Kölner “Tatort: Niemals ohne mich”: Familienkrieg und eine tote Jugendamtsmitarbeiterin

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) wollen eine junge, alleinerziehende Mutter befragen.

Die Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt, rechts) und Freddy Schenk (Dietmar Bär, links) wollen eine junge, alleinerziehende Mutter befragen.

Willkommen in der Familienhölle, in der sich wie in vielen Fernsehkrimis mal wieder unerträgliche Szenen abspielen. Auch in der Abteilung, die sich im Jugendamt um nicht gezahlte Unterhaltsansprüche kümmert. Dort wird von den “Klienten” getrickst, gelogen und betrogen. Es entlädt sich aufgestaute Wut in offenen Aggressionen gegenüber den ehemaligen Partnern genau wie gegenüber den im Amt angestellten Mitarbeitern. Andere brechen dagegen unter ihrer Verzweiflung fast zusammen, drohen an ihrem Kampf um ihre wirtschaftliche Existenz, um ein wenig mehr Geld zum Leben, zu scheitern. Und viele leiden einfach unter der frostigen Kälte der Bürokratie.

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An diesen höllischen Ort führt der neue Kölner “Tatort: Niemals ohne mich”, den Nina Wolfrum nach einem Drehbuch von Jürgen Werner inszeniert hat. Der Film stellt exemplarisch gleich drei der im Jugendamt bearbeiteten Fälle vor. So lernt der Zuschauer gleich zu Anfang Katja Hildebrandt (Katrin Röver) kennen, die ihre bei dem Vater (Peter Schneider) lebenden beiden Kinder abholt. Während die Kleinen verängstigt im Wagen sitzen, tobt zwischen ihren Eltern auf offener Straße ein heftiger Streit um Ansprüche und Kleinigkeiten, die plötzlich unheimlich wichtig sind. Dabei fliegen richtig die Fetzen. Die große Liebe von einst hat sich längst in Hass verwandelt. Und Opfer dieses Familienkrieges sind die ohnmächtig zuschauenden Kinder.

Dachdecker verweigert Unterhaltszahlung für die Tochter

Dann wechselt der Film den Schauplatz. Nun zeigt er den Dachdecker Stefan Krömer (Gerdy Zint) bei der Arbeit auf einem Flachdach. Er verweigert die Unterhaltszahlung für seine Tochter, weil er angeblich zu wenig verdient, fährt aber gleichzeitig einen Sportwagen. Zwei Mitarbeiterinnen des Jugendamtes kontrollieren ihn gerade wegen des Verdachts auf Schwarzarbeit und fordern eine hohe Rückzahlung wegen der vom Amt an die Mutter gezahlten Vorschüsse. Es kommt zum Streit, Krömer drängt dabei die Jugendamtsmitarbeiterin Monika Fellner (Melanie Straub) an den Rand des Daches und ruft dabei außer sich: “Sie zerstören Leben!” Wenig später ist jedoch das Leben von Fellner zerstört: Passanten finden nachts ihre Leiche in der Nähe ihrer Wohnung. Sie ist erschlagen worden.

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So dramatisch beginnt dieser “Tatort”, der dann den gut gelungenen Versuch unternimmt, das diffizile und gleichzeitig oft hochemotionale Thema Unterhaltsrecht mit einem klassischen Krimi zu verbinden. Einem Krimi, bei dem die Frage “Wer ist der Täter?” im Mittelpunkt steht. Notgedrungen wird viel, ja sehr viel geredet, wobei der Zuschauer unter anderem erfährt, dass unglaubliche drei Viertel der getrennt von ihren Kindern lebenden Elternteile ihrer Unterhaltspflicht nicht nachkommen. Und der Staat daher jährlich rund 2 Milliarden Euro Unterhaltsvorschüsse zahlt. Dass sich hinter solch nüchternen Zahlen aber auch zuweilen wahre Tragödien abspielen, das zeigt der Film eindrucksvoll.

Kein reines Sozialdrama

Aber er ist nun einmal kein reines Sozialdrama, sondern ein Krimi, bei dem es um Verdächtige geht. Natürlich sind das ziemlich schnell die beiden anfangs vorgeführten Väter, die zudem wegen ihrer unkontrollierten Gewaltausbrüche alles andere als sympathisch wirken. Und es scheint nur eine Frage der Zeit zu sein, bis die Kölner Kommissare Max Ballauf (Klaus J. Behrendt) und Freddy Schenk (Dietmar Bär) diesen Fall lösen.

Doch ganz so einfach, wie es lange Zeit ausschaut, ist dieser “Tatort” zum Glück nicht gestrickt. Nach und nach werden also weitere Verdächtige eingeführt, beispielsweise die Kollegin (Anna Böger) der superkorrekten Fellner, ihr Vorgesetzter (Christian Erdmann), der verdächtig positiv gezeichnet ist, und auch eine junge Mutter (Yeliz Simsek), die versucht hat, das Amt auszutricksen.

Film nimmt langsam Fahrt auf

Dadurch nimmt der Film, der anfangs nur auf die beiden aggressiven Männer zugeschnitten ist, langsam Fahrt auf. Und die Geschichte bekommt in der zweiten Hälfte auch endlich die nötige Krimispannung. Was noch positiv auffällt, ist, dass der “Tatort” trotz seines schweren ernsten Themas immer wieder kleine humorige Szenen besitzt. Sie lockern die bedrückende Szenerie auf, ohne die Ernsthaftigkeit des Films zu zerstören. Und besonders gut gelingt das dem Assistenten des Ermittlerduos, dem wunderbar arbeitsfaulen Oberkommissar Norbert Jütte (Roland Riebeling). Doch die dabei beim Zuschauer womöglich aufkommende gute Stimmung wird am Schluss brutal wieder zerstört.

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