Beste Fantasyserie 2022

Rettet das Multiversum! Die Serie „His Dark Materials“ ist meisterlich bis zuletzt

Engel in Rebellion: Der Weltenwanderer Will (Amir Wilson, links) und der Engel Balthamos (I-Kay Agu, rechts) erleben die Ankunft des Engels Baruch (Oliver Monaghan). In „His Dark Materials“ (Start der dritten Staffel am 6. Dezember bei Wow/Sky Ticket) soll nichts Geringeres als das Königreich des Himmels gestürzt werden.

Engel in Rebellion: Der Weltenwanderer Will (Amir Wilson, links) und der Engel Balthamos (I-Kay Agu, rechts) erleben die Ankunft des Engels Baruch (Oliver Monaghan). In „His Dark Materials“ (Start der dritten Staffel am 6. Dezember bei Wow/Sky Ticket) soll nichts Geringeres als das Königreich des Himmels gestürzt werden.

„Die Republik des Himmels“ sei es, die jetzt gebaut werden müsse, sagt Lyra Belacqua, in den Multiversen auch bekannt als Lyra Listenreich, ihrem schläfrigen Daemon. Mit diesem Satz beschloss Philip Pullman vor nunmehr 22 Jahren seinen Roman „Das Bernstein-Teleskop“ und damit seine Buchtrilogie „His Dark Materials“. Der Satz war buchstäblich gemeint. Lyra und ihr Freund Will hatten gegen das Königreich des Himmels, das zu einer Diktatur verkommen war, gekämpft. Jetzt ist ihre Geschichte auch fürs Streaming vollendet: Mit der dritten Staffel ist die Verfilmung von „His Dark Materials“ abgeschlossen. Am heutigen Nikolaustag startet das heißersehnte Finale beim Streamingdienst Wow.

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Pullmans als Jugendbuch beworbenes Epos war damals eine schwindelerregende Vision, vielleicht der größte Fantasywurf (mit Sci-Fi- und Horrorelementen) seit Tolkiens Ringsaga – mit der im dritten Band stattfindenden finstersten Höllenfahrt seit Dichtergedenken: Hexen, Engel, Eisbärenkrieger, Libellenritter, Klippenalpe und Menschenkinder standen in einem gewaltigen Dreibücherkampf um den Fortbestand aller Welten. Fantasie de Luxe – philosophisch, utopisch, superspannend waren die Bücher. Jede Zeile vibrierte.

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Gott kam auch vor – ein angstvoller Greis, der nichts mehr zu sagen hat in Engelhausen. Kein Wunder, dass (auch) christliche Fäden gezogen wurden, um eine Verfilmung dieses von entsprechender Seite als kirchenkritisch und blasphemisch bewerteten Stücks Literatur zu Fall zu bringen.

Eine Verfilmung der Trilogie kam nicht über den ersten Film hinaus

Regisseur Chris Weitz kam in den Nullerjahren denn auch nicht über den ersten Film hinaus. „Der Goldene Kompass“, mit Stars wie Nicole Kidman und Daniel Craig im Blockbusterstil erbracht, zerfaserte im erzählerischen Nirgendwo.

Unter dem Dach des „Game of Thrones“-Hauses HBO wurde eine Verfilmung jetzt im zweiten Anlauf vollendet. Die letzte Staffel der Serie der Showrunner Jane Trente und Dan McCulloch kommt passgenau bei Wow – kurz nach dem Ende von „House of the Dragon“. Und ist ein Vergnügen bis zum letzten Bild. Gegenüber den „GoT“-Showrunnern David Benioff und D. B. Weiss und ihrem saumseligen Schreiber George R. R. Martin sei da der Hinweis erlaubt: Es ist unschätzbar, wenn die Vorlage komplett steht. Und jammerschade, wenn nicht. Bei Epen geht Improvisation meist schief.

Wer sich mit ihm anlegt, hat die schlechtesten Karten der Welt: Iorek Byrnison, König der Panserbjörne, ist ein Krieger, der aufgerichtet vier Meter misst. Und vornehmlich schlechte Laune hat. Szene aus der dritten Staffel von „His Dark Materials“.

Wer sich mit ihm anlegt, hat die schlechtesten Karten der Welt: Iorek Byrnison, König der Panserbjörne, ist ein Krieger, der aufgerichtet vier Meter misst. Und vornehmlich schlechte Laune hat. Szene aus der dritten Staffel von „His Dark Materials“.

Wir erinnern uns (und wenn nicht, sei an dieser Stelle vor Spoilern gewarnt): Lyra (Dafne Keen) ist ein wildes Gör, lauscht, wo sie nicht soll, und hört merkwürdige Gerüchte um eine Substanz namens „Staub“, über eine schimmernde Stadt hinter den Polarlichtern. In ihrem heiß geliebten Oxford verschwinden plötzlich Kinder, eines Tages auch ihr bester Freund Roger (Lewin Lloyd).

