Entführung im Tunnel – „Countdown Copenhagen“

Albtraum unter der Erde: Die Geiselnehmer führen ihre Opfer zu einer noch nicht eröffneten U-Bahn-Station.

Albtraum unter der Erde: Die Geiselnehmer führen ihre Opfer zu einer noch nicht eröffneten U-Bahn-Station.

Hannover. Acht Tage in der Hand von Geiselgangstern, acht Serienfolgen voller Hochspannung: Der actionreiche und vielschichtige Mehrteiler „Countdown Copenhagen“ ist für Serienfans ein Muss. Das deutsch-dänische Gemeinschaftsprojekt wird ab 6.10. (23.15 Uhr) täglich bei ZDFneo ausgestrahlt und dreht sich um einen Überfall in der Kopenhagener U-Bahn, bei dem drei Maskierte mehrere Passagiere als Geiseln nehmen und Lösegeld fordern – sonst müssen die 15 Männer und Frauen sterben.

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Der Zuschauer fiebert mit den Geiseln

Die schnörkellos und zupackend erzählte Serie, bei der jede einzelne Episode einem Tag der Handlung entspricht, ist gleich aus zwei Gründen äußerst spannend. Zum einen fiebert der Zuschauer natürlich mit den Geiseln, deren Lage immer bedrohlicher wird, und fragt sich, ob die Kidnapper draußen Komplizen haben. Zum anderen bedienen sich die Macher der auch optisch internationalem Niveau entsprechenden Serie eines Kniffs, der an das US-Erfolgsformat „Homeland“ erinnert.

Natürlich brechen nach der Geiselnahme in der Stadt Panik und emsige Geschäftigkeit aus: Allem Anschein nach sind die Täter islamistische Terroristen. Die U-Bahn wird evakuiert, der Verkehr in der dänischen Hauptstadt bricht zusammen, wichtige Politiker treffen sich zu Krisensitzungen, und der Kriegsveteran Philip Norgaard (Johannes Lassen) übernimmt die Leitung eines Sondereinsatzkommandos.

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Die unglückselige Verbindung von Entführern und Medien

In den Redaktionen der Medien geht zeitgleich die Jagd nach Informationen über die Geiselnahme los. Da scheint der ehrgeizigen TV-Journalistin Naja Toft (Paprika Steen) ein spektakulärer Coup zu gelingen: Der Anführer der Kidnapper, genannt Alpha (Jakob Oftebro), ruft sie an und schlägt ihr vor, per Skype Interviews mit den Gefangenen zu führen, die live im Fernsehen übertragen werden. Ohne moralische Bedenken sagt Naja zu – doch das Medienspektakel spaltet die schockierte Öffentlichkeit, Naja wird gefeuert. Sie führt auf eigene Faust weitere Interviews und vermittelt zwischen der Polizei und den schwerbewaffneten Geiselnehmern, die ihre Opfer in einer noch nicht eröffneten neuen U-Bahn-Station gefangen halten. Als eines der Interviews schiefläuft, wird das erste Mitglied der Gruppe erschossen, und bald fließt noch mehr Blut.

Eine Serie von trauriger Aktualität

Einsatzleiter Philip Norgaard hat alle Hände voll zu tun, doch als Zuschauer fragt man sich, auf welcher Seite er eigentlich steht: Ähnlich wie im US-Erfolgsformat „Homeland“ wurde der Kriegsveteran bei einem früheren Einsatz in Afghanistan von Terroristen gefangen gehalten und gefoltert – von keinem anderen als Alpha. Wieso wurde er wieder freigelassen? Zwischen den beiden Männern scheint es eine geheime Übereinkunft zu geben.

Angesichts der vielen Terroranschläge der Vergangenheit ist der Entführungsthriller von trauriger Aktualität. Er zeigt, wie das Grauen in das Leben ganz normaler Bürger eindringt, und beleuchtet auch die Rolle der Medien kritisch.

U-Bahn-Entführer gab’s im Kino schon früher

Wobei die Idee einer U-Bahn-Entführung nicht neu ist: Der amerikanische Regisseur Joseph Sargent inszenierte bereits 1974 den Thriller „Stoppt die Todesfahrt der U-Bahn 123“, in dem ein ehemaliger Söldner (gespielt von Robert Shaw) für die Freilassung seiner Geiseln eine Million Dollar forderte. Den Einsatzleiter spielte damals Walter Matthau. Ridley Scotts Bruder Tony Scott brachte 2009 mit „Die Entführung der U-Bahn Pelham 123“ ein Remake des Films ins Kino – mit Denzel Washington und John Travolta.

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Für ZDFneo ist „Countdown Copenhagen“ Teil einer aufwendigen Offensive, mit der sich der Sender am aktuellen Serienboom beteiligt. Schon am 10.10. geht es mit dem belgisch-deutschen Mehrteiler „Sylvia’s Cats“ weiter, etliche andere Projekte stehen in den Startlöchern.

Von Cornelia Wystrichowski

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