmkuhl mit Fahrlehrer Michael Remus.

Vanessa Lehmkuhl mit Fahrlehrer Michael Remus.

Landkreis (aw). Sydney Meyer hat vor etwa einem dreiviertel Jahr seinen Führerschein gemacht. Seitdem ist der 17-Jährige tagtäglich mit Marina Lehmkuhl als Begleiterin auf Achse. "Man ist halt früher in der Verantwortung", sagt er und stellt selbstkritisch fest, "man sieht, wo man noch Defizite hat". Auf den sonst so verbreiteten, jugendlichen Leichtsinn, den Hang zu Raserei und riskanten Fahrmanövern, hat er "keinen Bock". "Das schraubt man dann einfach nach unten", so Meyer. Gut die Hälfte des Jahrgangs in seiner Schule machten inzwischen mit 17 Jahren den Führerschein.

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Fahrlehrer Michael Remus teilt die Begeisterung seines ehemaligen Schülers, auch wenn er nach eigener Aussage dem Projekt „Begleitetes Fahren ab 17“ anfangs skeptisch gegenüberstand. Mittlerweile machen 60 bis 70 Prozent seiner Schüler den Führerschein mit 17.

Vanessa Lehmkuhl hat gerade die Prüfung erfolgreich hinter sich gebracht. In wenigen Tagen feiert sie ihren 17. Geburtstag. Auf die gemeinsamen Fahrstunden mit ihrer Mutter freut sie sich schon. „Ich möchte gerne schon mal ein paar Erfahrungen sammeln.“ Für Marina Lehmkuhl war das begleitete Fahren „nie eine Frage, wenn die Kinder das wollen“. Die jungen Fahranfänger machten nur die „normalen Fehler, die man ohnehin macht“.

Johanna Gude steht die Fahrprüfung noch bevor. „Meine Schwester hat es auch so gemacht.“ Sie habe sich für den Führerschein mit 17 entschieden, um dem Stress mit der Schule und dem Abitur zuvorzukommen. Außerdem steht auch bei ihr das Bedürfnis nach Erfahrung im Vordergrund. „Ich hätte Angst, wenn ich da stehe und wüsste nicht, was ich tun sollte.“

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Untermauert werden die positiven Einschätzungen von einer Studie der Justus-Liebig-Universität Gießen. Demnach lag die Zahl der Verkehrsverstöße bei den Fahranfängern mit 17 gegenüber den „regulären“ Führerscheinneulingen um 22,7 Prozent niedriger, die Zahl der Unfälle sogar um 28,5 Prozent. Noch deutlicher wird der Trend mit zunehmender Fahrpraxis. Die Zahl der Verkehrsverstöße ging bei Fahranfängern mit mehr als sechs Monaten Fahrpraxis im Schnitt um 23,1 Prozent zurück, bei Unfällen waren es sogar 57 Prozent weniger. Selbst bei den Kfz-Versicherern herrscht vorsichtiger Optimismus. Alois Schnitzer etwa, Pressesprecher der „Huk Coburg“, spricht von einer „positiven Wirkung“, die auch in der Prämie berücksichtigt werde. Andere Versicherer äußerten sich ähnlich. Laut Katrin Rüter des Escobar vom Gesamtverband der deutschen Versicherungswirtschaft (GDV) sind die Auswirkungen aber noch „schwierig in Zahlen auszudrücken“.

Auf die Zeit nach dem Begleiteten Fahren freut sich Meyer schon. Die Diskussion um ein eigenes Auto sei schon im vollen Gange.

- Um den Führerschein mit 17 zu machen, ist das Einverständnis der Erziehungsberechtigten nötig.

- Bislang muss ein Antrag auf Teilnahme an dem Modellversuch gestellt werden. Ab 1. Januar 2011 soll der Führerschein mit 17 auch generell möglich sein.

- Die Begleitpersonen müssen mindestens 30 Jahre alt sein und ihren Führerschein (Klasse B) schon fünf Jahre haben. Außerdem dürfen sie nicht mehr als drei Punkte im Verkehrszentralregister haben.

- Weitere Informationen gibt es unter www.begleitetes-fahren.de

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