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Mithilfe von Freunden kam Lyra auf die Spur von Grausamkeiten

Mit fahrendem Volk, einem Ballonfahrer („Hamilton“-Star und -Schöpfer Lin-Manuel Miranda), einem Eisbärenkrieger und der Hilfe eines Alethiometers, eines orakelnden Kompasses, folgt sie Rogers Fährte und kommt inmitten der eisigen Wildnis des Nordens grauenvollen Experimenten auf die Spur.

Ihr Vater Lord Asriel (James McAvoy) und ihre Mutter Marisa Coulter (Ruth Wilson), er im Dienst der Wissenschaft, sie im Dienst der Kirche, trennen Kinder von ihren Daemonen – in Lyras Welt veräußerlichten Seelen in Tiergestalt. Um kosmische Modelle zu beweisen.

Handlungsort ist das Oxford eines Paralleluniversums

Das Oxford Lyras ist anders, ähnlich dem unsrigen, dennoch magischer, mystischer, dunkler. Die christliche Kirche, hier Magisterium genannt, ist allein selig machend und zu allem fähig. Den herz- und ruchlosen Geistlichen um Kardinal McPhail (Will Keen) geht es bei den Kinderexperimenten darum, die Sünde zu besiegen, die Unschuld des Menschen lebenslang zu bewahren. Klingt katholisch. Ist ziemlich faschistoid. Und tödlich.

Durch ein Loch in den Wüsten der Arktis rutscht Lyra dann in eine sterbende Parallelwelt, trifft dort den Jungen Will (Amir Wilson) und findet mit ihm zusammen ein besonderes Messer. Damit lassen sich Fenster in Abertausende Welten schneiden (auch in unsere) – Welten, die allesamt am Abgrund stehen. Was wiederum mit dem „Staub“ zu tun hat, dessen wahre Natur in der zweiten Staffel angedeutet wurde und nun in der dritten endgültig ergründet wird.

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Alles läuft auf den Krieg gegen den Himmel hinaus

Nun also bewegen sich die Geschehnisse auf den „großen Krieg“ gegen den Himmelsusurpator Metatron zu. Der Kampf gegen die höhere Weltenordnung, die nicht nur sein Universum betrifft, wird für Asriel mehr und mehr zur Besessenheit. Für die er alles und jeden instrumentalisiert und zu opfern bereit ist – selbst Lyra – womit er immer mehr zu dem wird, was er so fanatisch niederringen will.

Und in Marisa Coulter, die für das Magisterium die einst die schreckliche Guillotine für Kinderseelen konstruiert hat, erwachen Mutterinstinkte. Mit all ihrem Talent zu Täuschung und Intrige wendet sie sich endlich gegen diejenigen, die Frauen tödlich diskriminieren und ausgrenzen, die auch ihr nie eine bedeutsame Rolle im Organisationsgefüge zugebilligt hätten.

Eine überwiegende Zahl der tatkräftig handelnden Figuren in „His Dark Materials“ sind Frauen und Mädchen, was zuletzt für fast alle größeren Fantasyserien galt – von Prime-Videos „Der Herr der Ringe – Die Ringe der Macht“ bis Disneys „Willow“. Aber hier ist das Weibliche Programm. „His Dark Materials“ ist nicht zuletzt eine feministische Befreiung der Urmenschin Eva als Stellvertreterin weiblicher Verführbarkeit und Verführungskraft, als Schuldige an der Sünde, als die sie vom toxischen Patriarchat der Religionen zweckhaft diffamiert wurde.

Die dramatische Schlacht hat Blockbusterniveau

In der siebten Episode (alle acht wurden von HBO zur Sichtung gewährt) gipfelt die Staffel in einer dramatischen Schlacht, die visuell „Star Wars“-Qualitäten hat: Je größer der Screen, desto ganz großes Kino!

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Und ganz intimes, kleines Kino auch! Trente und McCulloch vergessen bei allen fantastischen Bildern nie die Seele der Geschichte, die sie ausbreiten. Immer wieder sind da die kleinen emotionalen Tupfer, die den Betrachter an die Figuren binden sollen. Und dass im Publikum durchaus Tränen rollen, regelrechte Ströme bei der letzten Szene der letzten Episode, zeigt, dass das gelungen ist.

Weder HBOs laut betrommeltes, gelungenes „GoT“-Prequel noch Amazons ebenso gehypte, ebenso sehenswerte Tolkien-Serie sind das Fantasymeisterwerk des Jahres. Sondern „His Dark Materials“ das mit einem stillen und tieftraurigen Moment endet. Wer die „Republik des Himmels“ bauen soll, bleibt unerwähnt. Der letzte Satz der Serie lautet anders.

Und etwas Ausruhzeit sollte man Lyra gönnen.

„His Dark Materials“, dritte und letzte Staffel, acht Episoden, von Jane Trente und Dan McCulloch, mit Dafne Keen, Amir Wilson, Ruth Wilson, James McAvoy, Will Keen, Lin-Manuel Miranda, Jade Anouka, Adewale Akinnuoye-Agbaje, Simone Kirby.

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