Thema des Tages

Von Hasen und Eiern

In Deutschland gehören sie zusammen: Osterhase und Osterei bilden als Lieferant und Produkt ein Paar, das wie kein anderes für das Brauchtum zu Ostern steht. Dass der Hase bemalte Eier im Garten versteckt, die dann von Kindern am Ostermorgen im Moos gefunden werden, wird zum ersten Mal 1682 vom Mediziner Georg Franck von Franckenau in der Abhandlung "De ovis paschalibus – von Oster-Eyern" erwähnt. Er beschreibt das Phänomen, dass der Osterhase in bestimmten deutschen Regionen Eier versteckt – und nennt es "eine Fabel, die man Simpeln und Kindern aufbindet".
Das Osterei selbst aber ist ein internationales Symbol mit langer Tradition. Schon der Kirchenvater Augustinus, geboren 354, deutet das Ei theologisch. Und in der gesamten europäischen Kunstgeschichte steht das Ei sinnbildlich für die Auferstehung: Christus hat das Grab und damit den Tod durchbrochen wie ein Küken die Schale seines Eis.
Meist rot gefärbte Eier als Ostergeschenke kennt man in Deutschland schon im 13. Jahrhundert. Um das einst heidnische Fruchtbarkeitssymbol entwickelte sich ein vielseitiges Kunsthandwerk, vor allem in Osteuropa. Ein Beispiel: Die in St. Petersburg geborene Malerin Wassa Rozina-Bergmann bemalt Holzeier nach Motiven der klassischen Malerei. Nicht nur Holz- oder gekochte Hühnereier werden zu Ostereiern: Weltbekannt und teuer bezahlt sind die gold- und diamantenverzierten Fabergé-Eier. Die russische Juweliersfamilie gestaltete Anfang des 20. Jahrhunderts das Osterbrauchtum kunstvoll als Geschenke für Zaren und Könige. Sammler zahlen Millionenbeträge für diese Ostereier.
Aber es geht auch deutlich schlichter: Oft werden Eier einfach in Zwiebelschale gekocht oder in bunte Stoffreste gewickelt. Spinat macht Eier grün, Rote Bete färbt sie rot.
Und wie hat es der Hase zum Ostersymbol gebracht? Der Ursprung des Brauchtums vom langohrigen Eierlieferanten ist noch nicht endgültig geklärt. Volkskundler vermuten, dass der fortpflanzungsfreudige Hase als Symbol des Lebens die zur Osterzeit erwachende Natur versinnbildlichen soll. In Australien ist der Hase übrigens verpönt. Auf dem unter einer Kaninchenplage leidenden Kontinent bringt stattdessen das Osterbilby, ein Beuteltier mit großen Ohren, die Eier. kcg, epd, dpa

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Kleines Oster-Glossar

  • Osterfest: Ostern ist das höchste Fest im Christentum. Nach christlichem Glauben überwand der am Karfreitag gekreuzigte Jesus am Ostersonntag den Tod. Die Auferstehung Jesu begründet den christlichen Glauben an ein Leben nach dem Tod.
  • Osterlamm: Das Lamm ist das Sinnbild für den Opfertod Jesu. Es entstand aus dem jüdischen Ritual, zum Pessachfest ein Lamm zu schlachten. Das Osterfest wurzelt in der jüdischen Pessachfeier, das immer auf den Sonntag nach dem ersten Frühlingsvollmond fällt.
  • Osterfeuer: Das Feuer symbolisiert die Freude über die Auferstehung Jesu, das "Licht der Welt". Schon in heidnischer Zeit wurde den Flammen eine erneuernde Kraft zugeschrieben. Das Feuer sollte den Winter vertreiben. Heute rufen die Flammen Umweltschützer auf den Plan. Behörden verweisen auf die extreme Feinstaubbelastung.  dpa

Heringe und Glocken zum Fest

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Christen auf der ganzen Welt feiern an Ostern die Auferstehung Jesu – mit ganz unterschiedlichen Bräuchen:
Die Iren markieren das Ende der Fastenzeit mit einer symbolischen Heringsbeerdigung. Der Fisch ist das Hauptnahrungsmittel während des 40-tägigen Fastens. In Frankreich läuten in den Tagen vor Ostern die Kirchenglocken nicht. Das Geläut "fliegt" angeblich nach Rom zum Papst, um gesegnet und mit Ostereiern gefüllt zurückzukehren. Traditionell stellen die Pariser Chocolatiers in Handarbeit große Osterglocken und andere oft teure Schokoladenfiguren her. In vielen italienischen Dörfern gibt es Inszenierungen des Leidensweges Christi und Oster-Prozessionen. Back-Spezialitäten sind süßes Gebäck in Form einer Taube und herzhafte, mit Gemüse und Ei gefüllte Kuchen. Bei Prozessionen frommer Bruderschaften in Spanien werden riesige Jesus- und Heiligenfiguren durch die Straßen getragen. Vielerorts sind die Teilnehmer mit spitzen Kapuzen vermummt. Das "Begießen" von Frauen und Mädchen am Ostermontag in Ungarn geht auf einen vorchristlichen Fruchtbarkeitsbrauch zurück. Männer besuchen verwandte oder befreundete Frauen und besprengen sie mit Parfüm. Dafür werden sie mit Ostereiern, Kuchen und Alkohol bewirtet. In Schweden verkleiden sich Kinder mit langen Röcken, Schürzen und Kopftüchern als Osterweiber und ziehen von Haus zu Haus, um Süßigkeiten zu sammeln. Als Gegenleistung verteilen sie Osterkarten.
Auch in Niedersachen gibt es ganz eigene Traditionen. Im Harz zählt das "Schwarzmachen" dazu. Beim Osterfeuer färben Männer ihr Gesicht mit Ruß, um böse Geister zu vertreiben. Am Ostersonntag dreht sich in Friesland alles um die bunten Eier: Beim "Hicken-Bicken" schlägt man die Ostereier gegeneinander. Das Ziel beim "Eiertrüllen und -smieten" ist es, die Eier möglichst weit zu rollen beziehungsweise zu werfen, ohne dass sie zerplatzen.  dpa. kcg

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