Bunt statt blass: Das Ende des Scandi-Chics

Mutige Muster statt blasser Pastelltöne: Das ist der neue Scandi-Chic.

Mutige Muster statt blasser Pastelltöne: Das ist der neue Scandi-Chic.

Berlin. Touristen reiben sich im Mittsommer in Schweden und Norwegen verwundert die Augen: Alles so schön hell. Im Sommer geht die Sonne früh auf und spät unter. Im Juni wird es fast nie richtig dunkel. Weiße Nächte, blauer Himmel, in zarte Pastelltöne getauchte Natur – so malen wir uns die perfekte Sommerfrische zum Entspannen aus.

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Das Mediterrane mit seinen oft knalligen Farben, der überbordenden Fröhlichkeit und der aufdringlichen Hitze wirkt dagegen recht anstrengend. Auf Saltkrokan bewahrt man doch einen kühleren Kopf als in Saint-Tropez. Und so vermarkten findige Einrichtungshäuser schon seit Jahren den auf helles Holz, klare Formen und zarte Farben setzenden sogenannten Scandi-Chic.

Er zeichnet sich durch Minimalismus und Einfachheit aus. Das wiederum hat eher praktische als ästhetische Hintergründe, wird doch der hierzulande vor allem auf Plattformen wie solebich.de gehypte Stil von den Skandinaviern selbst eher in ihren Ferienhäusern gepflegt.

Vom weiß getünchten Minimalismus zum farbintensiven Maximalismus

Zu Hause in Oslo oder Stockholm sieht es dann doch häufig anders aus, was weniger den hellen Sommernächten als vielmehr der lang anhaltenden dunklen Jahreszeit geschuldet ist. Der Norweger beispielsweise mag es eher kuschelig statt clean in der Stube, wenn es im Dezember bis zu 18 Stunden am Tag stockduster ist und draußen eisige Temperaturen herrschen.

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Das hat sich mittlerweile herumgesprochen, und so langsam wandelt sich der Scandi-Chic vom weiß getünchten Minimalismus zum farbintensiven Maximalismus.

Unbehandeltes oder weiß lackiertes Holz sowie funktionale Möbel sind nicht mehr die maßgeblichen Erkennungsmerkmale nordischen Designs. Auf Möbelmessen präsentieren sich die Skandinavier immer häufiger mit innovativen Entwürfen und Ideen, die weit über ihre Landesgrenzen hinausgehen.

Groß, knallig, freundlich: Das finnische Label Marimekko setzt schon lange auf bunte Großformatmuster – auch in seiner Sommerkollektion 2018.

Groß, knallig, freundlich: Das finnische Label Marimekko setzt schon lange auf bunte Großformatmuster – auch in seiner Sommerkollektion 2018.

Farben und Materialien erinnern oftmals an US-amerikanische Luxusapartments, italienische Villen oder exklusive Londoner Stadtwohnungen. Statt Kiefer und Birke dominiert dunkles Holz. Gern mit Messingelementen. Sitzmöbel sind vor allem bequem, vorzugsweise mit samtenen Polstern.

Farblich stechen satte Blau- und Bordeaux-Töne ins Auge. Die „New York Times“ interpretierte diese Entwicklung jüngst als eine Rückbesinnung der nordischen Länder auf das 18. Jahrhundert, als auch sie in Fragen der Kunst und Architektur dem Einfluss des französischen Hofs in Versailles unterlagen.

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Keine Spur mehr vom blassen Understatement

Opulenz schlägt jedenfalls auch heute wieder Dezenz. Das spiegelt sich ebenfalls bei Textilien und Tapeten wider. Das finnische Label Marimekko etwa setzt auf wilde Dschungel-Prints, Vorhänge des schwedischen Traditionsunternehmens Svenskt Tenn muten mit ornamentalen Blumenmustern wie historische Gobelins an, und junge Designer wie die Schwedin Lisa Bengtsson entwerfen Kissen und Tapeten in mutigen Farben und mit witzigen Motiven.

Keine Spur mehr also vom blassen Understatement von in Weiß und Hellgrau gehaltenen Räumen mit sparsamen pastellfarbenen Accessoires als bescheidenem Blickfang. Bye-bye Scandi-Chic! Wer auf optische Klarheit und luftige Weite nicht verzichten will, macht künftig einfach öfter Urlaub in Skandinavien. Am besten in einem Sommerhaus.

Von Kerstin Hergt

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