Brad Pitt spielt für Netflix

Star Brad Pitt im Film „War Machine“.

Star Brad Pitt im Film „War Machine“.

Los Angeles. Komödien über Tyrannei und Kriege sind immer heikel. Andererseits: Der verantwortliche Sender heißt Netflix. Und der zählt zur Gattung der Streamingdienste, kann sich also freier machen von Konventionen jeder Art. Wenn dort ab Freitag die Kriegskomödie „War Machine“ mit Brad Pitt in der Hauptrolle läuft, werden die Regeln des linearen Programms also aufs Neue fröhlich gebrochen. Nach allem, was vorab zu sehen war, ist es ein erfrischend provokantes Lustspiel über den fiktiven Nato-Oberbefehlshaber Glenn McMahon geworden. Vorbild für diese überdrehte, aber nie absurde Figur ist der real existierende Stanley Allen McChrystal, dessen dubiose Rolle im Afghanistan-Krieg 2010 vom – drei Jahre später bei einem Verkehrsunfall gestorbenen – Enthüllungsreporter Michael Hastings publik gemacht wurde.

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Brad Pitt als Darsteller zu gewinnen ist der Einstieg in die Königsklasse. Das passt zum beinahe allseitigen Respekt, den Netflix gerade für die Wettbewerbsfilme „Okja“ und „The Meyerowitz Stories“ beim Filmfestival in Cannes erntet. „War Machine“ ist eher gute Unterhaltung als gediegenes Arthaus, aber immerhin stand von Tilda Swinton bis Ben Kingsley ein ganzer Stall Topverdiener vor der Kamera. Vor wenigen Jahren hatte Senderchef Reed Hastings die Offensive eigenproduzierter Filme noch mit dem Grimassenkönig Adam Sandler beworben. Während selbst gemachte Serien seit jeher Qualität und Quantität vereinbarten, blieben die Netflix-Filme entweder frei von Größe oder von Güte. Das ändert sich nun. Und sollte Netflix mal wieder Abrufdaten preisgeben, könnte sich zeigen: Allmählich ist Fernsehen nicht nur das neue Kino, sondern dessen Ende in der alten Form.

Von Jan Freitag/RND

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