Anthologieserie „Himmel und Erde“

Kein Zuhause: die dramatischen Schicksale geflüchteter Ukrainer

Zara (Alina Sokhna, von links nach rechts), Karl (Matti Schmidt-Schaller) und Mo (Walid Al-Atiyat) feiern Oljas (Valeriia Berezovska, rechts) und Petjas Hochzeit in einer Szene des ZDF-Projekts „Himmel & Erde“.

Zara (Alina Sokhna, von links nach rechts), Karl (Matti Schmidt-Schaller) und Mo (Walid Al-Atiyat) feiern Oljas (Valeriia Berezovska, rechts) und Petjas Hochzeit in einer Szene des ZDF-Projekts „Himmel & Erde“.

Blau für den Himmel, Gelb für die Kornfelder – das sind die Farben der ukrainischen Flagge. „Himmel und Erde“ wurde deshalb die ZDF-neo-Serie benannt, die sich der Perspektive der Menschen widmet, die aus der Ukraine vor dem Krieg nach Deutschland geflüchtet sind. Zehn Millionen Menschen haben seit dem Beginn des russischen Angriffskrieges die Ukraine verlassen. Fast die Hälfte davon ist wieder in das Land zurückgekehrt, obwohl ein Ende des Krieges nicht in Sicht ist. Um ihre Schicksale geht es in der Anthologieserie, die in fünf voneinander unabhängige 15-Minüter unterteilt ist.

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Dabei wurden neben Buch und Regie alle Positionen in der Produktion mit ukrainischen Filmschaffenden besetzt, die selbst nach Deutschland geflohen sind oder bereits länger hier leben. Diese unmittelbare Nähe zum Sujet merkt man jedem einzelnen Film auf berührende Weise an. Da ist Olja (Valeriia Berezovska), die in einer Berliner WG untergekommen ist, während ihr Geliebter Petja (Artur Aliiev) sich im Keller einer Shishabar vor den russischen Bomben in Sicherheit gebracht hat. Olja verfolgt den ganzen Tag die Nachrichten am Handy und willigt nur zögernd ein, bei einem WG-Spieleabend mitzumachen.

WG-Küche wird zu einem improvisierten Standesamt

Als Petja anruft, wird er per Videoschalte in den Kreis aufgenommen. „Was würdest du tun, wenn das der letzte Tag deines Lebens wäre“ steht auf der Spielkarte. Alle am Tisch zucken zusammen und wollen die Karte untermischen. Aber Petja will sie beantworten und macht seiner Freundin einen Heiratsantrag. Und so wird die WG-Küche schnell zu einem improvisierten Standesamt umgebaut, in dem sich die beiden ihr virtuelles Jawort geben.

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Um die Schwierigkeiten der Integration in die heile Welt des Gastlandes, während in der Heimat der Krieg tobt, geht es auch in der zweiten Folge „I‘m out of Here“, in der zwei Schwestern (Maria Shofa, Oleksandra Barstok) verschieden auf die neue Umgebung reagieren. In einer deutschen Gastfamilie ist in der Episode „Die Nächsten bitte“ auch die zehnjährige Vika (Anna Cheban) untergebracht. Die Eltern des Kindes und ihr geliebter Bruder sind weiterhin in der Ukraine. Das hochbegabte Mädchen hat schon gut Deutsch gelernt und begleitet die Großmutter zum Sozialamt. Als draußen die Presslufthammer der Baufirma losgehen, sucht Vika verängstigt Schutz unter dem Schreibtisch, wodurch das Mitgefühl der verstockten Sachbearbeiterin (Anna Böger) geweckt wird.

Eine echte Entdeckung in dieser Episode ist die junge Anna Cheban. Mühelos springt sie zwischen Deutsch und Ukrainisch hin und her und setzt all jenen Migrantenkindern ein kleines Denkmal, die schon in jungen Jahren für die Eltern die Aufgabe der Dolmetscherin übernehmen.

Gewissenskonflikte ukrainischer Männer

Einen ganz anderen Blickwinkel setzt die vierte Folge „Warnsignale“, die sich mit den Gewissenskonflikten ukrainischer Männer beschäftigt, die schon länger in Deutschland leben und sich nun die Frage stellen, ob sie für ihr Heimatland in den Krieg ziehen müssen. Eine lesbische Liebesbeziehung zwischen Berlin und Kiew tritt in den Fokus der letzten Folge „Sonnenblumen im Februar“, in der sich die Ukrainerin Lisa (Maj-Britt Klenke) nach den ersten Bomben auf ­Kiew nach Berlin flüchtet, während ihre Berliner Freundin Andrea (Thea Rasche) als Kriegsreporterin in die Ukraine reist. Sicherlich sind nicht alle Folgen gleichermaßen dramaturgisch ausgereift, aber gemeinsam ist den fünf Episoden das Herzblut, mit dem auf die dramatischen Umbrüche im Leben ukrainischer Menschen geblickt wird.

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Die schauspielerischen Leistungen der ukrainischen Darstellerinnen sind von einer tiefen Empathie und präzisem Figurenverständnis geprägt. Als lose Kurzfilmsammlung zeigt „Himmel und Erde“, wie wichtig es ist, den Nachrichtenbildern von Panzern, Ruinen und Massengräbern menschliche Geschichten entgegenzusetzen, die von den emotionalen Folgen des Krieges für die Betroffenen erzählen.

„Himmel und Erde“, ZDF neo, 25. Oktober, 20.15 Uhr, mit Valeriia Berezovska, Anna Böger, Maj-Britt Klenke

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