Honigbiene - eines der wichtigsten Nutztiere in Deutschland

Von der Larve bis zur Königin

Jürgen Bülows Honigbienen arbeiten in seinem Garten in Wendthagen bereits fleißig an der kommenden Honigernte.

Jürgen Bülows Honigbienen arbeiten in seinem Garten in Wendthagen bereits fleißig an der kommenden Honigernte.

Willst Du Gottes Wunder seh’n, musst Du zu den Bienen geh’n“. Dieser Spruch gilt in der Welt von heute mehr denn je: Die Honigbiene ist eines der wichtigsten Nutztiere in Deutschland. Sie bestäubt 80 Prozent der Nutz- und Wildpflanzen – ohne sie gäbe es weder Honig, noch Obst und Gemüse. Für ihren Erhalt setzen sich zunehmend mehr Imker ein, die mit ihrer Zucht regelmäßig für neue Generationen von Bienen sorgen.

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Der Bienennachwuchs wird von den Königinnen in die Welt gesetzt, in jedem Bienenstock gibt es jeweils eine von ihnen. Um ihren Larven eine optimale Entwicklung zu ermöglichen, führen Imker so früh wie möglich die „Umlarvung“ durch. Die SN durften dem Wendthäger Imker Jürgen Bülow dabei über die Schulter schauen.

„Wir nennen es auch Königinnenzucht“, sagt Bülow, der außerdem Vorsitzender des Imkervereins Stadthagens ist. Mit einer Umlarvgabel nimmt Bülow die stecknadelkopfgroße Made vorsichtig aus der sechseckigen Wabenzelle heraus. „Für die Königinnenzucht lagern wir die Larven in Kunststoffzellen um“, erklärt Bülow. Diese Zellen werden vorher mit Wachs auf einen Pfropfen gelötet. Anschließend werden sie an einem eigens dafür hergestellten Zuchtrahmen befestigt und wieder in den Bienenstock befördert. Bis zu 18 Zellen passen auf einen Zuchtrahmen.

Innerhalb von neuen Tagen entwickelt sich die Made von einem Ei zu einer verdeckelten Zelle. Die weitere Entwicklung erfolgt ab diesem Zeitpunkt in einem Verschulungskäfig. „Dort werden die Zellen von den anderen Bienen gewärmt, denn sie brauchen mindestens 36 Grad um sich zu entwickeln“, sagt der Wendthäger.

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Vom Ei bis zur geschlüpften Biene vergehen bei Arbeiterbienen 21 Tage – Königinnen schlüpfen bereits nach 16 Tagen. Männliche Drohnen benötigen 24 Tage. Doch wie wird aus der normalen Larve entweder eine Königin oder eine Arbeiterbiene? „Das liegt allein an der Fütterung mit dem speziellen Gelée Royale“, sagt der Hobby-Imker. Eine japanische Studie von 2011 belegte die These, dass allein das Futter über die Entwicklung entscheidet. Sind die Königinnen geschlüpft, werden sie mit einer Zahl markiert. Kenntlich gemacht wird dies mit einer kleinen Plakette.

Für die Befruchtung der Bienenköniginnen sind die Drohnen zuständig: Sie sind etwas größer als die Königinnen und begatten diese in der Luft. „Eine Königin wird in der Regel von 20 Drohnen begattet“, verrät Bülow. Sobald die Königin ihre Larve im Bienenstock platziert hat, geht die Zucht von vorne los. Denn Jürgen Bülow lebt nicht nur von den Königinnen, auch Drohnen und Arbeiterbienen müssen für den Fortbestand seiner fleißigen Honigsammler regelmäßig weiter gezüchtet werden.

Doch wie viel Arbeit stecken die Honigbienen eigentlich in die Produktion der begehrten Süßspeise?

  • Ein Bienenvolk produziert etwa 20 Kilogramm Honig.
  • Das Sammelgebiet eines Bienenvolkes erstreckt sich auf etwa 25 Quadratkilometer.
  • Für ein halbes Glas Honig fliegen Arbeitsbienen rund 40 000 Mal aus und besuchen dabei vier Millionen Blüten.
  • Eine Biene sammelt bis zu 60 Milligramm Nektar pro Sammelflug, dies entspricht etwa 75 Prozent ihres Körpergewichts.

Der Schwänzeltanz

Findet eine Honigbiene eine erträgliche Futterquelle, weißt sie ihren Bienenstock mit einem bestimmten Tanz darauf hin. Dieser wird von den Imkern als Schwänzeltanz bezeichnet. „In jedem Stock gibt es Suchbienen, die nach Trachtquellen ausschau halten“, sagt Bülow. Werden diese Bienen fündig, kehren sie mit einer Kostprobe zu ihrem Stock zurück. „Wenn es sich dabei zum Beispiel um ein Rapsfeld in der Umgebung handelt, zeigen die Bienen mit dem Schwänzeltanz an, in welcher Richtung sich die neu entdeckte Nahrungsquelle befindet“, fügt Bülow hinzu.

