Jan Böhmermanns Kinder-Ratten-Vergleich: gewollt falsch verstanden

Böhmermann hat der wachsenden Szene der Internet-Influencer die Stadt Bremen als Top-Destination und Gegenentwurf zu Dubai ans Herz gelegt.

Jan Böhmermann: Mit seiner jüngsten Sendung verärgerte er Politikerinnen und Politiker von Grünen, FDP und AfD.

Schülerin oder Schüler – das ist so ungefähr das Letzte, was ich jetzt sein wollen würde. Lesen und schreiben lernen mit Mundschutz und in Winterjacke, Schal und Mütze, weil mal wieder versucht wird, Corona mit Lüften zu bekämpfen. Weil nach zwei Jahren das Geld für Entlüfter noch immer nicht abgerufen ist. Man weiß ja, die Wartung …

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Kein „Darf ich mal abbeißen?“ vom Pausenbrot, weil man ja nie weiß, wer gerade infiziert ist und wer nicht. Kein Flaschendrehen in Freistunden, keine Partys am Abend, keine Klassenfahrten. Stattdessen die erste Liebe hinter Gesichtsschutz und auf Abstand kennenlernen.

Inzidenz unter Grund­schülern siebenmal höher als unter Ü90-Jährigen

Was ebenfalls zur Schulzeit in der Pandemie dazugehört: Teil eines gefährlichen Experiments zu sein, inklusive dem permanenten Risiko, sich zu infizieren. Denn die politisch vielleicht nicht gezielt gewollte, durch Nichthandeln aber herbeigeführte Durchseuchung, läuft. Man will die Schulen und Kitas mit aller Macht offen halten, oft auch gegen den Wunsch von Eltern und dem pädagogischen Fachpersonal. Eltern müssen ihre Kinder in Schule und Kita schicken, auch wenn sie selbst oder gar die Kinder zur Risikogruppe hören, sonst riskieren sie ein Bußgeld. Distanz­unterricht in Zeiten der Pandemie – vielerorts politisch untersagt.

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In mehreren Wochenberichten hat das Robert Koch-Institut auf die hohe Inzidenz unter Kindern verwiesen. Statista listet am 27. Januar 2022 eine Inzidenz von 918 für alle Altersgruppen in Deutschland, vor allem Minderjährige sorgen für diese Zahlen: In der Altersgruppe fünf bis neun liegt die Inzidenz bei 2365, bei den Zehn- bis 14-Jährigen bei 2155 und bei den 15- bis 19-Jährigen bei 1587. Aktuell ist die Inzidenz unter Grund­schülerinnen und Grundschülern siebenmal höher als die der Risikogruppe 90 plus. Mehrere Dutzend Kinder sind in Deutschland bereits an den Folgen ihrer Corona-Infektion gestorben.

Kinder als Pandemietreiber – das ist längst Realität.

Böhmermann: „Was Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder für Covid-19“

Und nun kommt da Jan Böhmermann und legt als Satiriker den Finger in die Wunde. In seiner Sendung „ZDF Magazine Royale“ am Freitagabend poltert er: „Um mich herum, um Sie herum lauern zur Zeit gefährliche kleinen Mikroorganismen, die einen krankmachen wollen: Kinder! Kinder sind zurzeit gemein­gefährlich. Was Ratten in der Zeit der Pest waren, sind Kinder zurzeit für Covid-19: Wirtstiere. Ständig infizieren sie sich mit irgendwelchen Viren. Und was machen die unverant­wortlichen kleinen Halbmenschen dagegen? Nix! Setzen sich jeden Tag, als steckten wir gerade nicht mittendrin in einer Pandemie, in eiskalte Klassenräume. Und geimpft, geboostert sind die wenigsten, die kleinen Querdenker. Kinder sind noch schlimmer als Aluhutträger in der sächsischen Fuß­gänger­zone, weil die handeln unverantwortlich und sehen dabei so niedlich aus.“

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Ja, mit viel bösem Willen kann man das als Kinderhass verstehen. Der FDP-Bundestags­abgeordnete und nach Profil­beschreibung „Familienmensch“ Daniel Föst findet die Sätze „abartig geschmackslos“, wie er auf Twitter schreibt. Der Grünen-Abgeordnete Dieter Janecek, der einst dafür warb, #allesdichtmachen als Satire und berechtigte Kritik zu werten, twittert, dass Böhmermann damit das haltlose Narrativ verbreite, „dass Kinder ‚Schuld‘ an der Pandemie“ seien und dass er „die massiven psycho-sozialen Folgen von Lockdowns“ ausblende.

