Dauergottesdienst soll Familie vor Abschiebung retten

Seit dem 26. Oktober läuft in Den Haag ein Dauergottesdienst, bei dem viel gesungen wird.

Seit dem 26. Oktober läuft in Den Haag ein Dauergottesdienst, bei dem viel gesungen wird.

Katwijk. Am 26. Oktober hat in einer Kirche in den Niederlanden nördlich von Den Haag ein Gottesdienst begonnen. Und er dauert bis heute an – läuft Tag und Nacht. Die Veranstalter wollen damit die Abschiebung einer armenischen Familie verhindern. Solange ein Gottesdienst stattfindet, ist es dem Rückführungsdienst nämlich nicht erlaubt, die Familie abzuholen. Niederländischen Polizisten ist es untersagt, einen laufenden Gottesdienst zu stören. Besucher aus dem ganzen Land halten den Gottesdienst aufrecht. Die evangelische Kirche in den Niederlanden unterstützt die Aktion. Mark Harbers, niederländischer Staatssekretär für Justiz und Sicherheit, sagte der niederländischen Tageszeitung Trouw, ein Antrag auf Begnadigung wurde in der letzten Woche abgelehnt.

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Familie floh vor neun Jahren in die Niederlande

Sasun und Anoushe Tamrazyan sind vor neun Jahren mit ihren drei Kindern Seyraner (15), Warduhi (19) und Hayarpi (21) in die Niederlande geflohen. Der Vater wurde in der Heimat mit dem Tod bedroht, weil er in der Regierungsopposition politisch aktiv war. Im Oktober sollten sie abgeschoben werden und leben seither in der Kirche. Die Mutter sagt, sie sei genau so hoffnungsvoll wie zu Beginn des Gottesdienstes. „Es ist unmöglich auszudrücken, wie besonders es sich anfühlt, wenn so viele Menschen dir helfen“, sagte sie der Zeitung.

Pfarrer wechseln sich ab

Die Familie hält sich abwechselnd im Gottesdienst und in der obersten Etage der Kirche auf. Auch dort sei der Gesang von unten zu hören. Nach draußen zu gehen sei unmöglich. Die Pfarrer wechseln sich ab. Zunächst war befürchtet worden, dass es schwer werden könnte, die frühen Morgenstunden zu besetzen. Doch auch hier fanden sich Helfer. „Wir haben kein Problem aufzustehen“, sagt die 62-jährige Irma van de Ward.

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Theo Hettema ist einer der Organiatoren und Vorsitzender des Allgemeinen Kirchenrats der evangelischen Kirche in Den Haag. „Als wir anfingen, wussten wir, dass es ein langfristiger Gottesdienst sein würde, dass wir hier wochenlang sitzen könnten, wenn nicht sogar Monate“, sagt er. „Wir haben keine Illusionen. Es kann mit Transportwagen vor dem Flughafen enden. Möglicherweise endet es, weil wir den Service nicht mehr fortsetzen können. Aber das war kein Grund, es nicht zu tun“, sagt er. Wenn eine Familie klopfe und nach Hilfe frage, dann hielte man nicht erst eine Unterschriftenaktion ab.

Von RND

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