„Sie stehlen uns die Saison“

Der Chiringuito-Ärger: Strandbars auf Mallorca sollen für Umwelt­schutz weichen

Am Strand von Es Trenc (Foto) sollen drei Chiringuitos verschwinden.

Am Strand von Es Trenc (Foto) sollen drei Chiringuitos verschwinden.

„Ist das der Anfang vom Ende der Chiringuitos?“, fragte dieser Tage Spaniens meistgehörter Radiosender Cadena Ser. Ob an den Stränden der Balearen Sonnenschirme, Liegen und Chiringuitos verschwinden sollten, wollte ein Oppositions­abgeordneter am Dienstag vom Umweltminister der Mittelmeerinseln wissen. Eigentlich geht es um ein paar Strandbars, aber offenbar auch ums Ganze. Was hat Vorrang: der Strand oder das Vergnügen? Und gibt es da überhaupt einen Widerspruch?

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„Chiringuito“ ist das schöne spanische Wort für eine Bude, einen Imbissstand, eine Strandbar. Der Chiringuito ist eine spanische Institution, und ein Strandurlaub ohne ihn kaum denkbar. Auf Ibiza gibt es schon Chiringuitos mit Gourmetmenü, aber der gewöhnliche Chiringuito ist was für die kleine Pause vom Sonnenbad in Badehose oder Bikini, mit einer Cola oder einem Bier in der Hand und den Füßen im Sand. Vor der Bude selbst, unter einem Dach aus Binsen, stehen oft ein paar Tische, an denen sich lärmende Familien oder Freundesgruppen zusammen­drängeln. Und meistens riecht es nach gebratenem Fisch.

Ein paar Chiringuitos sollen verschwinden

Auf Mallorca, wo diese Ostern nach zwei Jahren Touristenflaute endlich wieder die Massen ankommen, sollen ein paar Chiringuitos verschwinden, worüber auch im Rest des Landes berichtet wird – eben weil es um eine nationale Institution geht. Die verurteilten Buden sind keine illegalen und zum Teil schon seit Jahrzehnten im Betrieb, weswegen der Ärger doppelt groß ist. Aber die zuständigen Umwelt­behörden finden, dass es gute Gründe für ihr Verschwinden gibt.

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Drei der Chiringuitos liegen am Strand von Es Trenc. Das ist ein Traumstand im Süden der Insel, der einzige große Sandstrand auf Mallorca, der nicht verbaut, sondern von Dünen und Natur umgeben ist. Er ist nicht ganz leicht zu erreichen, im vergangenen Sommer berichteten die Lokal­zeitungen über enervierende Staus auf der schmalen Piste, die Richtung Strand­park­platz führt. Aber einmal da, empfängt einen das Paradies mit feinem Sand und türkisblauem Meer. Und sechs mobilen Chiringuitos.

Es Trenc wurde zum Naturpark erklärt

Früher standen da kleine gemauerte Häuser, aber dann wurde Es Trenc zum Naturpark erklärt, und Spaniens Oberster Gerichtshof ordnete 2017 deren Abriss an. Erlaubt sind noch die mobilen Buden, die nur während der Hochsaison ab Anfang Mai aufgebaut werden dürfen. Doch in diesem Jahr werden es nur noch drei statt sechs sein.

Die Regionalregierung begründet das Budenende mit dem Umwelt­schutz. In den vergangenen 65 Jahren habe sich das Meer einen im Durchschnitt 13,5 Meter breiten Strandstreifen von Es Trenc genommen. „Man muss sich nur die Luftbilder anschauen“, sagt der regionale Umweltminister Miquel Mir. Die Bürgermeisterin der Gemeinde Campos, zu der Ex Trenc gehört, Francisca Porquer, versteht nicht, was die Chiringuitos damit zu tun haben. Sie nennt die Leute im Umwelt­ministerium „eine Gruppe von Illuminaten“. Sie ist ernstlich sauer. „Sie stehlen uns die Saison.“

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Aus nach mehr als fünfzig Jahren

Ähnlich wütend sind die Leute in der Gemeinde Muro im Nordosten der Insel, wo dieses Jahr drei Chiringuitos in der Nähe von Can Picafort ihre Tische und Stühle draußen nicht mehr aufbauen dürfen – nach mehr als fünfzig Jahren. Die Gesetzeslage habe sich geändert, erklärt das hier zuständige nationale Umweltministerium, die Chiringuitos stünden zu nah beieinander. „Wir wollen doch nur erhalten, was schon seit Langem da ist“, klagt der Bürgermeister von Muro. 90 Arbeitsplätze gingen mit der Schließung der Terrassen verloren. Und natürlich ein Stück Strandkultur.

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