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AfD bescheinigt Jan Böhmermann „widerwärtige Hetze“ gegen die Schwächsten der Gesellschaft

Auch das rechte Spektrum ist entsetzt. Der Impfgegner und Autor Marc Friedrich nannte die Aussagen „widerlich“. AfD-Europa­politiker Bernhard Zimniok holt aus, bescheinigt Böhmermann ständige „widerwärtige Hetze“. Er attackiere „die Schwächsten der Gesellschaft“. Das muss man sich einmal vorstellen: Der Vertreter einer Partei, die „Querdenkerinnen“ und „Querdenkern“ vertraut, die gegen alle wettert, die anders sind, ob nun homosexuell, nicht biodeutsch oder arbeitslos, die Angriffe auf Journalistinnen und Journalisten anstachelt, unterstellt Böhmermann Hetze.

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Die Welt“, deren Chefredakteur Ulf Poschardt einen Vergleich von Ratten und Kindern gehört haben will, und „Bild“ stürzten sich auf die Tweets und bescheinigten Böhmermann eine unangemessene Sprache, sein Ton sei fehl am Platz, heißt es etwa im „Welt“-Beitrag. Weitere Journalistinnen und Journalisten, meist Freelancer und „Freidenker“, wie in den Profilen steht, schlugen in die gleiche Kerbe.

Jan Böhmermann entlarvt das Versagen der Politik im Schutz von Kindern

Fast 500 Antworten erhielten alleine Janecek und Föst auf ihre Tweets – mit nur wenig Zuspruch. Denn während die genannten Politiker, Journalisten und Journalistinnen Böhmermann zum Sündenbock machen wollen, sehen andere das Offensichtliche: Böhmermann drischt nicht auf Kinder ein, sein Ziel sind die, die immer Ziel von Satire sind: Politikerinnen und Politiker, die es nach zwei Jahren Pandemie nicht schaffen, Kinder zu schützen.

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Jan Böhmermann entlarvt eine Corona-Politik, die auch nach zwei Jahren noch keine möglichen Lösungen hat. Er entlarvt eine Corona-Politik, die die Schwächsten der Gesellschaft schutzlos einem Virus ausliefert und Eltern mit dem Problem alleine lässt. Er entlarvt eine Corona-Politik, die keine Antworten weiß und die Debatte ebenso wie die Pandemie aussitzen will. Er entlarvt eine Corona-Politik, die auf Durchseuchung setzt, ohne dass Eltern und Kinder sich dagegen wehren können.

Böhmermann ist nicht misszuverstehen – außer, man will es

Das alles macht Jan Böhmermann mit Worten, die nicht zu missverstehen sind – außer, man will sie miss­verstehen. Denn es sind Worte, die wehtun, weil sie so schonungslos sind. Worte, die offenlegen, wie wenig wert Kinder in unserer Gesellschaft sind, wie wenig Lobby sie in der Politik haben. Und Worte, die das gesamte politische Versagen der vergangenen zwei Jahre, die Hilflosigkeit der Mächtigen, verdeutlichen.

Wer es ernst meint damit, Kinder schützen zu wollen, arbeitet sich nicht an Jan Böhmermann ab. Wer es ernst meint, twittert gegen die Öffnung von Schulen und Kitas unabhängig von Infektions­geschehen und den nicht vorhandenen Schutz­maßnahmen, gegen den Zwang, der auf Eltern und Kinder ausgeübt wird, und gegen die Abschaffung des Distanz­unterrichts auf Zeit als Mittel zur Eindämmung der Omikron-Welle.

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