Experte ist sichtlich bewegt

Historiker im ZDF den Tränen nahe: „Die einzigen, die Putin stoppen können, sind die Ukrainer“

Historiker Karl Schlögel im ZDF-Interview.

Historiker Karl Schlögel im ZDF-Interview.

Die Bilder aus der Ukraine gehen vielen Menschen nahe, auch dem Osteuropaexperten und Historiker Karl Schlögel. Der scheint während eines Interviews im ZDF-„Spezial“ am Dienstagabend den Tränen nahe.

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„Kann überhaupt noch jemand Wladimir Putin stoppen?“, will Moderatorin Antje Pieper zu Beginn des Gesprächs von dem aus Berlin zugeschalteten 73-Jährigen wissen. Nach kurzem Zögern antwortet Schlögel mit belegter Stimme, geht aber nicht direkt auf die Frage ein: „Die Stimmung ist glaube ich bedrückt. Es gibt ein ganzes Register von Äußerungen. Es ist erstaunlicher Weise so, dass nicht nur in den Hauptstädten, in Petersburg und in Moskau, Leute auf die Straßen gegangen sind, sondern draußen im weiten Land, in sogenannten Provinzstädten.“ Die Breite der Wortmeldungen und Proteste sei erstaunlich.

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Auf der anderen Seite stehe die Unterdrückung der Presse und Meinungsfreiheit in Russland, wie Schlögel erläutert. Jeden Abend laufe eine „ungeheure, kriegshetzerische Propaganda“, es gebe eine „komplette Zensur. Es gibt ja keine Nachrichten über den Krieg, der ja auch gar nicht Krieg genannt werden darf“. Gleichzeitig gebe es aber Stimmen wie die von Dmitri Muratow, dem Herausgeber der investigativen Zeitung „Nowaja Gaseta“, der gesagt habe: „Wir schämen uns, wir schämen uns“. „Und ich glaube, das ist eine verbreitete Stimmung.“ Er ist sicher: „Die Wahrheit wird auch in Russland trotz Zensur durchsickern.“

„Bilder sickern trotz Zensur in Russland ein“

Sichtlich bewegt ist Schlögel auch, als er über die Zerstörung eines historischen Gebäudes auf einem zentralen Platz in der Stadt Charkiw spricht: „Ich war in Charkiw, ich war auf diesem Platz, ich habe dieses Gebäude gesehen.“ Es sei zwei Mal zerstört worden: „Einmal von der Wehrmacht und jetzt von den Truppen Putins. Niemand, der weiß, was der Krieg der Deutschen in der Sowjetunion war, wird die Bilder vergessen können, die jetzt aus der Ukraine nach Russland kommen und dort einsickern werden, ganz egal, was die Zensur und was ein Putin versucht zu kontrollieren.“

Und ganz zum Ende des Interviews beantwortet Schlögel dann auch noch die Eingangsfrage der ZDF-Moderatorin: „Die einzigen, die Putin im Augenblick stoppen können, sind die Ukrainer.“

RND/seb

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