„Tatort“ aus Dortmund: Am Kreuzweg der Liebe

Das Auto von Kommissarin Rosa Herzog wurde ausgebrannt aufgefunden – Martina Bönisch (Anna Schudt), Peter Faber (Jörg Hartmann) und Jan Pawlak (Rick Okon, v.r.) begutachten den Fundort am Dortmunder Hafen.

Das Auto von Kommissarin Rosa Herzog wurde ausgebrannt aufgefunden – Martina Bönisch (Anna Schudt), Peter Faber (Jörg Hartmann) und Jan Pawlak (Rick Okon, v.r.) begutachten den Fundort am Dortmunder Hafen.

Die Dortmunder „Tatort“-Kommissarin Bönisch (Anna Schudt) nimmt ihre Liebe zum Beruf viel zu ernst. Leider wird die Liebe nicht erwidert – nicht vom Job und nicht von den Kollegen. Und wenn dann noch beides zusammen kommt, endet es tragisch. Martina Bönisch hatte das versucht mit Haller (Tilmann Strauß), einem Mann der Kriminaltechnik, wild auf Wissenschaft, ungeübt im Umgang mit Gefühlen, panisch, wenn er Händchenhalten muss. Am Kreuzweg dieser Liebe spielt nun dieser „Tatort“ aus Dortmund.

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In der Folge „Liebe mich“ (Drehbuch: Jürgen Werner, Regie: Torsten C. Fischer) werden viele verbogene Persönlichkeiten auf sehr engem Raum platziert. Wo man bei „Stromberg“ über die Neurosen im Büro gelacht hat, muss man bei Bönisch und dem Kommissarskollegen Faber (Jörg Hartmann) weinen. Oder staunen: Das sind seelische Extremerfahrungen, zwischenmenschliche Experimente, die hier zu sehen sind. Bei Bönisch gehen sie schief. Sie schlendert weltvergessen über einen Friedhof, flirtet mit dem Tod. „Mir würde es an so einem Ort gefallen“, sagt sie, kokett und doch auch kampfeslustig, denn ihr Ex steht nebenan, sie muss ihm jetzt erst mal erklären, „dass ich weder depressiv bin noch ein Alkoholproblem habe“.

Genau genommen ist der Ort kein Platz zum Streiten, denn auf dem Friedhof wurde eine Leiche entdeckt, die dort nicht hingehört, nicht zumindest nach der deutschen Friedhofsordnung. Eine Frau liegt hier begraben, Feline Wagner, sie galt als vermisst. Zufällig wird die Leiche im Bestattungswald gefunden, bei der Vorbereitung einer Urnenbeisetzung. Kurz darauf findet die Polizei noch eine weitere Leiche – und auch diese Frau wird vermisst. Genau im Abstand eines Jahres wurden die Toten begraben. Beide Opfer sind ermordet worden. Von einem Täter, der im Jahresrhythmus tötet? Dann wäre es jetzt wieder an der Zeit, denn fast genau ein Jahr ist nun vergangen, seitdem Feline Wagner hier unter die Erde kam. In Auftrag gegeben von einem Mann, der unter falschem Namen bar bezahlt hat.

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Martina Bönisch wird zum Lockvogel ernannt, um den Täter aufzuscheuchen, ihn zu einem neuen Date zu inspirieren, denn das fällt auf: Bönisch – blond und etwas schroff – passt ins Beuteschema dieses Mannes, sie ähnelt den zwei toten Frauen. Vor allem aber passt sie in das Schema dieses Films, der sich darum bemüht, eigentlich jedem auf der Wache eine Form von Trauma anzuhängen. Hauptkommissarin Rosa Herzog (Stefanie Reinsperger) trifft ihre Mutter wieder, die bei der RAF ist, Hauptkommissar Jan Pawlak (Rick Okon) muss seine kleine Tochter von der Straße holen, wo sie ziellos durch die Stadt läuft, weil sie nicht damit zurechtkommt, dass die Mutter in Untersuchungshaft sitzt.

Die Mütter sind die Motoren dieser Folge, und seit Hitchcocks „Psycho“ wissen wir, dass in ihrem Namen die besessenen, technisch nicht sehr anspruchsvollen, dafür umso gnadenloseren Verbrechen in die Welt getragen werden. Neben dieser Truppe der Versehrten wirkt Peter Faber, Kommissar mit ausgeprägtem Jähzorn und Familiendrama in der Vergangenheit, nahezu symptomfrei. Die Kälte der Dortmunder „Tatort“-Folgen ist legendär, hier wird mental unter dem Nullpunkt ermittelt, was einerseits bedrückend ist, weil keine Leidenschaft bei der Verbrecherjagd zu spüren ist.

Dann aber sieht man wieder diese Logik, ohne Empathie ins Werk gesetzt, in ihrer Effizienz jedoch unschlagbar. Die neue Folge läuft auf einen Schock hinaus, auf eine Katastrophe, die Statik auf dem Dortmunder Revier muss künftig neu justiert werden.

Wirklich überzeugend ist die neue Folge trotzdem nicht, die Chronik der privaten Fehltritte ergibt kein Sittenbild, das sich zu einem Ganzen fügt. Doch wenn es im Finale ein Fiasko gibt, gilt das im Krimi als gute Währung. Was soll da das Mäkeln im Detail.

Martina Bönisch wird zum Lockvogel ernannt. Sie passt ins Beuteschema dieses Mannes, sie ähnelt den zwei toten Frauen.

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„Tatort: Liebe mich“ | ARD, mit Anna Schudt, Jörg Hartmann, Sonntag, 20.15 Uhr

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