Wer fährt zum ESC? Diese sechs Künstler wollen das deutsche Eurovisions-Elend beenden

Am 4. März wird entschieden, wer für Deutschland beim diesjährigen ESC antritt.

Am 4. März wird entschieden, wer für Deutschland beim diesjährigen ESC antritt.

Hamburg. Eine Definition von Wahnsinn ist es, immer wieder das Gleiche zu tun, und andere Ergebnisse zu erwarten. Achtmal hat Deutschland seit 2012 beim Eurovision Song Contest (ESC) bittere Pleiten hingelegt. Zu egal waren die Beiträge – schnell vergessener Radiopop ohne kompositorischen Sexappeal. Levina? Ann-Sophie? Sisters? Jemand? In diesem Jahr nun schickt der federführende NDR erneut sechs weithin unbekannte Künstler auf die größte TV-Popbühne der Welt. Und nach der Vorstellung der sechs Beiträge bei einer virtuellen Pressekonferenz aus Hamburg fällt das Fazit der ESC-Gemeinde einhellig aus: Der Wahnsinn geht weiter.

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944 Künstler hatten sich um das deutsche Ticket für das ESC-Finale am 14. Mai im italienischen Turin beworben. Sechs davon schickt der NDR am 4. März in einen deutschen Vorentscheid mit dem zuversichtlichen Titel „Germany 12 Points“, gekürt von einer ARD-internen Jury aus TV- und Radioleuten. Anders als in den Vorjahren war keine ESC-Fachjury und keine mathematische Zauberformel im Spiel. Stattdessen vergaben die Juroren klassische Schulnoten.

Man wolle nach der „Pechsträhne“ einen „Gewinner“ nach Italien schicken, sagte der neue ESC-Teamchef der ARD, Andreas Gerling. Seine Hoffnung sei, dass sich „ganz Deutschland hinter dem ESC-Act versammelt“. Mit im Boot sind nun folgende Sänger und Bands:

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Eros Atomus (21), in Bayern geborener „The Voice“-Teilnehmer und Singer-Songwriter mit elf Geschwistern, singt eine optimistische Folknummer im Stil von Mumford & Sons oder Of Monsters And Men („Alive“).

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Felicia Lu (26), ebenfalls in Bayern geboren und inzwischen in Wien zur festen Größe im österreichischen Pop gereift, nimmt mit einer halbmelodischen Elektrorockballade über soziale Ängste („Anxiety“) zum zweiten Mal nach 2017 am Vorentscheid teil (damals wurde sie Zweite nach Levina).

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Das Koblenzer Schlabberpulli-Kerleduo Maël & Jonas (26 und 20), ebenfalls mit „The Voice“-Vergangenheit, will mit trockenem, klassischem Radiorock gewinnen („I Swear To God“).

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Emily Roberts (28), geboren in Hamburg und zuletzt mit James Blunt auf Tour, wirft eine Lily-Allen-hafte Midtempo-Trennungsballade mit rockigem Refrain namens „Soap“ ins Rennen.

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Die Kombo Nico Suave & Team Liebe aus Hamburg und Berlin wirft sich in eine etwas überpositivistische, allzu gut gemeinte Elektroballade mit Hip-Hop-Elementen („Hallo Welt“).

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Und einzig Malik Harris (24), Sohn von TV-Moderator Ricky Harris und zuletzt Support-Act von Amy MacDonald, sticht mit seiner halbschnellen Rocknummer „Rockstars“ mit forsch-explosivem Rap-Part etwas heraus.

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ESC: Deutschland ist Konsens-Nation

Mit Ausnahme dieses Songs fehlt dem Jahrgang 2022 erneut das Eskalatorische, das Grenzgängerische, dass einen echten Siegersong ausmacht. Der ESC hat seine eigenen Geschmacksgesetze – und gegen die hat Deutschland in den letzten Jahren konsequent verstoßen. Originell muss ein ESC-Siegertitel sein, authentisch und vor allem: auffällig. Deutschland hingegen setzt nicht nur musikalisch, sondern auch politisch und gesellschaftlich traditionell gern auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Wir sind eine Konsens-Nation. Das Andersartige, Herausragende ist „uns“ suspekt. Das spiegelt sich im ESC.

Die ARD kürt den Tag des Vorentscheids am 4. März zum „ESC-Tag“, zeigt die Show „Germany 12 Points – der deutsche ESC-Vorentscheid“ mit Barbara Schöneberger um 20.15 Uhr allerdings nicht im Ersten, sondern auf ARD One und in den Dritten Programmen. Zuvor sollen, wie schon in den Vorjahren, die ARD-„Popwellen“ die Songs bekannt machen. Radio und TV haben sich untergehakt, um den ESC zu neuer Blüte zu führen. Allein – man kann sich auch 2022 des Eindrucks nicht verwehren, dass vor allem Lieder gekürt wurden, die im Formatradio nicht stören. Hörer können ab dem 28. Februar für ihren Favoriten stimmen. Das Votum fließt zur Hälfte in die Entscheidung ein, die übrigen Stimmen kommen von den TV-Zuschauern am 4. März.

Fanfavorit Eskimo Callboy nicht dabei

„Die ganze ARD zieht an einem Strang“, verspricht NDR-Programmdirektor und ARD-Unterhaltungskoordinator Frank Beckmann, Nachfolger von Thomas Schreiber, der inzwischen die ARD-Filmfirma Degeto leitet. Der Fanfavorit der Herzen jedoch, die Band Eskimo Callboy, die in einer putzigen, digitalen Liebesoffensive zum ESC getragen werden sollte, geht leer aus. „Sie sind weit gekommen“, verriet ESC-Delegationsleiterin Alexandra Wolfslast. Aber was nützt das am Ende? Es dürfte schlicht der Mut gefehlt haben. Ein endgültiges Urteil wäre unredlich, aber es wäre eine große Überraschung, sollte Deutschlands ESC-Misere in diesem Jahr enden.

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Das liegt nicht an der viel beschworenen Unbeliebtheit des großen, für das Finale gesetzten ESC-Beitragszahlers Deutschland. Das liegt auch nicht am häufig ventilierten „Blockvoting“ befreundeter Nachbarnationen, etwa auf dem Balkan. Das liegt schlicht am Angebot. Jedes Land Europas kann mit der geeigneten Nummer weit kommen. Es gilt das alte Motto: Wunder gibt es immer wieder.

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