“Tatort”-Star Harald Krassnitzer: “Ich finde es gerechtfertigt, dass AfD-Vertreter in Talkshows sitzen”

Richter Hans Bachleitner (Harald Krassnitzer) muss die liegengebliebenen Fälle seines verstorbenen Freundes übernehmen.

Richter Hans Bachleitner (Harald Krassnitzer) muss die liegengebliebenen Fälle seines verstorbenen Freundes übernehmen.

Statt mal wieder als “Tatort”-Kommissar Moritz Eisner ist Schauspieler Harald Krassnitzer am 10. April ab 21.15 Uhr in “Über Land – Kleine Fälle” zu sehen. In der neuen Folge der ZDF-Reihe spielt er den Richter Hans Bachleitner, der nicht nur die Fälle eines verstorbenen Freundes und Kollegen übernehmen muss, sondern auch dessen Kleingartenparzelle vererbt bekommt, an der eine Menge Ärger hängt.

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Harald Krassnitzer, in “Über Land” spielen Sie einen Richter, der von einem verstorbenen Kollegen und Freund mehrere Fälle und eine Kleingartenparzelle erbt. Ihre Figur ist eine Art Gerechtigkeitskämpfer – er möchte die Kleingartensiedlung vor reichen Investoren verteidigen, seiner Fahrerin helfen und einen Polizisten auf den richtigen Weg führen. Wie würden Sie sich damit vergleichen?

Ich habe ein sehr stark ausgeprägtes Gefühl für Gerechtigkeit – oder für das, was ich als Gerechtigkeit empfinde. Da muss man vorsichtig sein, weil Rechtsstaatlichkeit und Gerechtigkeitsgefühl etwas sehr Unterschiedliches ist. Wir erleben leider gerade in Deutschland Bewegungen, bei denen Menschen tatsächlich der festen Überzeugung sind, dass der Weg der extrem Rechten richtig ist und sie unser Land verteidigen müssen.

Wie reagieren Sie auf diese rechten Bewegungen? Es gibt da ja ganz unterschiedliche Ansätze.

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Prinzipiell glaube ich, dass man in einem demokratischen Prozess mit allen Vertretern, die in ein Parlament gewählt wurden, reden muss. Aber ich muss mich nicht mit denen fraternisieren und daraus ein Machtspiel machen. Das, was wir in Thüringen erlebt haben, ist ein billiges, machtpolitisches Kasperltheater. Diese Form von Kooperation finde ich verabscheuenswürdig. Und noch dazu in Thüringen, wo wir erlebt haben, dass jemand aus der Linken allen Vorurteilen, die wir haben, nicht entspricht, sondern über weite Strecken sehr gute Arbeit gemacht hat und von allen Seiten anerkannt war. Bodo Ramelow gleichzusetzen mit einem Björn Höcke finde ich bodenlos. Ich halte aber schon etwas davon, dass man mit diesen Menschen redet und mit Argumenten und Vernunft dagegenhält. Eine Radikalausgrenzung halte ich für gefährlich.

Also finden Sie es richtig, dass regelmäßig AfD-Politiker in Talkshows sitzen?

Öffentlich-rechtliche Sender haben laut ihrem Auftrag alle in ihrem Parlament vertretenen Parteien vorkommen zu lassen. Da finde ich es mehr als gerechtfertigt, dass AfD-Vertreter auch in Talkshows sitzen. Wenn die Talkshows vernünftig sind, erleben wir dort auch, welches Gedankengut und welche Ansichten die haben. Es hilft uns zu erkennen, welche Techniken sie an den Tag legen. Wir müssen uns dem stellen, das ist die Qualität der Demokratie.

Wie im “Tatort” ermitteln sie in “Über Land” auf gewisse Weise – wenn auch als Richter statt als Kommissar. Was reizt sie so an solchen Rollen?

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Ich finde es spannend zu sehen, was hinter dem stattfindet, was wir gemeinhin die Wahrheit nennen. Ich bevorzuge Figuren, die neugierig sind und die Möglichkeit geben, hinter Kulissen zu schauen.

Den österreichischen “Tatort”-Kommissar Moritz Eisner spielen Sie seit 1999. Was machen Sie, damit Ihnen die Rolle nicht langweilig wird?

Wir führen viele Gespräche mit dem Team. Die Welt ist ja gerade nicht zu langweilig, um gute Geschichten für den “Tatort” zu finden. Insofern ist es nach wie vor spannend, diesen Kommissar in neue Turbulenzen zu stürzen. Wir tauchen immer wieder in neue Biotope ein. Das ist etwas, das lebendig hält und mir großen Spaß macht.

Wie lange wollen sie noch als Eisner machen?

Ich spiele den Kommissar Eisner so lange ich Spaß habe und so lange das, was wir machen, sehenswert ist oder Resonanz gibt. Unsere Planung geht schon noch die nächsten vier, fünf Jahre. Ans Aufhören denkt man ja immer erst dann, wenn man merkt, dass es nicht mehr rund läuft.

Wenn man so eine Figur schon so lange spielt, übernimmt man da auch Eigenschaften oder Verhaltensmuster des Kommissars?

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Ich bin ein ganz normaler Mensch, und das ist mein Beruf. Ich weiß sehr zu trennen zwischen meinen Rollen und mir selbst. Das ist etwas, was mein Handwerk und meine Techniken ausmacht, mich etwas zu nähern und dann aber auch wieder herauszugehen und das wegzulegen wie ein gutes Buch.

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