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Der Schwänzeltanz wird von den Bienen auf einer Wabe getanzt. Zuerst läuft die Biene ein kurzes Stück geradeaus, bevor auf einem Bogen zum Ausgangspunkt zurückkehrt. Je länger diese Mittellinie ist, die die Biene dabei zieht, desto weiter ist die Quelle entfernt. Nach jeder vollendeten Runde vollführt die Biene auf der geraden Linie eine Schwänzelbewegung mit ihrem Hinterleib. Diese Bewegung gibt die Intensität die Ergiebigkeit der Futterquelle an. Der Winkel der geraden Linie zur senkrechten Linie der Wabe entspricht dem Winkel zur Sonne, den die Bienen einhalten müssen, um zur Futterquelle zu kommen. Die Geschwindigkeit beim Schwänzeln gibt Auskunft über die Qualität: Läuft die Biene schnell, handelt es sich um eine gute Nahrungsquelle. Mit der Richtung, in der sie tanzt, informiert die Biene die anderen Bewohner des Stocks über die Lage der Futterquelle. Dabei orientiert sich die Biene nach der Sonne.

Ist die Futterquelle weniger als 100 Meter entfernt, tanzt die Biene den Rundtanz. Er gibt keine Auskunft über die genaue Entfernung und Richtung der Futterquelle: Der Tanz informiert lediglich darüber, dass e sich die Quelle in nächster Nähe des Bienenstockes befindet.  mak

Gefährdung durch Varroamilbe

Die Honigbiene ist heute mehr denn je auf die Unterstützung der Imker angewiesen: Grund ist die Varroamilbe, die im Verdacht steht, eine der möglichen Ursachen des seit einigen Jahren immer wieder auftretenden seuchenartigen Bienensterbens zu sein.

  • Die Varroamilbe ist etwa 1,6 Millimeter groß und beißt sich, ähnlich einem Blutegel, an der Honigbiene fest.
  • Die eigentliche Entwicklung und Vermehrung der Milbe findet jedoch nicht auf der erwachsenen Biene, sondern auf den Larven der verdeckelten Brut statt, bevorzugt auf der Drohnenbrut. Der Befall von Bienenvölkern durch die Milbenart wird als Varroose bezeichnet.
  • Milbenbefall schwächt die Bienen auf unterschiedliche Weise: Durch das Aussaugen der Hämolymphe, die bei einigen Tiergruppen als Blutersatz vorkommen, verlieren befallene Larven direkt an Gewicht, die ausgeschlüpften Bienen bleiben um etwa ein Zehntel kleiner als gesunde Tiere. Auch die Lebensspanne der Tiere ist aufgrund des Befalls deutlich kürzer, als bei gesunden Tieren.
  • Die Ansteckung anderer Bienen mit der Milbe sorgt schließlich für das Zusammenbrechen des Bienenvolks. Die Folgen sind fatal, denn es liegt in der Natur der Bienen, dass stärkere Völker schwächere ausrauben. Dabei wird oftmals auch das angreifende Volk mit der Milbe infiziert.
  • Um eine mögliche Ausrottung der Biene durch die Varroamilbe zu verhindern, rücken Imker den Parasiten mittlerweile mit unterschiedlichen Mitteln auf den Leib. Für die Zucht kommen so gennante Varroa-Fallen zum Einsatz: Dabei wird die Drohnenbrut regelmäßig vor dem Schlüpfen aus der Wabe herausgeschnitten. Zusätzlich wird die Milbe mit organischen Säuren wie Milch-, Oxal- oder Ameisensäure bekämpft.

Imkerei in Schaumburg

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Dem Kreisimkerverein Schaumburg gehören fünf Ortsvereine mit insgesamt 167 Mitgliedern und fast 1000 Honigbienenvölkern an, die über den gesamten Landkreis verteilt sind. Interessierte können sich bei Fragen über die Themen Bienen und Imkerei an die jeweiligen Vorsitzenden wenden:

  • Imkerverein Stadthagen, Jürgen Bülow, (0 57 21) 7 52 13.
  • Imkerverein Rinteln, Klaus Koschnick, (0 57 55) 3 01.
  • Imkerverein Obernkirchen und Umgebung, Gundula Piehl, (0 57 24) 39 22 38.
  • Imkerverein Lindhorst, Karl Dieter Pörtge, (0 57 25) 91 30 24.
  • Imkerverein Nord-Schaumburg, Dieter Trieschmann, (0 57 23) 98 11 15.

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