Diskussion über Schulz verwirrt sogar den Moderator

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Armutsforscher Christoph Butterwegge sowie der Journalist Hajo Schumacher gehörten zu den Gästen bei „hart aber fair“.

NRW-Ministerpräsidentin Hannelore Kraft, Armutsforscher Christoph Butterwegge sowie der Journalist Hajo Schumacher gehörten zu den Gästen bei „hart aber fair“.

Berlin. Seit sie Martin Schulz zum Kanzlerkandidaten kürte, befindet sich die SPD im Aufwind. Die Sozialdemokraten stiegen in der Wählergunst und überholten zuletzt in Wahlumfragen die Union - zum ersten Mal seit zehn Jahren.

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Die Runde in der ARD-Talkshow „Hart aber fair“ erörterte am Montagabend die Frage, ob Schulz die Kanzlerin Angela Merkel (CDU) bei der Bundestagswahl im September ernsthaft gefährden kann oder ob es der Union gelingt, ihn zu entzaubern.

Gäste tappen im Dunkeln

Eine Entzauberungsstrategie wurde aber kaum dargelegt. Stattdessen beharkten sich Hannelore Kraft, SPD-Partei-Vize und Regierungschefin von Nordrhein-Westfalen, sowie Christian Lindner, FDP-Bundeschef und Fraktionsvorsitzender in NRW, immer wieder ordentlich - beide im Wahlkampfmodus, immerhin sind in drei Monaten Landtagswahlen.

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Weiterhin diskutierten unter dem eigentlichen Titel der Sendung „Der Alternative - wie gefährlich wird Schulz für Merkel?“ der EU-Parlamentarier Herbert Reul (CDU), der Armutsforscher und Linke-Bundespräsidentenkandidat Christoph Butterwegge sowie der Journalist Hajo Schumacher.

Das Problem der Sendung: Die Gäste tappten im Dunkeln, was Schulz' politische Agenda angeht. „Ich sehe noch keine Schulz-Position“, kritisierte Journalist Schumacher. Das Nichtssagen sei Schulz' Strategie. Denn: „Wer sich zu früh festlegt, macht sich unbeliebt.“

Die Gäste verloren sich immer wieder in kleinteiligen Diskussionen, die nicht einmal Moderator Frank Plasberg zu verstehen schien („Herr Reul, ich habe keine Ahnung, wovon sie sprechen“).

Erfrischung durch SPD-Neumitglied

Abhilfe sollte der Schulz-Check der "Hart aber fair"-Redaktion schaffen. Sie zeigte immer wieder kurze Einspieler, die Schulz' Politik verdeutlichen sollten. Mit dabei: Die Infragestellung der Agenda 2010 mit einer möglichen Verlängerung des Bezugszeitraums für Arbeitslosengeld I, die Erhöhung des Spitzensteuersatzes, Schulz' Standpunkte zur Flüchtlingspolitik.

SPD-Neumitglied Katharina Litz, einen Tag nach Schulz' Ernennung zum Kanzlerkandidaten im Januar in die Partei eingetreten, brachte den vielzitierten Schulz-Effekt auf den Punkt (und sorgte nebenbei für Erfrischung in der Diskussion): „Ich habe mich von dieser Euphorie und diesem Kampfgeist tragen lassen“, sagte die Studentin. „Martin Schulz ist ein Hoffnungsträger, der authentisch für Europa einsteht.“

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„Ich habe mir die Punkte Authentizität, Kampfgeist und Hoffnungsträger gemerkt“, kritisierte Journalist Schumacher. „Das ist nicht unbedingt ein politisches Programm.“

Attacken von Reul

Da es inhaltlich eher wenig zu diskutieren gab, verlegte sich die Runde darauf, Schulz allerhand Verfehlungen zu unterstellen. „Er hat das Amt des EU-Ratspräsidenten für seine Zwecke missbraucht“, ereiferte sich CDU-Mann Reul und bezog sich dabei auf ein kürzlich veröffentlichtes neunseitiges Anti-Schulz-Papier, das er verfassen ließ.

FDP-Chef Lindner kritisierte Schulz' Position zur Griechenland-Debatte („Schulz wollte gegen deutsche Interessen das Schuldenmachen erleichtern“) und Armutsforscher Butterwege fand, dass der SPD-Kanzlerkandidat Dinge verspreche, die er nicht halten könne.

Einig war sich die Runde nur in einem - immerhin wesentlichen - Punkt: Martin Schulz könne Angela Merkel gefährlich werden. Merkel habe in den vergangenen Jahren die deutsche Politik praktisch narkotisiert, sagte Lindner. Freilich müsse man abwarten, wie sich die Umfragewerte entwickeln, aber „die große Chance für uns ist“, erklärte Schulz' Parteifreundin Kraft, „dass die Leute ihm zuhören“.

Von dpa/RND/zys

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